Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 9 – Ein absehbarer Verlust

Zum Beginn der Geschichte

Petes VW hatte uns treue Dienste geleistet, aber auf dem Weg nach Erzincan aufgegeben. Wir hatten die Motorhaube aufgerissen und es zischte und dampfte nur so. Pete versuchte am Motor rumzuschrauben, gab es dann allerdings recht schnell auf. Wir beschlossen zu trampen und fanden einen afghanischen Lastwagenfahrer, der uns mitnahm. Ich hatte keine Ahnung, was das für mich bedeuten würde.

Danyal fuhr seinen LKW, der mir nicht weniger anfällig vorkam, als unser bisheriges Gefährt, mit einem Affenzahn über die schlecht befestigten Straßen. Nach einer Stunde merkte ich, wie sich meine Hand am Festhaltegriff an der Tür verkrampft hatte und auch meine Beine sich gegen den Boden drückten. Pete und Danyal unterhielten sich entspannt, aber mir war mulmig zumute. Mir kam die Frage auf, wovor ich Angst hatte. Es war gar nicht so lang her, da hätte ich mich über ein frühes Ableben gefreut und jetzt mache ich mir deswegen in die Hose? Die Angst erschien mir irrational und auch wenn es immer wieder Momente der Anspannung gab, so beruhigte ich mich innerlich und konnte dem Gespräch der Beiden folgen.

Ein kleiner Ort bei Erbaa war es, an dem wir zur Nachtruhe einkehrten. Danyal kannte eine Bauernfamilie, bei der er unterkam und wir waren ebenfalls herzlich eingeladen. Es ist schon bemerkenswert, dass unser Erscheinen zur Grundlage eines kleinen Festes gemacht wurde. Kleine und große Köstlichkeiten durften wir genießen. Pete schmauste und genoss es sichtlich, ich hingegen hatte ein ungutes Gefühl, wie wir diese Festlichkeit entlohnen könnten.

Abschied

Weißt du noch, wie dein Kopf in meinen Händen ruhte und mein rechter Daumen auf deinen Lippen? Warum küssten wir uns nicht, wo es so klar war, dass es jetzt sein könnte? Machte es den Abschied auf irgendeine Weise leichter?

Ich litt darunter. Nie wollte ich rauchen und jetzt kann ich die perfekte Zigarette drehen. Ich bin froh, wenn meine Hände etwas tun können. Schlimm wird es nur, wenn ich Zeit habe und ruhig werde. So wie eben, als ich diese warme Tasse Tee hielt und mit dem Daumen darüberstrich. Es erinnert mich überhaupt nicht an dich. Nicht an deine zarte Haut, deine langen Haare oder deine weichen Lippen. Aber dennoch denke ich beim Drüberstreicheln an dich.

An Dich, die nicht mehr da sein wird. Die Hand eines Anderen streichelt dich nun und es ist gut so. Für dich und für ihn. Und für mich?

Drei Doppelpunkt zwei eins

Die Zeichen 3:21 strahlen rötlich. Bin ich kurz weggenickt oder lag ich durchweg wach? Keine neue Nachricht blendet mir das Handydisplay entgegen; was zu erwarten war. Auf den Tag zwei Wochen ist es her, dass ich dir schrieb. Du siehst, ich vermisse dich nicht. Aber langsam solltest du mich doch vermissen.

4:32. noch etwas mehr als eineinhalb Stunden bis ich aufstehen muss.

5:43. Ich hab geschlafen. In zwei Minuten klingelt das Handy.

5:45. Brrrrrr. Brrrrrr. Umdrehen. Zuerst das Handy, dann mich.

5:50. Brrrrrr. Brrrrrr. Warum kann ich eigentlich so gut schlafen, wenn ich nicht darf? Noch einmal umdrehen

5:55. Brrrrrr. Brrrrrr. Leck mich!

6:00. FUCK. Das Frühstück kann ich knicken, aber für ‚ne Dusche reicht‘s noch.

6:54. Durchgeschwitzt, aber pünktlich.

9:10. Jetzt müsste sie auch wach sein.

