Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 5 – Stumme Kriegszeugen

Zum Beginn der Geschichte

Wir fuhren durch kroatische Dörfer, die offensichtlich nicht für Touristen gemacht waren. Sie waren schlicht, aber vor allem erblickte ich viele Häuser mit Einschusslöchern und abgeplatztem Putz. Ich weiß nicht, ob es Pete auch so ging, aber mich machte der Anblick nachdenklich. Ziellose, wirre Gedanken, die nur einen Zweck besaßen: mich zum Schweigen zu bringen. Zu oft nehme ich die Welt um mich herum nicht wahr. Ich höre Musik oder rede mit Freunden. Vielleicht lasse ich mich auch von Verkehr und Werbung ablenken. Hier sollte das nicht passieren. Ich wollte das Leben in dieser Trostlosigkeit voll und ganz aufnehmen. Wie das wohl für die Menschen ist, für die dieser Anblick zum Alltag geworden ist. Ist ihr Gemüt ständig ein wenig bedrückt, ohne dass sie es wissen?

Erst die Grenzkontrolle zu Serbien riss mich aus meinen Gedanken. Ein Land ließen wir hinter uns, um in ein anderes zu kommen, doch die Welt sah auf beiden Seiten gleich aus. Nur wenige Meter können entscheiden, mit welcher Nationalität du aufwächst. Nicht, weil du diese Grenze gezogen hast, sondern weil sie irgendjemand zog und wie oft mussten davor unzählige Menschen dafür sterben? Auf der einen Seite isst man von goldenen Tellern und auf der anderen verdursten die Menschen. Auf welcher Seite du das Licht der Welt erblickst, ist pures Glück und nichts, was du dir aussuchen kannst.

Teil 6

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

12 Kommentare zu „Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 5 – Stumme Kriegszeugen“

    1. Schicksal…ist ein Begriff, den man da noch definieren müsste. Also hinsichtlich des Punktes, ob man zu seinem eigenen Schicksal beigetragen hat oder es unverdient mit sich trägt.
      Vielen Dank, es werden weitere Teile folgen, der Weg bis nach Kalkutta ist noch lang ^^

  1. Diese Argumentation ist auch oft Teil meiner Antwort, wenn mir jemand sein Wohlstandsleid aufbürden will. Die Gnade der richtigen Geburt.
    Ein weiter Weg noch bis Kalkutta, das verspricht noch viele Bengedanken und das, Du ahnst es vielleicht: Fetzt!
    Liebe Grüße, Deine Käthe.

    1. Ja, mal schauen, was da noch so alles an Stationen kommt und wie oft ich noch unterschiedlichste Erzählgeschwindigkeiten verwende 🙂 aber man soll die Teile ja auch nicht an einem Stück lesen.
      Gaaaaaaanz liebe Grüße vom Ben.

  2. Lieber Ben,

    Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Geschichte noch entwickelt und was die Protagonisten auf ihrer Reise erleben werden. Ich mag deinen Schreibstil wirklich seehr!

    Liebe Grüße
    Meichy

    1. Hallo Meichy,

      danke für das schöne Lob. Ich hab schon überlegt, ob ich diese Kutter-Reihe viel interaktiver gestalte, also euch Leser Möglichkeiten gebe, eigene Ideen oder Gedanken einfließen zu lassen. Die Teile würde ich schon selbst schreiben, aber manches Mal ist es gar nicht so schlecht, wenn fremder Input einfließt. Bisher entstanden die Teile aber sehr ungeplant, also die Themen kamen einfach so aus mir heraus 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Ben

  3. Sehr schön! Grenzen sind schon eigentümliche Dinge. Konstruiert und gemacht, vor allem, wenn man einen Blick auf die Landkarte Afrikas wirft. Aber auch bei uns hier in Europa, wo es doch häufig die Geographie ist, die Grenzverläufe mitbestimmt. Der Rhein beispielsweise ist ja der klassische Grenzverlauf zwischen Frankreich und Deutschland (warum eigentlich muss ein Fluss einen trennenden und nicht einen verbindenden Charakter haben). Und interessant dabei: Laut Vertrag von Versailles darf nur Frankreich das Wasser des Rheins nutzen und macht das auch fleißig. Was sich der Mensch doch anmaßt, in der Kontrolle über die (natürliche und soziale) Umwelt.

    1. Flüsse und Bergkämme sind so schwer zu überwinden, dass sie in der Tat eher verbinden als trennen sollten, aber geschichtlich gesehen, waren die natürlich viel effektiver als eine Mauer. Warum grenzt sich der Mensch ein bzw. aus bzw. ab? Dass man zu einer Gruppe dazugehören möchte, ist verständlich, nur warum sich dann Gruppen gegeneinander abgrenzen müssen, das muss man erst einmal verstehen. Gerade wenn man sich die deutsche Geschichte mit ihrer Kleinstaaterei mal anschaut und jetzt kann man sich gar nicht vorstellen, dass da mal Grenzen in und um Deutschland waren. Die Grenzen Afrikas zeigen ganz besonders was passiert, wenn man den Gruppen nicht selbst die Möglichkeit gibt, ihre Räume für sich zu bestimmen. Das Grenzenziehen, das können nur die „zivilisierten“ Völker.

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