Die Frau von heute will den Mann von gestern

Ich bin ja ein großer Fan des Feminismus und verteidige ihn nur zu gern. Warum mache ich das eigentlich? Will ich mich damit bei Frauen einschleimen? Ganz ehrlich, auf die Tour funktioniert es nicht. Also warum dann? Aus purem Egoismus und warum auch nicht? Jene Form des Feminismus, der ich zustimme, setzt auf die Auflösung von Rollenbildern oder einer Erwartungshaltung gegenüber einem Geschlecht.

Weinen zum Beispiel wird als Zeichen der Schwäche angesehen, dabei fällt es mir öffentlich schwerer als zu flatulieren, somit sollte es doch sogar als Stärke angesehen werden, wenn ich mich als Mann öffentlich zu meinen Tränen bekenne. Als Mann steht mir auch die Aufgabe zu, die Tür aufzuhalten, eine Frau anzusprechen und sie zu verteidigen. Ganz ehrlich, ich lasse mir auch gern mal die Tür aufhalten oder mich anmachen. Und was die Verteidigung betrifft, so gibt es da die physische Ebene (ich kenne genügend Frauen, die mehr Kampferfahrung als ich besitzen) und die verbale Ebene (es ist ein fast unbeschreibliches Gefühl, wenn einem selbst die Worte fehlen und plötzlich jemand das Wort für einen ergreift). Beide Ebenen dürfen auch gern mal von einer Frau übernommen werden (eben von jedem Menschen). Achja und das Pinkeln im Stehen. Das muss ich erwähnen, weil eine andere Bloggerin mal meinte, dass sie es unmännlich findet, wenn ein Kerl sich hinsetzt: Ich bin viel zu gemütlich, um mich nicht hinzusetzen. Mag ja sein, dass es alten Männern schwer fällt, in die Knie zu gehen, aber ich will nicht fix irgendwo hinrennen, dann schnell alles wieder einpacken, dabei tausend Tropfen im Raum verteilen und mir am besten noch was einquetschen, weil der Reißverschluss an der Hose ja ebenso schnell geschlossen werden musste (okay, ich hab nur Hosen mit Knöpfen, aber es geht mir mehr ums Bild des eiligen Mannes, der kann sich Knöpfe zeittechnisch gar nicht leisten kann). Das Beispiel vom Geldgeber, der des Nachts ruhig weiterschläft, während seine Frau zum schreienden Kind rennt, lasse ich nur am Rande hier stehen, weil ich hoffe, dass das einfach nicht mehr vorkommt.

Die Frau von heute sollte alles sein dürfen, was sie will und der Mann von heute ebenso. Solange ich aber noch immer einem gesellschaftlichen Ideal entsprechen muss (ich habe auch keine Lust, einem persönlichen Ideal zu entsprechen, aber das ist ein anderes Thema), ist für mich der Feminismus noch längst nicht am Ziel und wird deswegen auch weiterhin meine vollste Unterstützung erfahren. Dies ist mein verspäteter Beitrag zum Frauentag (mein bisheriger entsprach ja doch nur dem Klischee des Mannes mit der Blume ^^).

p.s.
Da ich durch einen Kommentar darauf aufmerksam wurde, dass hier womöglich noch eine Definition von Feminismus gehört, wie ich ihn empfinde usw. möchte ich ganz grob ergänzen (und vielleicht irgendwann mal ausführlicher):
Feminismus soll nicht der Frau mehr Rechte geben als dem Mann. Auch soll der Mann dadurch nicht benachteiligt oder unterdrückt werden. Wer Feminismus als etwas versteht, was die Frau höher stellt, missversteht das Konzept des Fem. (zumindest jenen, dem ich mich zurechne).

p.p.s.
damit es weiterhin amüsant bleibt: Ich selbst versuche der Mann von morgen zu sein und meine Partnerin…ach, die braucht nur sprichwörtlich nicht von schlechten Eltern zu sein (kann man sich ja schwer aussuchen). 😀

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

22 Kommentare zu „Die Frau von heute will den Mann von gestern“

    1. Viele Männer glauben ja, dass Feminismus eine reine Frauengeschichte ist und ich möchte gerne aufzeigen, dass das eben nicht stimmt. Jeder Mensch kann in den Arm nehmen und trösten, so einfach hätte ich es auch sagen können 😀 es freut mich, dass es zumindest bei dir auf Gegenliebe stößt.
      LG Ben

      1. Feminismus betrifft beide Geschlechter, der Meinung war ich schon immer. Das Ziel ist m.E. ein Miteinander auf Augenhöhe. Leider sind wir bis heute noch meilenweit davon entfernt. Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regel.
        LG sk

