Schreiben und gelesen werden

Ich vergleiche das Schreiben und das Lesen von Texten gern mit Sex. Etwas zu schreiben, damit es eine andere Person liest und einem dabei sehr nahe kommt, ist wie der intimste Akt. Aber zu schreiben, um das einem Publikum vorzutragen, hat eher etwas davon, wild auf dem Marktplatz zu masturbieren. Einer macht alles und andere schauen zu. Diogenes mag es gemacht haben, aber bis zu ihm fehlen mir so einige Jahre und so viel mehr an Weisheit.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

33 Kommentare zu „Schreiben und gelesen werden“

  1. So gesehen habe ich letzte Woche aus meiner Sicht einen Masturbierer aus meinen abonnierten Blogs entfernt. Er mag sehr selbstbewusst sein, aber mir hat jeglichen Zugang zu einem Austausch gefehlt. Ich denke, dass eine implizite Einladung oder Offenheit zu Kommentaren vorhanden sein sollte und dieser Mensch macht auf mich einen so unflexiblen Eindruck, dass die Lust am Lesen vergangen ist.
    So sehe ich es mit dem Bloggen, Betrachten, Reagieren…

      1. Ich habe mich möglicherweise missverständlich ausgedrückt: Es ging mir nicht um Reaktionen auf meine Kommentare, sondern darum, dass die Beiträge zu bestimmt und in sich so abgeschlossen geschrieben wurden, dass die Lust auf eine Reaktion meinerseits, also des Lesers, auf der Strecke blieb. Es ist meine Empfindung in Bezug auf den Blogger oder seine Beiträge. Sehen Andere bestimmt anders. Ich fühlte mich da einfach nicht dazu animiert, auf die Beiträge nicht zu reagieren, obwohl ich etwas zu sagen hatte.

      2. Hm, das klingt ja eigentlich wie ein Lob, denn wer kann schon behaupten, dass man die eigenen Gedanken so klar mit Fakten und Argumenten füttert, dass niemand mehr etwas beifügen könnte oder möchte.

      3. Nö, du, das war kein Lob. Die Beiträge sind eher einseitig und rechthaberisch verfasst. Und wenn der Eindruck auch noch besteht, dass der Blogger bei einem Contra einschnappen könnte, dann macht der Versuch einer gut gemeinten Horizonterweiterung keinen Sinn…

      4. Oh oh… lieber Ben Froehlich, und andere, ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstehe, was du bzw. ihr über Keine-Reaktion-auf-Kommentare schreibt. Ihr seht es so, dass es Desinteresse, fehlende Höflichkeit oder anderes „schlechtes Benehmen“ ist, wenn man auf Kommentare nicht einzeln antwortet?
        Das finde ich schlimm (für mich). Es ist doch oft so, dass ein Kommentar einfach nur dem Geschriebenen zustimmt und z.B. dann bedanke ich mich dafür nicht nochmal beim Kommentator. Das hat doch aber nichts mit Unhöflichkeit zu tun, sondern es gibt dem Kommentar einfach nichts mehr hinzuzufügen.

        Ist der Kommentar natürlich eine Weiterführung eines Posts oder eine Auseinandersetzung mit dem Thema, egal ob nun zustimmend oder ablehnend, dann natürlich ist ein weiteres Hin und Her der Gedanken wünschenswert.

        Ich krieg jetzt fast ein schlechtes Gewissen wegen meinen Blog- und Kommentiergewohnheiten. Ich scheine mit diesen eine Außenseiterin zu sein. 😦

      5. Nein, es ging explizit darum, neue Gedanken zu finden bzw. Widerspruch zu tätigen. Davon abgesehen freue ich mich natürlich über Kommentare und versuche diese auch zu beantworten, aber wenn ich in einem Blog nur zustimmende Worte hinterlasse, erwarte ich auch keine zu lesende Reaktion.

