Wenn der Hahn kräht

Manchmal frage ich mich, warum ich mir nicht ständig etwas über die Hände schütte, also wie ich es ständig schaffe, in Träumereien abzudriften und dann doch kurz vor knapp noch aufzuwachen. So wie eben gerade, als ich mein Glas mit dem Wasser aus dem alten Wasserhahn zog. Er hat einen langen Ansatz vorn, an dem überall der Kalk genagt hat und der zwischendrin tropft. Er wirkt, als würde er bald abfallen, aber irgendwie hat er die Natur überlistet. Nicht schlecht für ein Stück Metall. Er passt damit bestens zu mir, denn auch ich konnte die Natur ein wenig betrügen. Mein Alter sieht man mir nicht an, aber ich bin genauso verkalkt, wie der Wasserhahn, ich habe nur meine Tricks, wie es die Leute nicht bemerken. Oder vielleicht bilde ich mir das auch nur ein und in der Realität durchschauen sie mich. Wer weiß das schon. Vielleicht bin ich auch noch gar nicht so verkalkt, immerhin schaffe ich es beim Träumen noch das Wasser früh genug abzustellen…

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „Wenn der Hahn kräht“

  1. Kalk klingt so negativ. Ich würde das, was beim Älterwerden ansetzt, zumindest bei Menschen anders nennen. Erfahrungsschatz zum Beispiel. Erinnerungen.

    Allerdings würd ich zu gern wissen, wie du es schaffst, ein Glas aus einem Wasserhahn zu ziehen. 😉

    1. Mmmh, das empfinde ich ganz anders: Für mich hat Ben im obigen Text eine überzeugende und in sich stimmige Analogie aufgezeichnet. Ein schöner und humorvoller Text, Herr Fröhlich. 🙂

    2. Ich denke, dass sollte man nicht zu ernst betrachten. Die Figur nimmt das Verkalktsein mit einer gehörigen Portion Humor und so ist es auch gemeint. Machen wir uns nicht vor, wenn man älter wird, äußert sich das auch in unserer Art zu denken und auch in unserer Auffassungsgabe. Das finde ich nicht schlimm sondern gehört für mich so selbstverständlich zum Leben wie Narben und Falten. Mein Chef verwechselt mich namentlich immer gern mit einem Arbeitskollegen und ermahnt sich nun selbst immer wieder, damit ihm das nicht passiert. Ich finde es amüsant, ganz besonders, wenn er mir eine Frage stellt, den falschen Namen benutzt und mich dann erwartungsvoll anschaut, worauf ich ihn dann nur entspannt und mit hochgezogener Augenbraue anblicke.

      Und zum Wasserhahn: ich mag es, wenn man in den Texten einen anderen Sinn erkennt. Ich möchte ihn nicht perfekt präsentieren, nicht diese kurzen Texte, die sonst auch gern keine Aufmerksamkeit bekommen. Der Leser darf ruhig ein wenig stolpern. 😉

      1. Danke für deine Gedanken, das ist doch inspirierend! Verkalktsein verbinde ich nicht unbedingt mit Vergesslichkeit, sondern mit Unbeweglichkeit, wie der verkalkte Kopf eines Wasserhahns eben, der sich nicht mehr bewegen lässt.Vergesslichkeit ist etwas Normales, es kommt einfach beim Älterwerden.Trotzdem kann man offen und neugierig bleiben auf das Leben, was du in deinem Text ja auch andeutest. Deshalb war es für mich eine Diskrepanz, aber – übrigens – auch nicht so furchtbar ernst gemeint. 😉

  2. Sehr sümpathisch, der Wasserhahnträumer! Ich habe während der Fraulieblinggeschichten oftmals eine Ehrenrunde im Parkhaus gedreht, weil ich die Abfahrt verpasste vor Geschichtenspinnerey…
    Schön, von Dir zu lesen und danke für die kleine Träumerey.
    Alles Liebe, bis gleich und vorab schon die Reblogerlaubnis, mein lieber Ben, immer die Deine, unverkalkt (Hoffentlich!)

  3. Das Verkalken beginnt heutzutage offenbar schon viel früher als ich dachte…. für so alt hielt ich dich noch gar nicht.
    Vielleicht merke ich mein eigenes Verkalken nur selbst nicht? Wenn ich es für Träumen halte, ist aber doch eigentlich alles wunderbar 😀
    Schön, von dir zu lesen. 😉

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