Der Katzenmann – Teil 1

Da war er wieder, der Blick vom Bäcker zusammen mit dem plötzlichen Schweigen der anderen Kunden, als er, Heinrich, den Laden betreten hatte. Er wollte gar nicht mehr zu diesem Bäcker gehen, aber da seine Wohnung genau gegenüber lag und am Sonntag nur schwer an frisches Brot und Milch zu kommen ist, musste es einfach sein, auch wenn es Heinrich einiges an Überwindung kostete.

Viel schlimmer war allerdings der Nachbarsjunge Erik. Er war immer mit zwei Freunden unterwegs und ärgerte Heinrich bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ganz schlimm war es mal auf dem Markt. Erik quälte ein anderes Kind in einer Seitengasse, Heinrich sah das Treiben und rief laut, dass es genug sei. Erik ließ tatsächlich von den Kind ab und schrie laut zurück, was Herr Katzenpisse denn sonst machen wollen würde. „KATZENPISSE. KATZENPISSE!“, brüllte Erik und seine zwei Freunde stimmten ebenfalls mit ein. Selbst der Junge, der eben noch unter Eriks Tortur zu leiden hatte, schrie aus vollem Halse mit. Heinrich ging wieder auf den Markt, doch wurde er vom Geschrei verfolgt. Er sah die Gesichter der anderen Erwachsenen, von denen nicht wenige ein Schmunzeln nur schwerlich unterdrücken konnten. Niemals zuvor fühlte sich Heinrich so verlassen, wie in dem Moment. Als er an jenem Abend mit seinen Katzen Zuhause saß und seine graue gestreifte Freundin aus Sibirien streichelte, da murmelte er vor sich hin: „Hoffentlich geschieht diesem Erik mal ein Unglück.“ Dieser abendliche Singsang wurde zu Heinrichs Ritual, ganz ohne dass er es merkte. Immer saß ihm dabei Tiger, die sibirische Katze, auf dem Schoß, die ihm schnurrend in die Augen blickte.

Als er an diesem Sonntagmorgen in der Bäckerei stand und darauf wartete, dass der Bäcker die Brötchen und das Brot einpackte, kam ein aufgeregter Mann herein. Er erzählte vollkommen außer Atem, dass ein Unglück geschehen sei. Heinrich gab nichts auf das Getratsche, doch als er hörte, dass man Erik die ganze Nacht über gesucht hatte, wurde er hellhörig und lauschte gespannt. Am Morgen hätte man seine Leiche am Bach gefunden. Heinrich wäre beinahe ein Lächeln entglitten, aber er riss sich zusammen, bezahlte seinen Einkauf und ging, als hätte er nichts von dem mitbekommen, was nicht zu überhören gewesen war.

Zum 2. Teil

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

42 Kommentare zu „Der Katzenmann – Teil 1“

    1. Joa…nur sind solche Geschichten nicht die Realität. Aber klar, Schadenfreude ist uns allen eigen, es gibt aber sicherlich bessere Eigenschaften. Warten wir mal ab, was in den nächsten Teilen noch passieren wird.

  1. Eigentlich wollte ich mich nicht melden, weil ich diesmal das Geschehen nicht kommentieren und auch nicht darauf Einfluss nehmen möchte (Es ist DEINE Geschichte!), aber ich muss sagen, dass zwischen dem „Like“ und jetzt, das Aufräumen der Küche beim Herumspinnen zu diesem ersten Teil sehr leicht von der Hand ging… Ich bin gespannt darauf, was du aus Heinrich und Tiger machst!

      1. Nö, ich nenne es „vorerst“ Zufall. Wie ich es Jetamele schon geschrieben habe: ich glaube nicht, dass Heinrich seinen Tod wollte. Könnten wir den Tod mit Gedanken oder durch laut vor uns Murmeln herbeiführen, dann würde kaum einer Politiker werden wollen.^^

      2. Ich möchte eh kein Politiker sein 😉 so oder so nicht. Und nun ja, es sterben durchaus Leute, weil andere Menschen es ihnen immer wieder sagen…stell dir nur vor, man würde zu Heinrich ständig sagen, dass er sterben soll und er hätte seine Katzen nicht. Vielleicht…

      3. Sollte Heinrich ein etwas merkwürdiger Einzelgänger sein und nicht bemerken, dass er ständig nach Katzenpipi richt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er anderen Menschen nix bedeutet… Ich kenne Heinrichs Umfeld und seine Einstellung zum Leben nicht, aber ich sehe z.B. den Tod nicht als Lösung…

      4. Nun ja, wenn niemand sonst mehr lebt, hat er war niemanden mehr, der sich über ihn lustig macht, aber ansonsten eben auch nicht mehr viel. Das ist schon richtig.