  2. Hmmm … ich habe keine Ahnung, wie es ist, eigens geschriebene Texte einem Publikum vorzutragen, ich persönlich würde es aber nie tun.
    Zum Einen stehe ich ungern im Blickzentrum einer ganzen Meute :D, zum Anderen empfinde ich selbstverfasste Texte (zumindest wenn es die meinen wären) tatsächlich als etwas so Intimes, einen so tiefen Einblick in mein Selbst, dass ich mich auch gleich splitterfasernackt auf die Bühne stellen könnte. Und selbst das wäre noch etwas ganz anderes. Deshalb bewundere ich es sehr, wenn Menschen einem Publikum vorlesen (können/müssen).
    Ich weiß noch nicht genau, was ich da aus deinen Worten herauslese(n soll), aber ich erinnerte mich vorhin daran, dass ich es sehr schön fand, als du neulich Texte eingelesen hast und man sie sich anhören konnte. Die Möglichkeit, zu HÖREN (oder auch zu lesen), was eine andere Person schreibt, ist etwas sehr Schönes und ja, auch sehr Nahes und häufig auch Berührendes, Bewegendes, Anregendes.
    Insofern ist die Perspektive des Publikums, je nachdem, WIE es hört, vielleicht eine ganz andere … es guckt nicht beim Masturbieren zu, sondern vielleicht will ein Teil von diesem Publikum wirklich etwas aus der Tiefe des Vorlesers erfahren.

    1. Meine Worte waren eher die Antwort auf die Fragen von Freunden, ob ich denn bei einem PoetrySlam mitmachen wollen würde. Und nunja, möchte ich nicht 😉 ich werde dennoch weiterhin monatlich meine Lesungen abhalten, aber die sind in gemütlicher Runde und somit auch sehr intim. Hin und wieder darf und muss man sich vielleicht auch mal splitterfasernackt präsentieren, aber momentan ist mir eher nach in-die-Decke-kuscheln zumute. Magst du denn mal einen Text für uns einlesen?

      1. 😉 Poetry Slam ist, finde ich, ein wenig wie in Cäsars Circus Maximus zu steigen, insofern finde ich persönlich das lieber In-die-Decke-Kuscheln-Wollen sehr nachvollziehbar.

        ICH??? Einen Text einlesen? Gerne, wenn du mir einen gibst 😀
        (Aber doch nicht mein eigenes Gekritzel ….. neeee, oh je…)
        Ich hab doch schon Veröffentlichungshemmungen bei den klitzekleinen Gedankenspielereien zu meinen Bildern … nee, nee, lieber nicht 😉
        Weisst du, Worte zusammen puzzeln, damit sie vermitteln, was mir durch den Sinn geht, gelingt mir nicht so gut. Auf dem Weg aus meinem Hirn raus über die Tastatur (oder den Stift) ins Format (oder aufs Papier) verändern sie sich irgendwie…

      2. Ja aber wenn du einen meiner Texte vorliest, ist doch die Idee mit dem innerlich näher kommen dahin 😉 und ich mag deine Worte, also scheinen sie sich ja ganz gut zu verändern.

      3. 😉 Danke. Nett von dir. Ich denke meistens, ich sollte sie lieber weglassen …
        Ansonsten war das natürlich ein Scherz, um von mir abzulenken. Natürlich ist die Idee dann weg, du hast Recht, aber ich bräuchte nicht mein Eigenes vorzulesen 😀
        Hmm… Du bringst mich ja hier auf Gedanken…

      4. Na wenn ich zu Gedanken angeregt habe, dann bin ich glücklich, da kam ich in letzter Zeit zu selten zu und hole es nur zu gern nach 😀

      5. 😉 Unbedingt!!
        Hab bloß selbst grad soviel um die Ohren, da kann ich manches nur in Sequenzen zu Ende (oder weiter) denken.
        Aber manches arbeitet ja auch im Stillen weiter.
        Gute-Nacht-Winken aus dem Norden 😉

  3. Orr, Ben, was ist denn das für ein Vergleich?! Heißt das, wenn man die Gedanken weiterkitzeln läßt, daß so ein Vielkladdenschreiber wie ich im stillen Kämmerlein Eigenbeglückerey betreibt? Du siehst mich angemessen wangenverhuscht…
    Lachende Grüße an den Nachwuchsdiogenes, Deine Käthe.

    1. Hm…vielleicht heißt es das…darüber habe ich noch nicht weiter nachgedacht, aber irgendwie schon…nur was wäre dann so schlimm daran? Warum darf man sich selbst nicht mehr verwöhnen? 😉

      1. Was schlimm daran wäre? In meinem eigenen Kopfkinokladdenvollgekritzel wäre ich alsbald sexsüchtig! Also so im übertragenen Sinne…
        Schönststillabendgrüße, Deine Käthe.

      2. Doppelorr mit Zwinkerzungerausstreckgelbgesicht (Falls es das so smileytechnisch gibt!), Du weißt doch um mein Biedermiedergetue, lieber Ben…

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