Die eigene Stadt – Teil 1

Das Vogelgezwitscher bescherte ihm ein wohliges Gefühl. Genau das, wofür er hierhergekommen war. Abgesehen von wenigen abenteuerlustigen Touristen und Plünderern, war keine Menschenseele weit und breit und selbst jene blieben selten länger als eine Stunde. Es war sein kleines Paradies und so hatte er ein wunderschönes Wohnhaus mit höchster Kunst mit Farbe eingesprüht und mit seinem Namen „Maximilian“ versehen.

Seine Flucht an diesen Ort war eine Schnapsidee gewesen, doch ließ man ihm kaum eine andere Wahl. Schon früh hatte man seine außergewöhnliche Gesundheit festgestellt und die späteren Untersuchungen ergaben eine übergroße Leber. Seine Zellen regenerierten schneller als die anderer Menschen, doch warum sie das genau taten, wusste man nicht. Nicht wenige Ärzte nahmen Blutproben und testeten ihn immer wieder. Einer wollte ihn gar ganz aufschneiden, während ein Anderer eine Biopsie am Gehirn vornehmen wollte, denn womöglich wäre dort der Schlüssel um seine Gesundheit zu finden. Ein Heilmittel für jede Krankheit wurde gesucht und da gibt es keine moralischen Grenzen. Krebszellen trockneten einfach aus, wenn sie mit Max‘ Blut in Berührung kamen. Seit er neun war, verbrachte er seine Nachmittage in Krankenhäusern. Sein halbes Leben also, bis er ausriss und wieder nach der eigenen Freiheit suchte.

Als man ihn eines Nachmittags von der Schule abholen wollte, zuckte der Rektor nur mit der Schulter, Max sei den ganzen Tag nicht in der Schule gewesen. Der für ihn abgestellte Sicherheitsmann wurde wenig später in Max‘ Zimmer gefunden, gefesselt. Der erste Schritt in die Flucht ging schnell und einfach, doch schon in der Nacht flimmerte sein Gesicht über die Schirme der elektronischen Nachrichten und Fernsehanstalten. Ganz Europa suchte nach ihm und es machte ihm bewusst, wie gefangen er sein würde, wenn man ihn fände.

In der ersten Nacht klingelte er an der Tür seines ersten Arztes. „Engel“ stand auf der Klingel, doch Max hatte ihn ursprünglich Mengele genannt, weil er der erste war, der mit den Tests angefangen hatte. Er war aber auch der erste und der einzige Arzt, der sich später gegen die Behandlung stellte. Wem könnte Max vertrauen, wenn nicht ihm? Seine Eltern saßen in der Nervenheilanstalt. Sie hatten es gewagt, mit einer Klage zu drohen und kurze Zeit später stellte man fest, dass sie geistig nicht zurechnungsfähig waren und man ihnen das Sorgerecht entziehen müsste. Dr. Engel war damals aufgewacht und erkannte, welch Monstrum dem einen Menschen gegenüberstand. Er kämpfte am Rande des Möglichen und er war es auch, der Max ein Paradies vorschlagen sollte. Es war klar, dass Max auch bei Dr. Engel nicht sicher war und so lud er den Jungen neben einigen Lebensmitteln in seinen Wagen ein und sie machten sich in Richtung Osten auf.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

19 Kommentare zu „Die eigene Stadt – Teil 1“

  1. Oh, neue Geschichte. 😉
    Lustig, ich fang an zu lesen und denke, hmm, naja …. und dann irgendwann kommt der Punkt, an dem denke ich: ??? und dann: Mist, zuende.
    Du verstehst schon, wie man Leute an der langen Leine hält ;-D
    Freu mich auf mehr. Grüße aus HH

    1. Und du kannst eine gerechtfertigte Kritik zuckersüß mit einem riesigen Lob verpacken. Ich war heute mächtig durch den Wind und gerade beim Einstieg ins Schreiben (also sei es nach einer Pause oder in eine neue Geschichte) murkst man ein wenig rum. Da wäre eine morgige Erscheinung vermutlich explosiver gestartet 😉 nunja, so gibt es morgen eben eine Fortsetzung. Denke ich zumindest 🙂

      1. 😉 murkst ‚man‘ oder murkst du?
        Ich für meinen Teil kann’s verstehen, ich bin meist ziemlich zerstreut, wenn ich durch den Wind bin. Kommen allerdings manchmal trotzdem interessante Dinge bei raus.

      2. Oh, ich habe gemurkst, was ich aber nicht immer tue und ich weiß von vielen Autoren, die klar sagen, dass sie am Ende eines Buches das erste Kapitel neu schreiben. Ich bleibe also bei „man“ 😉

        Eine interessante Geschichte kommt ja gerade bei heraus, hoffe ich zumindest 😀

      3. Och, so sehr gemurkst hast du doch gar nicht. Ich sagte ja bereits: irgendwann zwischendrin ist meine Neugier aufgewacht. (Und es hat mich auch an irgendwas erinnert… ich komm bloss nicht drauf.)
        Innerhalb eines (!!) Kapitels!
        Weißt du, wie viele Bücher ich weg lege, weil die ersten sieben (!!) Kapitel bei mir nicht ‚funzen‘??
        Insofern! Alles wunderbar. 😉

      4. ;-D Nee, das geht bei mir auch meistens schon deutlich schneller, ich wollte bloß quasi metaphorisch verdeutlichen, wie viele Bücher mir begegnen, die gefühlte sieben Kapitel lang nicht einen Funken Neugier bei mir wecken. Im Gegensatz zu besagtem ersten Kapitel trotz schleichendem Einstieg.
        Ich mag die 8 lieber als die 7! Jetzt frag aber nicht, warum. 😉

      5. Okay, ich frag nicht. Aber es ist bei mir ja auch nur der erste Teil, ein erstes Kapitel dürfte vermutlich länger sein, als die gesamte Geschichte 😉

    1. ^^ eigentlich sind Teile ja auch den Kapiteln übergeordnet…womöglich sollte ich es Fragment nennen, da habe ich keine Probleme mit der Menge der Wörter. Dafür dann aber mit dem Anfang, dem Ende und überhaupt mit der Struktur…hach.

  2. Oahh ’n Cliffhänger.
    Erwähnte ich bereits, dass Geduld nicht zu meinen Stärken zählt? ;P

    Ging mir beim Lesen ähnlich wie Jetamele: Erst so: „wtf?“ und dann so: „mehr!“
    Bitte lass uns nicht zu lange hängen, ja? Kriegst auch ein Blümchen, guck:

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