Rostig

Das Rauschen des Wassers hat schon etwas Ambivalentes. Es wirkt beruhigend und gleichzeitig wühlt es auf, wenn man direkt über dem künstlichen Wasserfall auf der Brücke steht. Mitten in der Nacht und außer mir selbst gibt es nur die Lichter der Kleinstadt zu meiner Linken und zu meiner Rechten. Eine wirkliche Verbindung ist diese Staustufe gar nicht, denn man kann sie nur zu Fuß erklimmen und muss das Rad dafür tragen. Überall schaut der Rost durch das Geländer, an dem an unzähligen Stellen die Farbe abgesplittert ist. Ein mildes Olivgrün hatte man einst aufgepinselt. Ich mag solche Plätze. Sie sind ebenso ambivalent wie das rauschende Wasser. Es sind große und feste Bauten, die Stück für Stück zerfallen. Langsam und stetig. Irgendwann.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

9 Kommentare zu „Rostig“

  1. 😉 So ist das mit vielen Dingen, von denen wir denken, sie seien große und feste Bauten: sie rosten und verfallen langsam und stetig.
    So ist es zum Beispiel mit Überzeugungen. Oder Denkweisen. Oder anderen Dingen, von denen wir denken, sie seien endgültig. Stimmt selten.
    Das ist Leben: es wächst und zerfällt. Man kann es nicht fest tackern. Man kann es nur fliegen lassen.

    Sorry, dass ich dich immer kommentieren muss.
    Ich nerve mich selbst, aber mir fällt einfach dauernd was zu deinen Texten ein. 😉
    Gute Nacht.

    1. Du musst dich nicht fürs Kommentieren entschuldigen, ganz im Gegenteil, ich muss mich bedanken für die lieben Kommentare. Mach also bitte weiter so. Wenn dich meine Einträge also dazu bringen, deine Meinung oder deine Gedanken kund zu tun, ist das für mich ein Lob, denn was gibt es schöneres?

      Liebe Grüße und auch dir eine wunderschöne Nacht,
      Ben

      1. 😉 Danke, gut zu wissen.
        Ich hab eigentlich nicht so oft das Bedürfnis, überall meinen Senf dazu zu geben, vmtl. irritiert mich das …
        Liebe Grüße zurück, Andrea

  2. Ich kann dort nachts gar nicht stehen; das Rauschen, welches in die Stille der Nacht dröhnt, und das scheinbar schwarze Wasser machen mir immer Angst. Ich muss sogar in der Mitte gehen, wenn ich die Brücke überqueren möchte.

    (Oh, und nachdem ich deinen Text gelesen hatte, musste ich sofort „Bridge over troubled water“ in der Interpretation des unsterblich genialen Elvis Presley hören. Wunderschön.)

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