Wenn der Hahn kräht (3)

Kinder sind die besseren Menschen, einfach weil wir sie noch nicht mit unseren Regeln verdorben haben. Die können sich ständig die Wahrheit ins Gesicht sagen und raufen sich dann im schlimmsten Fall. Da kommt dir niemand mit dem Anwalt oder spinnt eine Intrige zurecht. Das Leben passiert im Moment. Das fehlt mir. Dieses Leben, welches frei von Sorgen ist. Überhaupt sollte man sich mal anschauen, wie sich Kinder kennenlernen und wie wir Erwachsenen das tun. Stell dir vor, du bist auf einer Party mit Leuten, die du nicht kennst. Von zehn Leuten fragen dich vermutlich neun oder gar alle, was du arbeitest. Diese Aussage darüber bildet die Grundlage für die folgenden Minuten, den ganzen Abend oder zukünftige Treffen. Vollkommener Irrsinn oder nicht? Kinder fragen sich nicht, womit sie ihren Tag verbringen. Sie spielen einfach zusammen und versinken in andere Welten. So erlebe ich es zumindest häufig. Ich bemerke aber auch, dass sie über ein Fernsehprogramm reden. Was vermutlich gar nicht so schlimm wäre, wenn sie ihr eigens Fernsehprogramm machen würden…

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

10 Kommentare zu „Wenn der Hahn kräht (3)“

  1. Hm. Also ich habe vier Kinder, und als sie noch klein waren, haben sie keineswegs mit jedem anderen Kind spontan gespielt, sondern vor allem mit ihren Freunden oder „interessanten“ Kindern: solche, die mehr haben, mehr können, mehr dürfen usw. Die andern bleiben am Rand. Kinder sind auch keineswegs frei von Sorgen, z.B. wenn sie von anderen Kindern ausgeschlossen, ausgelacht oder drangsaliert werden. Sie trauen sich manchmal nicht in den Kindergarten oder in die Schule, und ohne Regeln würde es bei einer Hackordnung bleiben. Ich glaube nicht, dass du das willst, dein Szenario ist ein bisschen … unrealistisch.
    Nix für ungut! 🙂

    1. Ist mein Szenario wirklich unrealistisch oder verinnerlichen unsere Kinder nicht nur sehr schnell die Grundregeln einer Gesellschaft, in der nur die Stärksten wertgeschätzt werden?

    2. Ich will dir übrigens gar nicht widersprechen. Was du schreibst habe ich auch beobachtet. Nur stellt sich für mich die Frage, ob das wirklich ein „natürliches“ Verhalten ist. Mir ging es trotz der vielen Worte um die Kinder aber eigentlich viel eher um die merkwürdigen Konversationen von uns Erwachsenen, die alle sehr ähnlich beginnen und auf den Status abzielen. Ob Kinder das auch tun und ob sie es tun, weil wir es vorgeben oder weil es von Natur aus so ist, finde ich dabei eher unerheblich. Es zeigt eine Schwäche an uns auf. Die Schwäche den Fokus auf den falschen Punkt zu richten.

      1. Was angeboren und was erlernt ist, lässt sich nie genau sagen. Ich weiß nur, dass sich kleine Kinder instinktiv an die älteren, stärkeren halten. Und dass sich manche Kinder nichts wegnehmen lassen, andere aber schon – aus Schwäche, oder weil sie sich z.B. Zuneigung „erkaufen“ wollen, ODER weil sie gelernt haben zu teilen. Diese Verhaltensweisen sehe ich bei Erwachsenen genauso.
        Letztendlich wollen wir alle (über)leben, also brauchen wir Strategien, die dabei helfen: Je stärker ich bin, desto mehr habe ich zu essen. Das ist wohl nicht erlernt.

  2. Was ist denn so irrsinnig daran, wenn man Leute, die man gerade erst kennengelernt hat, nach ihrer Arbeit fragt?
    IMHO sagt der Beruf bereits sehr viel über den jeweiligen Gesprächspartner aus.
    Wenn mich jemand interessiert, nützt mir die Information mehr als hirnloser Smalltalk.

    Kinder haben ja noch keinen Beruf, gehen je nach Alter in Kindergarten oder Schule – haben also diesbezüglich alle ähnlichen Background.

    1. Es steckt für mich recht wenig Aussage über den Menschen an in der Angabe seiner Tätigkeit. Es sagt mir, ob er gut verdient, aber doch nicht, was seine Leidenschaften und Wünsche sind. Kinder führen übrigens keinen Smalltalk, somit war das auch nicht mein Vorschlag als Alternative.

      1. Aus dem Beruf kann ich schon mal die Info ableiten, ob es da möglicherweise Überschneidungen bei den Interessen gibt. Aus der Art, wie jemand über seine Arbeit spricht (begeistert, abwertend, ..), erfährt man viel, wie dieser Mensch sich sonst verhält.
        Wenn ich mit dem genannten Beruf nichts anfangen kann, kann ich immer noch ein anderes Thema suchen, wobei es mir persönlich aber schwerfällt, einen geeigneten Einstieg zu finden. Läuft dann mehr oder weniger doch auf Smalltalk oder Anschweigen hinaus.

        Ich habe nicht behauptet, dass Kinder smalltalken. Aber Erwachsene tun dies oft in so einer Situation.

      2. Ich finde Anne hat recht. Ich finde schon dass der Job etwas über einen Menschen aussagt. Bist Du Boss einer großen Firma, bist Du Friseur, bist Du Busfahrer, bist Du Animateur oder Reiseleiter, bist Du Tierpfleger usw. Man sollte nur nicht wertend sein. Aber ich denke die meisten wählen ja einen Beruf aufgrund diverser Interessen oder Charaktereigenschaften und wenn es nicht so ist, liefert das auch ein interessantes Gespräch.

  3. In Brasilien sagen wir: Wer Gesicht sieht, sieht nicht Herz! Das gleiche kann auch für Beruf, Vermögen, Kleidung etc. gelten… Sind diese die Parameter, worum es im Leben wirklich geht?

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