      5. Hey, Heinrich ist ein Guter! Der wird sich doch nicht wünschen, dass alle sterben, die ihn nicht verstehen. Sollten die Menschen um ihn herum allerdings aus hygienischen Gründen auf ihn schlecht zu sprechen sein, wünschte ich ihm eine Bekanntschaft, die ihm die Augen (und seine unempfindliche Nase) öffnet… Ob er auch noch ein Messi ist???

    1. Wieso? Einen Denkzettel hatte der kleine Erik verdient und kein Mensch kannte Heinrichs Gedanken. Ich glaube auch nicht, dass Heinrich den Tod dem Jungen gewünscht hat… Nö, so einer ist er nicht… (Und Entschuldigung für die Einmischung!)

      1. Ich, meinerseits, hoffe, dass er kein schlechtes Gewissen bekommt… Ich kann Heinrichs „Fluch“ völlig verstehen.

      2. ;-D Nein, das glaube ich auch nicht, dass er ’so‘ einer ist.
        Mich hat der Text nur spontan an eine Zeit in meiner Kindheit erinnert, in der ich mir manchmal vorgstellt habe, dass meine Gedanken und Wünsche in der Realität in Erfüllung gehen würden. Im Positiven, wie aber auch im negativen Sinne. Und die Vorstellung fand ich dann doch recht gruselig, dass das Denken eines Gedanken etwas auslösen könnte, was ich doch so gar nicht wirklich gewollt habe. Wär ich dann dafür verantwortlich?
        Nein, wär ich natürlich nicht, weil der kausale Zusammenhang ja nicht beweisbar ist.
        Ausserdem war das bloss meine Kinderphantasie.
        Ich habe aber mal im Rahmen eines Jobs eine Person getroffen, die dachte, sie würde mit ihren Gedanken Dinge in Gang setzen. Die Person hatte durchaus das Bedürfnis, sich zu verkriechen und gar nichts mehr denken zu wollen. Aus Furcht.
        Naja, soviel zu meinen spontanen Assoziationen 😉

      3. Aha…ja, ich hab mir schon so eine Antwort gedacht. Ich hatte das als Schüler mal und krass dabei ist, dass dir dann erst recht so fiese Gedanken kommen. Ist ja auch logisch, wenn du dir sagst, dass du nichts schlimmes denken darfst, woran denkst du dann? 😉 Aber so krass ist es dann doch nicht, das kann ich schon vorweg nehmen…wobei es noch werden köönte 😀

      4. ;-D ;-D Denken Sie bitte jetzt bloss nicht an weisse Elefanten!! Ja, genau…
        Fiese Denkspirale.
        Na, nett von dir, wenn du deinem Heinrich die ganz harte Nummer ersparst. Aber ich bin trotzdem gespannt, auf was für Ideen du noch kommst. 😉

      5. Das mit den Gedanken ist so ’ne Sache: ständig höre ich „denk positiv, denk positiv“ und nix passiert. Negative Sachen geschehen ja auch immer wieder, ohne dass ich daran gedacht hätte…
        Dann höre ich, dass Gedanken Energie seien, die mit siebenfacher Stärke wie ein Bumerang auf uns zurückkommen…
        … und unter uns: auch ich habe mal gedacht, Dinge in Gang setzen zu können und ich landete für 12 Tage in der Klapse…

      6. Das mit den Gedanken und dem Bumerang war mir jetzt neu, aber im Grunde ist möglicherweise alles Energie. Insofern, wer weiss es schon so genau…

      7. Hättest du wohl gerne! Statt Tee trinken, esse ich lieber den frisch gebackenen Kirsch-Streusel-Kuchen und warte schön ab…

