Schreie

Immer wenn ich in ihr Zimmer komme, setze ich meine Schritte behutsam und leise. Fast so wie bei einem Neugeborenen, welches man nicht zu stören wagt, denn es lebt noch in einer ganz eigenen Welt, fernab von unserer schrillen. Sie konnte seit ihrer Geburt nichts hören und deswegen ist es unsinnig, dass ich so leise in ihr Zimmer trete, aber ich tue es. Ganz von allein. Sie sitzt oft mit offenem Mund da und liest. Es sieht aus, als würde sie still schreien, aber es passiert ihr einfach, bis sie die Trockenheit wahrnimmt und ihn schließt. Könnte sie nur schreien, so wäre auch sie noch länger in dieser geschützten, kindlichen Welt geblieben. Ein Schweigen ist kein Ja und auch keine Zustimmung, aber jener Mann damals suchte keine Zustimmung, er nahm sie sich. Er hat sie ihr genommen. Einfach so.

Wieder einmal packt mich die Wut auf die Menschen, doch es ist niemand da, der meinen Schrei hören würde. Vermutlich würde sie mich nur anlächeln, weil sie weiß, dass mein Grimm dann verschwindet. Sie weiß nicht, weshalb ich mich aufrege und wenn doch, dann scheint sie es einfach besser zu wissen. Ich scheitere daran. Ich scheitere an meiner Wut und an meiner Ohnmacht. Ich scheitere an dem Gefühl in der falschen Welt zu leben, in dem die Wesen, die unseren Schutz brauchen, verletzt werden. Ist es der Neid auf ihre gute Welt? Nehmen wir sie deswegen immer früher in Gefangenschaft unserer Welt?

Sie sitzt leise dort und liest. Ihr Atem ist deutlich zu hören, denn ich wage es nicht, mich zu rühren und im Zimmer herrscht Stille. Sie hat sich etwas von dieser heilen Welt bewahrt, so scheint es mir und wer weiß, vielleicht finde ich dank ihr irgendwann einmal den Weg dorthin zurück.

Liebster Award

Es ist Sonntag, draußen regnet es und ich räume auf, aber eher digital, denn ich kränkle und will mein Bett nur verlassen, um mir heißes Wasser für den Tee zu holen. Und während ich Mails beantworte und mir Konzepte überlege, stoße ich auf zwei Lesezeichen, die ich mir im März setzte, damit ich sie nicht vergesse.

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Die Regeln:

  • Bedanke dich bei dem Autor/Blogger, der dich nominiert hat, und verlinke seine Website/seinen Blog.
  • Verwende das Awardbild.
  • Beantworte die 11 Fragen, die man dir gestellt hat.
  • Formuliere im Anschluss daran 11 neue Fragen.
  • Nominiere bis zu 11 weitere Autoren/Blogs und bitte darum, deine Fragen zu beantworten.
  • Informiere die Nominierten natürlich über ihr Glück.

Vielen Dank an Katharina von Haderer, du hast ja eigentlich schon genug mit deinen Büchern „Die versunkene Stadt“ und „Das Herz im Glas“ zu tun, aber offensichtlich hält dich das nicht davon ab, hier auf Fragen zu antworten und selbst welche zu stellen. Kommen wir doch gleich zu ihnen:

Katharinas Fragen an mich:

Wie bist du auf die Idee gekommen, mit dem Bloggen anzufangen?

Ich hatte mich an dem Tag über einen Autofahrer aufgeregt und suchte unabhängig davon nach Kontakt zu anderen Menschen. Und schon stand der erste Eintrag. Das war allerdings auf einer anderen Plattform.

Was gefällt dir am Schreiben?

Ich mag es, dass ich nicht unterbrochen werde. Ich bin selbst kein disziplinierter Unterhalter und erwische mich selbst dabei, andere mal zu unterbrechen. Ich versuche das dann immer zu unterbinden. Mein Gegenüber darf sich aber zumindest daran erfreuen, dass ich selbst Lust auf das Gespräch habe, sonst würde ich ihn oder sie niemals unterbrechen.

Gibt es eine Person deines Vertrauens, mit der du dich über dein kreatives Schaffen austauschst?

Nicht so, wie ich es gern hätte. Aber da brauche ich nicht lange nach dem Schuldigen zu suchen, denn dafür bin ich selbst verantwortlich.