10:11. Die Pause naht.

11:12. Brrrrrr. Brrrrrr. Brrrrrr. Eine neue Nachricht. Nicht von ihr. Heute Abend ein paar Bier trinken. Warum nicht?

16:17. Das war‘s, ich geh.

17:18. Endlich Zuhause und gleich mal frisches Brot futtern.

18:19. Durchs Fenster strahlt die Sonne mir entgegen.

19:20. Durch die Tür kommt mein Mitbewohner. Er hat ein Sixpack dabei und „Fluch der Karibik“. Irgendwas stimmt nicht.

20:21. Kurz nach Primetime. Es klingelt an der Tür und zwei Mädels kommen herein. Eine gehört zu meinem Mitbewohner, die andere zu ihr.

21:22. Mein Mitbewohner kuschelt mit seinem Mädel. Ich ahne ein „CAPTAIN Jack Sparrow“ voraus.

22:23. Die Hauptmenü-Melodie dudelt vor sich hin, während Amina und ich uns unterhalten. Mein Mitbewohner und sein Mädel sind verschwunden. In der Küche oder in seinem Zimmer.

23:24. Die Titelmenü-Melodie nervt, aber ich möchte nicht mit dem Knutschen aufhören.

0:12. Gute Nacht. Endlich einmal wieder.

Immer weiter…

Frau Knobloch und ich ersannen das Projekt um eine Fortsetzungsgeschichte. Hier nun die Regeln, damit es auch funktionieren kann und zu einem großen Projekt wird:

1. Frage unter dem neuesten Eintrag, ob du fortsetzen darfst. Falls ja, dann gelten folgende, weitere Regeln:

2. Verlinke auf die Regelseite (das kann ein Link auf diese Seite hier sein oder ihr erstellt einen eigenen Eintrag dazu) und auf den ersten Eintrag (die Verlinkung einfach ganz am Ende des eigenen Eintrages).

3. Verlinke auf den vorherigen Eintrag.

4. Solange keine weitere Schreiberin bzw. kein weiterer Schreiber sich gemeldet hat, am Ende des Eintrages „Suche nach Fortsetzung“ einfügen. Sobald eine Fortsetzung angemeldet wurde, abändern in „Nächster Teil kommt bald“.

5. Ersetze „Nächster Teil kommt bald“ mit der Verlinkung auf den folgenden Eintrag.

Hier beginnt die Geschichte

Acht Beine

„Kein Stück weiter“, verlangte die junge Frau, die von ihren Freunden Nia genannt wurde. Ein klarer Befehl, der jedoch von der Spinne nicht verstanden wurde. Sie missachtete die Aufforderung allerdings auch nicht, denn sie saß entspannt in der Ecke des Zimmers und wartete auf den Fang des Tages. Kein großer Fisch, aber sicherlich was Knackiges.

Es ist schon unfair eine Spinne zu sein: Man vollbringt allerhand nützliche Arbeit. Okay, die Spinnweben mögen nervig sein, fangen dafür aber auch so manche Staubfluse auf. Wenn man dann freudig durch Zimmer krabbelt, kommt so ein Mensch mit seinem Glas daher und fängt einen ein. Gewaltsame Umsiedlung nennt man das wohl.

Nicht so Nia, die ekelt sich viel zu sehr. Jedes Tapsen auf dem Papier, das das Glas verschließt, hätte sie bis ins Mark gespürt und hätte dabei ein Gefühl gehabt, als würde sie erbrechen müssen. Nia konnte das nicht tun. Also nahm sie den Staubsauger.

Lesung – alle „möglichen“ Texte und ein Extra

Ich habe jetzt mal geschaut und die Texte ausgewählt, die ich nehmen möchte. Einer davon braucht noch eine Überarbeitung und ist daher noch nicht eingesprochen.

