Quaki, der Frosch

Es war einmal ein Frosch namens Quaki. Eigentlich hieß er Gustav, doch die anderen Frösche hänselten ihn, weil er ängstlich war. Dabei war er gar nicht ängstlich, sondern nur vorsichtig und zurückhaltend. Er besaß eine ganz besondere Eigenart: Immer wenn er sich in der Nähe von Wasser befand, begann er merkwürdig zu zucken. Die anderen Frösche verspotteten ihn dann als Angsthasen, dabei zuckte Quaki gar nicht vor Angst, sondern einfach nur so.

Ihn zog es daher eher ins Trockene, wo er seine Ruhe vor dem Wasser und den anderen Fröschen hatte. Dort lernte Quaki Lumen und Noctem kennen, die zwei Glühwürmchen-Zwillinge. Als sie ihn das erste Mal erblickten, wären sie fast vor ihm geflohen, denn so manch ein Frosch hat schon so manches Glühwürmchen verschlungen. Die Zwillinge merkten sofort, dass Quaki besonders war.

Er war neugierig und vorsichtig. Ein wenig ängstlich auch, weil sie leuchtend in der Dunkelheit um ihn kreisten, aber dann unterhielten sie sich und ehe die Nacht rum war, waren Quaki, Lumen und Noctem die besten Freunde geworden.

Er erzählte ihnen, wie traurig er war, weil er so zitterte, wenn er in die Nähe von Wasser kam. Wenn er doch nur höher springen könnte als die anderen, aber er konnte eher schlechter springen. Oder wenn er seine Backen nur weiter aufblasen könnte als die anderen, aber dafür fehlte ihm die Luft. Oder wenn er nur lauter quaken könnte als die anderen, aber er war eben ein ruhiger Frosch mit einer sanften Stimme. Oder wenn er doch nur besser Fliegen und Insekten mit der Zunge fangen könnte, aber das wollte er ja gar nicht, worüber Lumen und Noctem sehr froh waren.

Sie sagten ihm, dass er sich nicht ärgern bräuchte, denn schon bald würde Alle seine große Stärke zu schätzen wissen. Und so kam es auch, in jenem heißen Sommer. Der Tümpel, an dem Quaki und die anderen Frösche lebten, wurde immer kleiner und trocknete aus, weil es so unerträglich heiß war und nicht regnen wollte. So vieles hatten die Frösche versucht, sogar einen Regentanz hatten sie aufgeführt. Doch eines Tages war das Wasser verschwunden und alle fühlten sich matt und erschöpft.

Allein Quaki ging es recht gut, denn er war es gewohnt, ohne Wasser auszukommen. Die Frösche hielten sich an ihn, denn sie hofften, dass er ihnen mit seiner Ruhe und Erfahrung in der Trockenheit helfen könnte.

Quaki merkte sehr schnell, dass er wandern müsste. Dies tat er und alle folgtem ihm auf seiner langen Reise. Eines Tages, als alle vollkommen erschöpft waren und niemand mehr einen Meter weiter hüpfen wollte, da spürte Quaki ein Zucken in seinem vorderen, rechten Bein. Er verstand, was sein Körper ihm sagen wollte und so überredete alle anderen Frösche, ihm zu folgen. Er sprang immer in die Richtung, wo es in seinem Körper am heftigsten zuckte. Mal war es ein wenig rechts, mal links, mal vorn, mal hinten. Er war kaum noch fähig, sich zu bewegen, da vollführte er einen letzten Sprung und landete in einem See, der gut versteckt zwischen hohen Gräsern lag.

Die Froschgemeinschaft war gerettet und seither verspotten sie Quaki nicht mehr. Sie hatten verstanden, dass sie in der höchsten Not auf ihn zählen konnten und dass sie ohne ihn und seine besondere Eigenart niemals diesen See gefunden hätten und elendig in der Hitze zu Grunde gegangen wären. Doch so hatten sie mit ihm ein großes Tümpelparadies gefunden, an dem man sie in warmen Nächten laut quaken hört.

Von Glühwürmchen und Fröschen

Als ich eben auf dem Heimweg überlegte, was ich der jüngsten Tochter meiner Mitbewohnerin zu ihrem vierten Geburtstag schenken könnte, kam mir die Idee einer Geschichte, die ich hier gern auch noch veröffentlichen werde. Es ging dabei um einen ganz besonderen Frosch, welcher ausgegrenzt wird, weil er eine besondere Eigenart hat. Jene Eigenart ist dann am Ende natürlich die Rettung für alle Frösche und so finden sie zusammen und lernen mit den Unterschieden und Besonderheiten umzugehen. Ich hatte die Geschichte fast fertig durchdacht, da quakte es neben mir, als wollten man mir zustimmen. Ich ließ meine Gedanken zu der Geschichte ruhen und ebenso mein Rad rollen, als mich von links zwei grüne Punkte anleuchteten. Glühwürmchen warteten dort auf mich, vollkommen ruhig und einfach nur leuchtend. Klar, dass die nun auch eine Rolle in der Geschichte bekommen werden. Es hat mir selbst mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, die Sinne schweifen zu lassen und die Natur wahrzunehmen. Diese kleinen Wunder und Schönheiten, die in jeder Sekunde Teil unseres Lebens sein könnten, wenn wir sie nicht verpassen würden, weil wir Terminen nachjagen oder auf unsere Handydisplays schauen. Ich habe mein Handy dann aber doch gezückt und die leuchtenden Wesen festgehalten. Wer weiß schon, wann ich wieder das Glück habe, ihnen begegnen zu dürfen.
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