Vergiss die Blumen nicht

„Hallo Ben, du bist doch von Weihnachten bis zu den heiligen drei Königen in der Stadt oder?“, fragte mich Sophia, meine beste Freundin. „Ja“, antwortete ich absichtlich knapp, denn ich wusste bereits, dass sie mich um einen Gefallen bitten würde. Wir kennen uns einfach zu gut. „Die Mädels sind alle weg und ich auch…“, begann sie zu erklären und machte eine Pause, um mir ein abermals kurzes, fragendes Ja zu entlocken und setzte fort: „könntest du in der Zeit meine Blumen gießen? Du musst auch nicht…“ Ich weiß nicht mehr genau, was sie danach noch sagte, aber es waren die üblichen Dinge, die sie sagte, wenn sie mich beruhigen und ermuntern wollte. Ich stimmte zu und setzte mir drei Termine, an denen ich nach den Pflanzen schauen würde.

Ich muss gestehen, dass ich bei meinen Besuchen auch mal einen Blick in die anderen Zimmer warf, um zu sehen, wie jedes Mädel ihr kleines Reich verlassen hatte, dabei blieb es. Die Privatsphäre ist ein zu hohes Gut und wiegt weit mehr, als meine Neugier, die zu gern in verschlossene Boxen und Schränke schauen würde. Beim letzten Besuch war ich gerade mit dem Überprüfen der Pflanzen fertig und öffnete die Wohnungstür, als Nara vor mir stand. Ich hatte sie vor einem halben Jahr kennengelernt und sie vergaß jedes Mal, wer genau ich war. Sie vergaß aber niemals die Art, wie wir uns anblickten.

„Weißt du, wo Mathes wohnt?“, fragte sie mich. „Hm, ich kenne nur einen Mathes im Haus, der wohnt eine Etage höher, Nara“, erklärte ich und ergänzte die Frage: „Du erkennst mich nicht, oder?“ Es war die Frage, die ich ihr jedes Mal stellte, wenn ich sie traf. „Doch schon…“, sagte sie und kramte in ihrem Gedächtnis. Ich entgegnete: „Da erkennt mich Karoline wohl eher als du und dabei gibt es zwischen ihr und mir doch einen Interessenkonflikt.“ Nara grübelte sichtlich und ich half ihr: „Ich bin Ben.“ „Und was ist das für ein Konflikt zwischen Karo und Dir?“, hakte sie nach und ich erklärte knapp: „Na Du.“

Nara hatte ich seit unserer ersten Begegnung immer wieder mal abends getroffen, aber immer in Begleitung von Karo. Sie hatte eine Art, die ich als offenherzig bezeichnen würde, aber auch als naiv, jedoch nur im besten Sinne. Mit ihr zu reden war einfach: Man musste nur genau das sagen, was man dachte, denn sie redete und fragte ebenso aus dem Bauch heraus. Die Sache mit dem Konflikt verstand sie aus einem anderen Grund nicht, der sich mir erst Stück für Stück erschloss, als sie mir erklärte: „Ich liebe Karo, sie liebt mich und wir stören uns nicht daran, wenn wir anderen gefallen.“ Das war eine gute Antwort, wenngleich ich mir etwas anderes zu hören gewünscht hätte. „Dann hab noch einen schönen Abend!“, wünschte ich ihr und blickte in ihr Gesicht, während sie lächelnd fragte: „Magst du mich nicht noch hereinbitten?“

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

12 Kommentare zu „Vergiss die Blumen nicht“

  1. *grübel* Mein Ausgang dieser Begegnung ist fertig geklöppelt – verrate ich aber keinem! (Ist auch nicht gewünscht!)

      1. Hä? Karo und Nara sind doch ein Paar und scheinbar in einer offenen Beziehung…Und obwohl Nara die naive ist (ups, hört sich fast so an wie bei Bauer sucht Frau: die naive Nara – aus Naila?), zurück zum Thema, möchte sie von Ben hinein gebeten werden…. Für mich ein Fall von Frau-Frau-Mann… Nicht?

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