Als kleines Schmankerl zum Wochenende ist noch eine gesprochene Version des ersten Kapitels meines aktuellen Projekts dabei. Es wird einen einzelnen Eintrag dafür geben, den ich mit einem Passwort versehe und den ich in einer Woche auch wieder löschen werde. Wer das Passwort dazu haben möchte, sollte mir eine Mail schreiben „ben.froehlich(at)gmx.de“ und bereits zuvor in Kontakt zu mir getreten sein. Eine Person, die sich jetzt meldet und dich ich nicht kenne, wird keinen Zugriff erhalten, ich bitte darum, mir das nachzusehen. Als Vorwarnung sei gesagt, dass es knapp 21 Minuten an Text sein werden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr die Beiträge, die euch besonders gefallen haben, in der Abstimmung vermerken könntet, denn ich weiß nicht, ob ich alle werde vorlesen können. Einige Texte habt ihr schon gehört, aber da fehlt mir gerade die Zeit, sie neu aufzunehmen.

 

Der Katzenmann – Teil 10

Die Geschichte von vorn

Der Tag im Tierheim verlief zähflüssig. Immer wieder wanderten Heinrichs Gedanken um das, was am Morgen geschehen war. Er hatte sich mittlerweile beruhigt und verstand Sabines Handeln, wenngleich er sich so sehr wünschte, dass sie ihn ganz neutral hätte kennenlernen können. Auf der Rückfahrt bemerkte Heinrich, dass es bereits aufwärts ging. Er spürte das an der Art, wie er radelte. Am Morgen noch fiel jeder Tritt in die Pedale schwer, der Weg zurück ging schnell. Die schlechten Gedanken an Sabine waren gewichen. So tief konnten seine Gefühle ja auch in der kurzen Zeit und bei dem wenigen persönlichen Kontakt nicht gereift sein. Das musste er sich sagen und er glaubte es auch.

Zuhause angekommen, fröstelte ihn, dass Tiger in der Flurmitte saß und schon auf ihn zu warten schien. Es war nicht das erste Mal, dass sie dort saß, aber seit gestern hatte es in ihrer Beziehung einen gewaltigen Bruch gegeben. Heinrich hatte sich zwar mittlerweile klar gemacht, dass seine Katze niemals so etwas hätte tun können, aber so ganz war der Gedanke noch nicht in sein Innerstes vorgedrungen. Er streichelte sie nicht, ließ sich aber von ihr anstupsen und füllte ihr Schälchen mit ihrem Lieblingsfutter auf. Da klingelte und klopfte es an seiner Tür. Nur einen Moment später wusste er auch, wer da klopfte, denn von draußen rief eine männliche Stimme: „Herr Kalkenrisse. Hier ist die Polizei, machen Sie auf.“ Heinrich ging zur Tür und öffnete diese. Zwei Männer in Uniform und ein dritter, der ihn vor ein paar Tagen erst befragt hatte, standen dort. „Herr Kalkenrisse?“ „Ja?“ „Wir möchten Sie bitten, mitzukommen.“ „Sofort? Ich bin gerade erst nach Hause gekommen.“ „Bitte kommen Sie sofort mit.“ „Hat es was mit Frau Leiser zu tun?“ „Möchten Sie uns was zu ihr erzählen? Vielleicht, wo Sie heute Mittag gegen 14Uhr waren?“, fragte der Mann in Zivilkleidung. Heinrich war verwirrt: „Ist was mit ihr passiert?“ „Tun Sie nicht so scheinheilig.“ Kalkenrisse drehte sich zu Tiger um. Ihm standen Tränen in den Augen: „Wär es nicht einfacher gewesen, einfach mich umzubringen, du Teufelstier?“ Die zwei Polizisten griffen Heinrich von hinten und nahmen ihn im Auto mit.

Am nächsten Mittag schrieb der Kommissar einen Bericht über Heinrich Kalkenrisse. Man habe ihn tot in seiner Zelle aufgefunden. Wie es zu seinem Tod kam, sei unbekannt.

Es war der letzte unerklärliche Mord von insgesamt fünf Fällen, die den kleinen Ort erschüttert hatten. Die Katzen kamen ins Tierheim. Nur eine stolze, sibirische Katze nicht. Die hatte sich bei einer liebenswerten, alten und stummen Dame einquartiert.