Unser Glauben

Unser Glauben

Wenn man mich fragt, woran ich glaube, dann behaupte ich gern, ich sei Atheist oder Agnostiker. Das stimmt auch durchaus. Doch versuche ich auch ehrlich mit mir selbst zu sein und ziehe Vergleiche. Bin ich wirklich frei von einem Glauben oder leben wir nicht alle in einer Gesellschaft, die zwar einen mittelalterlichen Gott verbannt hat, dafür aber einem neuen hinterherläuft, ohne es zu wissen?

Es war bereits in der Schule, als mich meine Kunstlehrerin darauf hinwies. Ich hatte es lange Zeit vergessen, aber ich möchte aufzeigen, was es im Mittelalter gab. Um die Spannung ein wenig zu erhöhen, lasse ich euch selbst herausfinden, worauf ich hinaus will, einige haben sicher jetzt schon eine Vermutung:

  • Man traf sich und hörte sich an, was man nicht verstand. Es gab Übersetzungen und die gaben dir eines zu verstehen: Halte dich genauestens an die Regeln, sonst landest du in der Hölle.
  • Man baute große Kathedralen und Kirchen. Wahre Prachtbauten, auf die wir noch heute mit einem Staunen schauen.
  • Hatte man sich doch einmal einen Fehler erlaubt und dies geschah schon bei unkeuscheren Gedanken, so gab es Ablassbriefe, mit denen man sich wieder von der Sünde befreien konnte.
  • Gott war alltäglich. Die Anbetung kam der Liebe gleich.
  • Es gab klare Trennungen, wer welchem Gott bzw. welcher Auslegung seiner Worte folgte. Man gehörte zu der einen oder zu der anderen Gruppe. Diese Gruppe wurde verteidigt.

Das sind bisher meine Gedanken und ich möchte sie festhalten, damit in meinem Kopf wieder Platz für weitere Punkte entsteht. Klar, der Platz ist eh vorhanden, aber kennt ihr das, wenn man sich selbst blockiert, weil man Angst hat, dass man einen Punkt vergessen könnte? Ihr könnt gern schon schreiben, worum es mir geht. Vielleicht zieht ihr ja ganz andere Parallelen und das fände ich sehr interessant.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

26 Kommentare zu „Unser Glauben“

  1. Die Abgrenzung (Vergleich, Wertung, Be-/Verurteilung) fällt mir auf und ein: Sie prägt unser Denken extrem, ob jetzt in Bezug auf Gottesbilder als auch in Bezug auf sogenanntes Nichtsglauben.
    Zugehörigkeit = Wichtigkeit = Lebenssinn = Geliebtwerden.
    Ich spinne einfach ein bisschen weiter …

  2. Ich glaube an Gott aber nicht an die Kirche. Ich glaube nicht, dass er wollte, dass man Geld bezahlt, um seinen Glauben zu festigen. Ich glaube auch nicht, dass er in Prachtbauten eher anzutreffen ist.

      1. Ist nicht jeder Text auch immer Interpretationssache? Du schriebst von deinem Glauben; davon Atheist zu sein und von Prachtbauten. Ich spreche von meinen Gedanken dazu. Nicht mehr, nicht weniger.

  3. Mir fällt dazu ein, dass die Komplexität der Welt auf ein einfaches, strenges System heruntergebrochen wird. Einfach, vielleicht gerade, weil es streng (abgrenzbar) ist. Das verleiht Sicherheit. Und mir kommt die Frage, ob wir heute soviele Extremisten hätten, wenn wir ein klares, göttliches Wertesystem haben würden. Das ist paradox, denn ich bin absolut religionskritisch. Aber ich kenne auch diese furchtbare Suche nach einem Stückchen Land, auf dem ich mich einmal kurz ausruhen kann. Vielleicht war der Fehler, zu glauben, dass wir überhaupt keinen Gott brauchen. Vielleicht hätte man Religion wie Antidepressiva ausschleichen und mit etwas anderem ersetzen müssen und nicht auf Knall und Fall alles verschwinden lassen.

    Der Verstand reicht für all die Ängste nicht aus. Der Mensch strebt ganz unversell danach, seine Umgebung in irgendeiner Weise als kontrollierbar und beeinflussbar zu erleben. Selbst Sklaven oder Gefangene unter widrigsten Bedingungen suchen nach Ritualen und Dingen, die sie noch beeinflussen können.

    Die Gedanken führen vielleicht alle zu weit weg jetzt.

    P.S.: Ich bin Agnostikerin (vom Kopf her), emotional glaube ich an Gott (aber an keine Religion).