      8. Ja, wenn ich aufgrund ärztlich verschriebener Medikation Halluzinationen bekomme und mich für die Reinkarnation Jesus halte, dann bewege ich Einiges, inkl. die Polizei und einen Pfarrer bevor es in die Geschlossene ging… Übrig geblieben ist ein neuer wohlwollender Charakter… Keine schöne Erinnerung an die Zeit. Kann ich nicht ändern :-/

      9. Im Abendland darfst du auf keinen Fall Christus Reinkarnation sein. Du hättest durchaus ein Buddha sein können, aber bei Jesus hört der Spaß auf. Der ist einmalig…also zweimalig, weil er ja schon einmal von den Toten auferstanden war. Oh Mann, wie schnell hätte man den eigentlich weggesperrt, wenn der heute gelebt hätte. Ans Kreuz nageln machen wir nicht mehr, wir machen stattdessen die Leute verrückt. Schön, dass du dich nicht hast verrückt machen lassen. Die Erinnerung bleibt natürlich…leider.

      10. Ich habe mir die Identität Christi nicht ausgesucht: ich meinte einfach seine Wiedergeburt zu sein. Und das obwohl ich mich für einen unorthodoxen Christen halte: dass Er gelebt hat, mag sein, aber an all die mit Ihm verbundenen Wunder glaube ich nicht wirklich und die Bibel als solche sehe ich für ein ausführliches Märchenbuch. Ich gehe sogar soweit. dass wenn wir als Gotteskinder bezeichnet werden und Er auch Sein Sohn war, dann war JC unser Bruder. Wer vergöttert schon seinen Bruder??? Ja, es soll ja Unterschiede geben und ich mache es mir zu einfach, aber so sehe ich es. Dass JC Vieles richtig oder besser gemacht hat ist unbestritten, aber reicht es nicht selber den Pfad der Tugend für sich zu entdecken und danach vorzugehen?… (Dafür müsste ich in die Hölle kommen, aber auch die ist nur eine Erfindung, um uns Angst zu machen!)

      11. Nunja, ich halte es eh für falsch, sich da so sehr an die Worte aus einem Buch krallen zu wollen. Es ist ganz interessant zu sehen, wie du Christus definierst, ich halte es da recht simpel und gestehe ihm zu, existiert zu haben 😉 und womöglich wurde er wiedergeboren, wenngleich das natürlich gleich die Buddhisten auf den Plan ruft, denn wenn selbst Christus nicht die Weisheit eines Buddhas erlangte, wer dann??? 😉

      12. Die Idee der seelischen/geistigen Auferstehung in einem uns unbekannten Universum ist mir nicht unsympathisch, aber, dass der Körper gen Himmel zurück zum Schöpfer schwebt… Ich sag da lieber nichts!
        Und das mit der Weisheit ist auch so eine Sache: mag sein, dass ich im Vergleich zu Anderen ein Ignorant bin und deshalb so denke, aber Fühlen ist m.E. wichtiger als Wissen. (Was in unserer Gesellschaft natürlich gar nicht geht!!!) Ich bin aber kein Gegner der Buddhismus deswegen!
        Kann sein, dass du Wiedergeburt mit Auferstehung verwechselt hast? Christen „schlafen“ ja nach dem Tod bis zum Jüngsten Gericht, wann sich ihr Schicksal entscheidet (Himmel/Hölle) und werden nicht wiedergeboren.

      13. Ja, Auferstehung und Wiedergeburt sind für mich deswegen so gleich, weil man dazwischen tot sein muss, aber ich habe es tatsächlich verwechselt. Die Weisheit im Buddhismus bezieht sich ja nicht Wissen. Ich denke, ich hatte da auch eher den Begriff Erkenntnis nutzen sollen. Zumindest gab es da mal einen Baum im Paradies… 😉

      14. … ist ja auch kein alltägliches Thema, worüber wir uns da unterhalten. Ich bin da selber noch bei der Hinterleuchtung des seit Jahrhunderten Auferlegten und einfach Akzeptierten…
        Ja, jetzt verstehe ich das mit der Erkenntnis/Erleuchtung…
        Paradies? Ein Cabaret-Haus hier in Nürnberg?^^ Ich war da noch nie drinnen… Isch weeß nisch, ob da Bäume stehen… 😉

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