Was machst du, um dich auf deine Tätigkeit konzentrieren zu können?

Gar nichts, wenn ich schreibe, dann schreibe ich. Neulich im Zug schaffte es eine überlaute Amerikanerin, mich ständig aus dem Schreibfluss zu reißen, also schrieb ich über sie.

Schöpfst du durch irgendetwas Inspiration?

Für mich ist alles eine Inspiriationsquelle. Manchmal ist es nur ein Wort, über das ich nachdenke und manchmal ein Gedanke, den ich mit mir herumtrage.

Was war das schönste Kompliment (egal, auf was bezogen), dass dir jemals jemand gemacht hat?

Schwere Frage…ich glaube, das schönste Kompliment ist ein „Ich hab dich lieb“, da wird mir wohlig warm ums Herz

Was ist dein Lieblingsbuch und warum?

Siddhartha von Hesse. Ich glaube, ich hatte damals den Steppenwolf gelesen und Siddhartha gab mir die Antworten und Verbindungen zu mir selbst. Es ist ein Buch, das ich mir gerne durchlese, wenn ich mal nicht schreiben kann oder wenn ich einen Einstieg in einen schönen Schreibstil suche.

Wo kaufst du Bücher?

Im Internet. Booklooker hat mir schon so einige schöne Bücher geliefert. Leicht vergilbte Seiten und Buchrücken, die in Stoff gebunden sind. Kein Paperback, sondern ein haptischer Leckerbissen. Dabei fällt mir ein, dass gerade mein geliebter Siddhartha zwar in digitaler und in analoger Form vorhanden ist, aber nur mit lapprigen Umschlägen…das sollte ich schleunigst ändern.

Wenn du dich mit einem Autor auf eine Wiener Melange und ein Buttersemmerl in einem Wiener Kaffeehaus treffen könntest, wer wäre das?

Ich trinke keinen Kaffee, aber nach Wien reise ich gern mal. Da ich es realistisch halten möchte, wähle ich einen lebenden Autoren und entscheide mich für T.C. Boyle. Ich bin gar kein Fan seiner Bücher, aber mich interessiert schon, was da für ein Mensch dahinter steckt und wie nah er an seinen Figuren dran ist.

Und ganz wichtig: Wenn du ein Haustier hast, poste hier ein Bild

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ich hab es zwar bereits gepostet, aber ich habe gerade kein aktuelleres Bild.

Und nun kommt der Part, den ich immer weglasse. Nein, ich schreibe keine 11 weiteren Fragen und ich nominiere keine anderen Autoren. Ich sehe diese Awards immer wieder als Erinnerung an, dass ich Einträge über andere Blogger schreiben möchte. Aber es sollen dann nicht gleich 11 sein, so dass man sie eh überliest, sondern eher kleine Profilvorstellungen und den Hintergrund, warum ich sie auswähle und besonders finde.

Zwei Tage, zwei Zahlen

Gestern gratulierte mir WordPress zu zwei Jahren Mitgliedschaft. Nunja, die hätte ich auch auf einer Backe absitzen können, wobei das ganz sicher nicht so prickelnd gewesen wäre, aber das ist kein wirklicher Meilenstein. Die andere Zahl kam heute. Mit Ashanar lesen mittlerweile 300 Leute meinen Blog. Das hier ist nicht Sparta, aber unter diesen 300 Leute stecken mittlerweile viele Menschen, die mir persönlich bekannt zu sein scheinen, dabei habe ich sie nie in meinem Leben gesehen. Sie haben stattdessen oftmals in meine Seele geblickt und ließen mich ebenso in ihre blicken. Welch ein Geschenk das ist. In letzter Zeit ist recht ruhig geworden, weil meine Zeit knapper geworden ist und ich mich selbst in einem Schwebezustand befinde. Irgendwie nicht richtig angekommen, aber mit einem sehr schönen Ausblick auf das, was vor mir liegt. Vielleicht sollte ich meine abendlichen Aktivitäten ein wenig reduzieren, denn aktuell ist außer dem Dienstagabend jeder andere verplant und ausgebucht. Vielleicht brauche ich aber auch diese geistige Leerlaufphase. Seid mir also nicht bös gesinnt, wenn ihr nur selten Kommentare von mir in euren Blogs findet, ich habe das Interesse nicht verloren.
Liebe Grüße,
Ben