Der Katzenmann – Teil 6

Die Geschichte von vorn

Heinrich stand in der Küche und blickte in die dunkle Nacht hinaus. Er war mit seinen Gedanken bei Frau Leiser und ihrem freundlichen Lächeln. Ein Kreischen riss ihn aus seinen Gedanken. Es war Tiger, ihren Schrei erkannte er sofort. Er ging auf den Balkon zum Innenhof und vernahm nunmehr ein Bellen. Vor der Tür zu seinem Aufgang stand ein Hund und kläffte die Tür an. Vermutlich hatten Tiger und er einen Zusammenstoß gehabt, doch so flink, wie sie durch die immer offen stehende Türspalte hindurch flitzte, war der Köter offenbar nicht. Zudem war er einige Zentimeter zu rund geraten. Die Klappe an der Haustür floppte leise, also war Tiger wieder in Sicherheit. Der Hund bellte noch eine kurze Weile und verschwand dann fiepsend wieder, während Heinrich seiner guten Freundin einen Napf mit Milch hinstellte.

Am nächsten Morgen schien die Sonne ins Schlafzimmer. Heinrich wäre auch ohne die warmen Kitzler im Gesicht freudig aufgestanden. Er machte sich Frühstück, sah anschließend nach der Verpflegung seiner Mitbewohner und ging schlussendlich in den Keller, um sein Fahrrad zu holen und zur Arbeit zu radeln. Dass er eine Viertelstunde zu früh dran war, kam häufig vor, dass er vor sich her summte, eher selten. Als erstes besuchte er die sibirische Katze. Sie hatte, zu seinem Glück, noch keinen neuen Halter gefunden und würde perfekt zu Frau Leiser passen. Er streichelte sie, während er ihr die Schale auffüllte und kümmerte sich anschließend um die anderen Tiere, die nur auf ihn zu warten schienen. Das war sein wirkliches Zuhause. All die Wesen, besonders jene, deren Seelen geschunden waren. Schon traurig, dachte sich Heinrich, dass die Leute immer nur die süßen Kleinen haben wollen. Was für ein treuer Begleiter solch ein Tier sein kann, werden jene Menschen nie verstehen. Wie diese wohl mit ihren Mitmenschen umgehen mögen?

Am Nachmittag kam Frau Leiser ins Tierheim. Heinrich sah sie zum ersten Mal in Alltagskleidung. Den Zopf, den sie sonst trug, hatte sie geöffnet und eine bunte Wintermütze darüber gestülpt. Auch die Wolljacke vermittelte einen ganz anderen Eindruck, als zuvor in Uniform. „Hallo, Frau Leiser“, begrüßte Heinrich sie freundlich. „Oh Hallo“, erwiderte die Frau ein wenig überrascht. Herr Kalkenrisse erschien ihr ganz anders. Viel größer kam er ihr vor und seine Haltung aufrechter, als die Male zuvor. Heinrich führte sie zu der sibirischen Katzendame und tatsächlich schienen sich die Zwei sofort zu verstehen. Während die Frau ihre neue Begleiterin streichelte, erkundigte sie sich, was Heinrich gestern noch so getan hätte. Er lächelte nur und erzählte von dem Holzbau für die Katzen. „Und Tiger, wie geht es ihr?“, fragte Frau Leiser. Heinrich war etwas verwundert, verstand die Frage aber als ehrliches Interesse und erklärte kurz: „Der geht es ganz ausgezeichnet.“

Zum 7. Teil

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

30 Kommentare zu „Der Katzenmann – Teil 6“

  1. Schön 🙂 Aber das Kennenlernen der Sibirierin mit Frau Leiser hättest du ruhig ein bisschen mehr ausgestalten können. Im Gegensatz zu der Beziehung zwischen Heinrich und Tiger ist das hier arg kurz abgehandelt… Finde ich ein bisschen schade.

    1. Die Kritik ist mehr als berechtigt und ob du es glaubst oder nicht, ich habe auch geschwankt, ob ich das genau deswegen so veröffentlichen soll. Ich war ungefähr 100 bis 50 Wörter über dem eigentlichen Maß und hatte daher überlegt, ob ich das Kennenlernen von Leiser und Sibirierin erst in den nächsten Teil verschiebe, dann wäre aber zu wenig passiert. Ursprünglich war der Part länger, aber ich habe mich jetzt dafür entschieden, dass ich am Anfang des nächsten Teils noch genauer darauf eingehen werde. Es wäre vermutlich besser gewesen, sich von der Wörterzahl zu verabschieden, aber da bin ich wohl ein wenig zu deutsch 😉