      2. Ich denke, dass man die Fortschritte der letzten 40 Jahre nicht unterschätzen sollte. Das ist immerhin gerade mal eine Generation und da wurde schon einiges erreicht. Warum man nun aber oftmals mit Hass auf weitere Bestrebungen des Fem. reagiert, verstehe ich nicht. Arbeiten wir also weiterhin daran, das Denken ein wenig zu verändern und wer weiß, vielleicht braucht es nur eine weitere Generation. 🙂

  1. Ich besuche auf der Uni ein Seminar über Feminismus – nicht weil ich das Thema so mega spannend finde- sondern weils mir zeitlich spitze in den Kram passt. Und am Samstag, hat eine angefangen zu weinen, weil sie sich „unterdrückt“ fühlte weil ein Mann sie bei einer Diskussion immer wieder unterbrochen hat weil er ihr nicht zu stimmte. Sie selber bezifferte sich aber als Feministin schlechthin – trotzdem hat der Mann ihr die Tür aufzuhalten, das Essen zu bezahlen und ich weiß nciht was noch.
    Feminismus ist ja alles schön und gut, aber manche übertreiben es ja gerne 😉

    1. Das ist eben ein falsches Verständnis von Feminismus. Ich finde den Hinweis auf Männer und Diskussionen gar nicht schlecht, weil ich immer wieder feststelle, dass da tatsächlich ein Ungleichgewicht herrscht, aber das geht zu weit zu einem anderen Thema, was wir gern mal behandeln können. Für mich ist klar, dass ich als Individuum betrachtet werden möchte und nicht als Zusammensetzung irgendwelcher Schubkästen. Es ist einfach nur die pure Dummheit einer solchen Person, die zu einem falschen Bild vom Feminismus führt (wobei der Feminismus ja mehrere Richtungen kennt). Feminismus heißt nicht, dass Frauen plötzlich mehr Rechte haben oder man Männer benachteiligt. Das ist aber etwas, was offensichtlich viele Leute einfach nicht verstehen wollen. Vielleicht sollte ich demnächst mal eine Definition meines Verständnisses von Feminismus bloggen (die hätte ja so gesehen schon in diesen Eintrag gehört, aber ich schreibe zu gern einfach frei heraus, als dass ich eine Definition automatisch einbauen würde).

  2. Kann ich voll unterschreiben. Feminismus, wie ich ihn verstehe, möchte einschränkende Rollenmodelle aufbrechen – zugunsten von allen, Männern, Frauen und anderen. Damit es nicht mehr darum geht, in welche Schublade man passt, sondern was für ein Mensch man ist und sein möchte.

    1. Du sprichst eine Thematik an, die ich absichtlich komplett außen vorgelassen habe, nämlich der Geschlechtlichkeit bzw. Sexualität. Ich habe überlegt, ob ich das einbaue, aber es war zu weit weg vom eigentlichen Thema. Dennoch ist das natürlich die Quintessenz, also dass ich gar nicht mehr als Mann wahrgenommen werde, sondern nur noch als Mensch und damit sein darf, wer ich bin.

  3. Bei dir kann man immer was lernen: ‚flatulieren‘! Das kannte ich noch gar nicht ;-D

    Ansonsten…. ich wiederhole mich, oder? Wie wär’s, wenn wir alle einfach mal Menschen sein dürften, mit Seelen und Herzen und Geist(ern) und Körpern, mit allem was gefällt und auch nicht gefällt.
    Ich fürchte ja, es wird noch Ewigkeiten dauern, bis diese bis ins Detail gehenden Kategorisierungen und Erwartungshaltungen, die so gern von allen Seiten (und oft genug auch von uns selbst) geschürt und formuliert werden, mal aufhören, aber vielleicht blinzelt da auch bloss mein kleiner Freund Fatalismus durch…
    Aber vielleicht dauern solche Umwandlungen des Denkens wirklich einfach sehr sehr lange und es wäre angebrachter, hoffnungsvoll zu sein.
    In diesem Sinne, uns und dir viel Glück! 😉

    1. Ja, ich hoffe doch, dass wir alle immer ein wenig was in unseren Texten erwähnen, das ein anderer noch nicht kannte. Flatulenzen muss man auch nicht unbedingt kennen, deswegen hab ich es ja auch gleich mal verlinkt.
      Das Menschseindürfen ist ja auch meine Mission und deswegen gibt es solche Einträge. Sie sollen Verständnis und Bewusstsein schaffen. Vielleicht auch aufklären.

      Ich bin meist voll der Hoffnung und in diesem Fall definitiv. 🙂

  4. Ich finds interessant, daß immer nur von Feminismus gesprchen wird – meist mit der entsprechenden Schublade, aber nie von Maskulinismus. Dabei ist der in der heutigen Gesellschaft so viel deutlicher.

    1. Magst du ein wenig über den Maskulinismus schreiben? Ich könnte da gerade nur Vermutungen zu äußern und somit halte ich mich lieber an ein Thema, in dem ich mich auskenne 🙂

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