Echte Menschen

Das ist ein echter Mensch. So nannten wir jene, über die wir sonst immer so gern spotteten. Aber in dem Moment versuchten wir sie ernst zu nehmen. Wir wollten ihnen die Anerkennung dafür geben, dass sie so sind, wie wir es uns nie trauen würden. Sie, die sie durch ihre Zahnlücken lachen. Sie, die mit fettigen Haaren und im schief sitzenden, rosa T-Shirt einkaufen gehen. Sie, die wir als verblödete Fernsehschauer einzustufen glauben. Sie, die einfach leben.

So kommt es uns vor und so sehr wir sie höher schätzen wollen, indem wir sie „echt“ nennen, so sehr betrügen wir uns selbst. Wir kategorisieren sie und halten uns weiterhin für besser. Einzig beruhigend könnte sein, dass sie womöglich ebenso geringschätzig auf uns blicken. Diese „echten“ Menschen sind welche, denen ich hin und wieder begegne. Sie sind nicht echter oder weniger echt, als ich es bin. Sie sind auch nicht glücklicher oder unglücklicher. Sie sind anders – oder ich bin es, je nach Sichtweise. Und sie sind so gar nicht anders. Man müsste eben nur aus der eigenen Schublade heraus und sollte die anderen nicht in welche stecken.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

19 Kommentare zu „Echte Menschen“

  1. Nach dem Bild, das du hier mit Worten maltest, musste ich grad überlegen. Verwende ich diese Bezeichnung und wenn ja, für wen? Ich glaube zu wissen, was du meinst und verwende andere Ausdrücke dafür; außerdem für andere Menschengruppen. Im Grunde egal.
    Was bleibt, ist der Eindruck, dass es uns leicht gelingt zu schubladisieren, höher und niedriger zu stellen, eigene Kasten zu entwerfen.
    Eine Reflexion dazu tut hin und wieder ganz gut.

      1. „Niemals noch hat Routine Berge versetzen können.“ (P. Coelho)

        Ja, mit Zitaten um sich werfen, kann jede:r. Ich nehme sie allerdings auch immer wieder gerne als Denkanstoß.
        Reflexion soll in meinen Augen ebenfalls keine Routine oder Tat zum Vorzeigen werden. Wenn sie sich und mich nicht verändert, dann pfeife ich auf sie. Ebenso meine ich das in Bezug auf einiges anderes – sei es Meditation, eine Sportart, Beziehungen, Beruf, Hobby, …
        Was ich sagen will? Reflexion ist ein Schritt ein – es gibt solche, die ihre Gedanken gar nicht bemerken oder nicht betrachten (können). Nur was mache ich dann? Darauf kommt es an.
        Wie das geht? Sicher bin ich mir nicht, aber ich habe den Verdacht, dass es etwas mit dem Alltäglichen zu tun hat und mit dem Immerwieder.
        Letztendlich haben sich unsere jetzige Gedanken auch über Jahre einschleifen dürfen.
        Oder?

      2. Das stimmt. Ich ermahne mich momentan immer wieder selbst 😉 und ich denke durchaus, dass in Ägypten eine gewisse Routine vorherrschte, die Berge zu Pyramiden machte ^^

  2. Ich hab die furchtbaren (?) Menschen im Kopf, die man in Reality Shows sieht. Von denen man gar nicht glaubt, dass sie wirklich in ihrer vollen Blüte so existieren…

    1. Ja, solch Typus Mensch ist auch gemeint, nur ist das Leben keine Reality-Show und jene Menschen eben auch keine Statisten. Daher stellt sich die Frage, wie man ihnen begegnen möchte bzw. wie man sich nicht mehr von ihnen abgrenzt.

      1. Warum sollte man sich nicht abgrenzen? Man sollte sie nicht von oben herab behandeln, das ist meiner Meinung nach alles.

  3. Das Übel steckt wie immer im Detail, mein lieber Ben. Dadurch, daß wir einfach nicht fähig sind, jeden Menschen zu mögen und jede Begegnung im Unterbewußtsein katalogisiert wird, teilen wir nunmal ein. Gut und schlecht. Besser oder übler. Vielleicht gelingt das Aufbrechen von Denkmustern aus arterhaltenden, in uns verankerten Gründen so wenig? Ich weiß es nicht, doch wir können bei jeder Begegnung kurz innehalten und mit einem Lächeln auf den anderen zugehen. Weil jeder Mensch im Grunde ein echter ist…
    Sonntagsgrüße vom Garten beim Haus am Ende des Weges, Deine Käthe.

      1. Der Fenstervergleich läßt mich noch immer herzhüpfend still jubilieren, danke nochmal dafür.
        Bei mir gibt es übrigens keine Gardinen, das hält den Blick grundsätzlich frei.

        Viel Glück in der neuen WG wollte ich noch wünschen, was heißt, wollte, es sei hiermit getan. Und natürlich den Freugedanken, mal wieder den Benwuschelblick blogwärts zu erspähen…
        Einen schönen Abend wünsche ich Dir, Deine Käthe.

      2. Es freut mich, dass dir meine Worte so gefallen, ich hatte vorhin auch solch einen Moment und habe der Freundin schon ganz lieb gedankt 🙂
        Vielen Dank für deine Wünsche, ich freue mich, wenn ich erspähte werde 😀
        Liebste Grüße, Dein Ben

  4. 😉 Immer gut. Oft schwer. ‚Echt‘ sind wir alle. Irgendwie.
    Und kategorisieren ist offenbar eine sehr menschliche Neigung, die ich immer wieder finde und von der ich mich selbst auch nicht immer frei machen kann. Die Bewertung scheint irgendeine Bedeutung für die innere Ordnung zu haben.
    Wie wärs mit Konstatieren? Einfach wahrnehmen, was ist. So wertfrei, wie es gelingt.
    Mit der Zeit schwindet das Bedürfnis, alles und alle irgendwo einzuordnen, ob in Schubladen, Kategorien, Rankings oder sonstwas. Sympathien, Neigungen, Abneigungen werden wir immer haben. Aber auch die kann man bei sich selbst erkennen und bewusst mit ihnen umgehen. Immer wieder neu. Und je nach Energie.
    Fenster lassen sich vergrößern und vor allem auch öffnen. Nur manchmal braucht man vielleicht ein paar geschlossene kleine Fenster, dann kann man ja kurzzeitig den Raum wechseln 😉

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