  2. Lustig ist, dass sich bei mir, ohne zu wissen, was im nächsten Teil kommt, trotzdem eine gewisse unspezifische Erwartungshaltung entwickelt und dann: kommt es aber irgendwie doch ganz anders als ich (ganz unkonkret) vermutet habe: „??? Ach so?“
    Also, ich bin gespannt auf Teil 7. 😉

    1. Na das ist doch wirklich ein sehr schönes Lob, also wenn die Geschichte bei euch Lesern fortgeführt wird, selbst wenn es sich nicht genau spezifizieren lässt, wie dieses „Weiter“ dann genau aussieht. Ich freue mich ebenso schon auf Teil 7 und eure Kommentare dazu. 🙂

    1. Hallo Lu,
      es ist mal etwas anderes. Nicht die höchste kreative Leistung, aber dennoch nicht alltäglich und ich bin ganz zufrieden mit der Geschichte. 🙂
      Guten morgen,
      Ben

      1. Wie gesagt, Ben, dein Erzählen gefällt mir sehr, ich hab’s nur nicht so mit Katzen und Hunden (obwohl die ja in den Blogwelten reichlich unterwegs sind), das ist ja MEIN Manko, und keines von dir *lächel*
        Dir einen schönen Tag,
        Lu

  3. *kopfkino*
    Ich kann mich gerade richtig gut rein denken, vor allem von wegen tote Mäuse vor der Tür und nur ein bestimmtes Futter 😉
    Außerdem mag ich makabere Geschichten.
    Ich bin gespannt wie es weiter geht.

      1. Von allen Katzen, die wir je hatten. Da hatte jede ihre Eigenarten. Eben gerade stand das eine Katerchen mit Maus im Maul vor der Tür. So schnell habe ich noch nie die Katzenklappe zugemacht. Mäusejagd durchs Haus hatten wir in letzter Zeit genug 😉

      2. Ach, lebende Mäuse schwirren bei euch auch durchs Haus??? Aber unserer Katze habe ich auch schon verboten, die Maus mit hinein zu nehmen, sie nimmt es aber nicht so genau damit ^^

      3. Echt? Na ja, jetzt wo du es schreibst, kommt es mir gar nicht so unvorstellbar vor mit den Mäusen an den Wänden, aber irgendwie finde ich das arg gruselig.

  4. Prima, Ben, gefällt mir gut. Aber ich habe zwei Anmerkungen, die ich nicht unbedingt als Kritik bezeichnen wollen würde, aber da ich mich persönlich auch immer über Hinweise zu meiner Schreibe freue, werde ich die hier einfach mal los.

    Zum einen (und das ist nur auf Halbwissen basierende Klugscheißerei) sind für die Ermittlung bei Todesfällen nicht natürlicher Art und Selbstmorde Kriminalpolizisten verantwortlich, die in den allermeisten Fällen nicht uniformiert sind … aber vielleicht ziehen die Leute von der Kripo für die Aufnahme der Aussagen von Passanten und Anwohnern ja Kollegen von der Schutzpolizei dazu, das habe ich auf die Schnelle jetzt nicht herausfinden können.

    Zum anderen stört mich aber etwas stilistisch in diesem sechsten Teil deiner Kurzgeschichte. Du hast bisher ausschließlich die Geschichte durch die Augen von Herrn Kalkenrisse erzählt, was ich sehr gut finde. Aber im sechsten Teil machst du eine kurze Kopfwanderung und wir sehen die Ereignisse durch die Augen von Frau Leiser und dann springst du plötzlich wieder zurück.

    „„Oh Hallo“, erwiderte die Frau ein wenig überrascht. Herr Kalkenrisse erschien ihr ganz anders. Viel größer kam er ihr vor und seine Haltung aufrechter, als die Male zuvor.“ –> im Kopf von Frau Leiser

    „Heinrich war etwas verwundert, verstand die Frage aber als ehrliches Interesse und erklärte kurz: „Der geht es ganz ausgezeichnet.““ –> im Kopf von Herrn Kalkenrisse

    Das hat mich aus dem Lesefluss gerissen, denn ich war gewohnt, die Wahrnehmung von Herrn Kalkenrisse zu teilen. Und tatsächlich könntest du, wenn du konsequent bei Kalkenrisses Wahrnehmung bleibst, gleich noch ein wenig mehr über seinen Charakter und seine soziale Kompetenz verraten, wenn du diesen Absatz auch durch seine Augen zeigst. Bekommt er es mit, dass Frau Leiser ihn anders anschaut, oder nicht? Was zieht er für Schlüsse daraus? Wie reagiert er körperlich? z.B.:

