Wenn der Hahn kräht (2)

Das Glas Wasser war dringend notwendig und der Witz ist, dass ich zuvor aufgepasst habe, nichts zu verschütten, obgleich es danach immer wieder in Tropfen auf meinem Arbeitstisch verteilt werden wird. Ich töpfere nämlich. Das heißt, ich habe einen kleinen Laden und dort verkaufe ich meine Arbeiten, aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann lebe ich eher von den Töpferkursen, die ich gebe. Die Menschen verstehen nicht, warum ein Buttergefäß so viel kostet, wo sie doch viel günstiger eines aus Plastik kaufen können, welches weniger Platz einnimmt und noch dazu heile bleibt, wenn es mal auf den Boden fällt. Ich verstehe sie sogar und weiß doch, dass meine Gefäße die besseren sind. Anfangs wollte ich die Kurse gar nicht geben, aber mittlerweile liebe ich es sogar, wenn die Leute zu mir kommen und nach Entschleunigung verlangen. Wenn Eltern staunen, weil ihre Kinder in höchster Konzentration und so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte, bei mir sitzen und im „Matsch“ kneten, wie sie es manchmal sagen…

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

4 Kommentare zu „Wenn der Hahn kräht (2)“

  1. Nicht nur Kinder nennen es „Matsch“ kneten… Es ist aber auch ein herrliches Gefühl zwischen den Fingern. 🙂

    Andererseits muss man sich fragen, warum immer mehr Menschen nach Entschleunigung verlangen.

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