    1. Nein, deine Gedanken sind welche, die ich selbst habe. Und ich behaupte sogar, dass wir eine andere Religion gefunden haben. Das Problem dabei ist nur, dass wir unseren Gott gar nicht leiden können. Ich werde nachher noch einen Eintrag dazu veröffentlichen und ich hoffe, dass es eine rege Beteiligung geben wird. Ich hoffe auf Widersprüche und natürlich auch auf Zustimmung 😉

      Ich denke, dass die Religion dabei war, friedlich auszulaufen, aber irgendwas hat sie wieder befeuert und so nimmt die Gläubigkeit wieder zu. Überlege nur, wie die Juden in Deutschland lebten. Man empfand sich vor dem dritten Reich mehr als Deutscher, denn als Jude. Die Religion wurde vielerorts kaum noch praktiziert. Ich will damit nicht sagen, dass es den jüdischen Glauben dank der Nazis gibt. Das will ich ganz klar ausschließen. Diese Zeit hat nichts, was ich gutheißen oder schönreden will bzw. könnte. Es wäre aber interessant gewesen, ob das Judentum, das Christentum und auch der Islam sich nicht langsam selbst abgeschafft hätten und mehr eine Art Kult gewesen wären. Aber dann hätten wir unsere Welt komplett diesem neuen Gott geopfert, über den ich noch schreiben werde.

      Zu deinem Einwurf mit den Extremisten: Den eigenen Glauben verteidigen und verbreiten zu wollen, gehört merkwürdigerweise zu den Religionen dazu. Was nicht verwundert, weil die Menschengeschichte immer im Zeichen der Expansion steht. Allerdings gab es nie ein großes Reich, was nicht schlussendlich zusammenbrach. Ich frage mich, ob das bei einer Religion auch passieren könnte (ich glaube nicht).

      Übrigens noch ein Punkt, weshalb die Religion so einen Aufwind hat, ist die Wissenschaft, welche die Religion hätte ablösen können, aber den meisten Menschen mittlerweile zu komplex erscheint. Glaube ich zumindest.

  4. Ratterndes Hirn denkt sich: du sprichst bewusst von Glaube, nicht von Religion. Ist nicht auch unser Glaube an den Fortschritt, den Konsum und das Wachstum damit vergleichbar? In unserer globalisierten Welt ist es doch paradox, einerseits hier auf dem ‚goldenen Kissen‘ zu leben und gleichzeitig zu wissen, wer dafür woanders definitiv gar kein Kissen mehr unterm Hintern hat? Dass all das dazu beiträgt, dass es der Welt immer schlechter geht? Im Namen dieses ‚Glaubens‘ geschehen doch unglaubliche Dinge, jeden Tag. Trotzdem rennen wir dem ‚Mehr‘ weiter hinterher. Da kann ich mich überhaupt nicht von frei machen.
    Und ein bisschen können wir uns vielleicht von diesem Gefühl der Mitschuld, die eigentlich ohnmächtig macht, ‚frei’kaufen, indem wir meinen, uns über diese Dinge bewusst zu sein, darüber nach zu denken, dann und wann dem Obdachlosen einen Euro geben (anstatt ihn zum wärmenden Tee einzuladen) im Bioladen einkaufen, unseren Müll trennen, vielleicht eine billige Klamotte weniger kaufen, einmal im Jahr spenden für irgendwen und fair gehandelten Kaffee trinken (oder Tee ;-)…).
    Ich will hier gar kein neues Fass aufmachen, das ist endlos ( und ich hatte dazu gerade schon eine schwierige Diskussion ;-D) und läuft Gefahr, in die Pauschalisierungspfütze zu tappen. Aber das fiel mir bei längerem Nachdenken dazu ein … Ich schicks dir trotzdem mal. 😉

    1. Ja, die Richtung ist genau die, in die ich wollte. Du bringst sogar weitere Punkte ein, die ich gern im neuen Eintrag anfügen würde. Ich habe absichtlich nicht das Wort „Religion“ benutzt und hoffe, dass es wirklich nirgends auftauchte 😉

      1. 😉 Und ich dachte schon, ich hätte schon wieder zu schnell und zu wenig fertig gedacht …
        Ja gut, mach das ruhig. Ich bin gespannt!!

      2. Guten Morgen. Nein. Warscheinlich nicht. 😉 Ich stelle bloss immer mal wieder fest, dass so manch unfertiger Gedanke, ausgesprochen anders verstanden wird, als er gedacht ist. Und hier in diesem Raum lässt sich nicht immer alles erklären. Deshalb bin ich da etwas vorsichtig. Aber wenn ich warten würde, bis sich meine Gedanken einigermassen entknotet hätten, wär das Thema schon längst ein anderes 😉 Insofern …

      3. Nunja, das ist ja hier kein Twitter 😉 schön wäre es natürlich, wenn Einträge, wie in Foren, noch oben kommen würden, wenn sie kommentiert werden. Vielleicht kann ich auch mal schauen, dass ich die Kommentarspalte anders in meinem Blog verankere, so dass man zumindest auf meiner Seite eine Themendiskussion mitverfolgen kann, obwohl der Eintrag schon ein wenig her ist.
        Ich finde es aber gar nicht schlimm, wenn man einen Gedanken schon etwas früher ausspricht. Sollte es zu Missverständnissen kommen, bin ich zumindest jemand, der meistens vorsichtig nachfragt. 🙂

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