    „“Oh Hallo“, erwiderte die Frau und schien ein wenig überrascht. Sie musterte ihn und irgendetwas war in ihren Augen, das ihn ein wenig verlegen machte. Herr Kalkenrisse rieb sich die feuchten Hände an seiner Hose, straffte die Schultern und lächelte schief aber freundlich.“

    So, wie gesagt, das sollte keine Kritik sein, sondern nur eine Anregung. In diesem Sinne, gutes Weiterschreiben und viele Grüße
    Jens

    1. Hallo Jens,
      vielen Dank für die Anmerkungen bzw. Hinweise. Der erste Punkt ist immer so eine ganz gefährliche Sache bei den Geschichten. Was erzählt man, das so gar nicht stimmt und dadurch ein falsches Bild abgibt. Zumindest bei jenen, die sich ein wenig auskennen. Da ist jeder Fehler durchaus wichtig und lässt sich schnell korrigieren.

      Bei Punkt zwei habe ich durchaus nicht bedacht, ob das einen Bruch geben könnte. Mir war wichtig, dass Heinrichs Veränderung als Mensch in seinem Job (und vielleicht auch als Verknallter) wahrgenommen wird, jedoch nicht darauf geachtet, ob ich die Erzählperspektive bewahre. Ich finde das Beispiel verständlich und werde mich morgen mal daran setzen und die Teile darauf untersuchen und auch umbauen.
      Ich bin wirklich unheimlich dankbar, dass du so ausgiebig geschrieben hast und gerade der zweite Hinweis ist nicht ganz unwichtig für einen anderen Text von mir, da könnte ich mir vorstellen, ähnliche „Blickwechsel“ gemacht zu haben.
      Hab eine gute Nacht und denke daran, dass ich diesen Blog ja gerade deswegen habe, mich in meiner Schreibe zu verbessern. Es gibt natürlich immer verschiedene Meinungen und Schreibstile, aber solche Brüche finde ich auch merkwürdig beim Lesen. Dennoch bin ich da ein wenig betriebsblind 😉

    2. Noch eine Rückmeldung von mir: Ich wollte mich gerade über den ersten Punkt hermachen und stellte fest, dass ich Frau Leiser entweder an der Stelle rausschmeißen muss, oder sie als eine zusätzliche Begleitung dabei ist. Beide Optionen gefallen mir nicht sonderlich. Könnte es sein, dass sie gerade in der Ausbildung ist, deswegen die Uniform trägt und deswegen dabei ist? Oder ist Kripo und Polizei strikt voneinander getrennt? Hach, ich muss eh schon wieder los. Vielen Dank für deine Hilfe.
      Liebe Grüße,
      Ben

      1. Hallo Ben,
        es freut mich sehr, wenn Du meine Anmerkungen als konstruktiv aufgefasst hast, denn so waren sie auch gemeint. Ich finde, Du hast eine sehr angenehme und unaufdringliche Erzählweise, die mir sehr gut gefällt. Und ich habe bisher die ganze Blog-Welt so verstanden, dass sie dafür da ist, um voneinander lernen zu können – nur haben das irgendwie recht viele Leute verlernt, so scheint es mir manchmal.

        Die Idee, Frau Leiser als Polizeischülerin auftreten zu lassen, finde ich sehr sehr gut! Letztendlich sind Schutzpolizei und Kriminalpolizei aber sowieso nicht so weit voneinander entfernt, haben halt nur unterschiedliche Aufgabengebiete und, ganz ehrlich, Experte auf dem Gebiet bin ich auch nicht wirklich 🙂

      2. Okay, aber dann werde ich sie in dieser Richtung in die Geschichte einbinden. Es ist ja nur ein kleinerer Ort, da gibt es ja gar keine richtige Kriminalpolizei 😉 und außerdem gibts da merkwürdige Morde, da kann die Frau in Uniform auch mal zu den Kommissaren gehören 😉

        Die Sache mit der Kritik ist immer so eine Sache, denn eine gute und sinnvolle Kritik benötigt auch ein wenig Zeit und sollte über mehrere Zeilen gehen. Ich bekam auch schon Tipps, die ich nervig fand, weil sie Umformulierungen meiner Sätze waren, ohne mir zu zeigen, was ich beim nächsten Mal besser machen könnte. Gerade deswegen bin ich dir so dankbar für den Input. Ich schreibe gerade am Original herum und werde die Einträge noch abändern. Ist dann auch nicht ganz so wild, dass die meisten Leser die Urversion bereits gelesen haben. Die neuen und die sporadischen Leser haben alle mal was davon und ich ja eh. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s