Ich hasse die Nacht

Ja, das ist es wohl, die abartige Erkenntnis, dass ich für die Nacht eine Hassliebe empfinde. Hätte ich vor einem Jahr oder nur vor einem Tag die Frage gestellt bekommen, wie ich die Nacht empfinde, dann hätte ich mich wohl durchweg positiv geäußert: Die Nacht, da passiert so viel. In der Nacht finden so wundervolle Veranstaltungen statt.
Ja, das stimmt. Und es ist auch die Nacht, in der sich plötzlich zwei Lippen begegnen. Aber es ist nur deswegen die Nacht, weil wir nur in der Nacht den verdammten Alkohol so unkontrolliert in uns hinein kippen, dass wir selbst wenn wir frustriert sind, debil zu lächeln anfangen.
In Wahrheit ist es die Nacht, die uns in ihrer Kälte klar macht, dass wir allein sind. Es sind Nächte, in denen er schnarcht und sie sich das Kissen aufs Ohr presst. Es sind Nächte, in denen wir unsere Freunde an eine fremde Person verlieren, weil sich beide küssen müssen. Es sind Nächte, in denen uns eine Bekanntschaft sagt, dass es süß sei, dass wir an sie gedacht hätten, und sie wenige Minuten später mit einem anderen quatscht, den sie anziehender findet.
Nächte sind schön, das war mir früher immer klar. Aber Nächte lassen mich einsam fühlen. Das wird mir gerade erst wirklich bewusst. Zum Glück kann ich jedoch eines in der Nacht machen: Meine Augen schließen und die Zeit im Schlaf verstreichen zu lassen. Wenn ich dann einige Stunden später aufwache und mich der blaue Himmel anlacht, wird es wieder Zeit, das Leben zu genießen. Aufzustehen und Laufen zu gehen. Ich bin dann nicht weniger allein als in der Nacht, aber die Sonne ist ein wärmerer Begleiter, als die unzähligen Sterne, die so gar nicht einsam sind.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

19 Kommentare zu „Ich hasse die Nacht“

  1. Oh. Ich mochte die Nacht immer gerne, sagte sie doch: Jetzt MUSST du nichts mehr, jetzt DARFST du. Das Dunkel resonniert in mir, es ist die Stille und Ruhe, die ich liebe. Allein oder mit andern.

    (Einzig beim Wandern und Campen finde ich Nacht kompliziert, weil du dann immer eine Taschenlampe brauchst …)

  2. Als Nachtmensch ist die für mich die Nacht in erster Linie die Zeit, in der ich konzentrierter, effektiver, kreativer bin.
    Du hast einen interessanten Impuls geliefert, darüber nachzudenken, schöner Artikel! 🙂

  3. Wiir sind nur deswegen öfters des nächtens Opfer der Einsamkeit, weil durch das Dunkel wir auf uns alleine gestellt sind. Dewegen vertreiben wir die Einsamkeit durch Gelärme und Grelllicht, vertreiben die, die eigentlich unsere Freundin ist, weil sie uns ruhen und kräftig werden läßt. Zumindest in der Nacht. Wer am Tage, unter Menschen gar einsam ist, der muß sich wirklich fürchten.

    Danke für dieses Gedankenanschubsen und herzliche Sonntagsgrüße, Deine Käthe.

    1. Ja, die Nacht…ich sollte sie an solchen Abenden eher fürs Schlafen nutzen, aber ich brauche wohl auch das Gelärme und Grelllicht, welches mir so manchen Input fürs Schreiben bescherte 😉

      1. Es ist wie bei allem, die Dosis macht es aus, mein Lieber. Die Balance nicht verlieren, ob tagvelorisierend oder nachtträumendinspirierend.
        Sonnenlichtgrüße, Deine Käthe.

  4. Bisher habe ich Nächte als wohltuend empfunden. Zeit für Spaß, Träume, Leidenschaft…
    Aber nun – wo ich deine Gedanken gelesen habe – wird auch mir klar, dass sich die einsamen Herzen in den ach so fröhlichen Nächten etwas vormachen.
    Danke für deinen Text.

    1. Nun, dann hat sich das frustrierte Getippe ja doch gelohnt. Für mich war es nötig, weil ich an dem Abend nicht sonderlich glücklich war. Aber ich ahnte in jener Nacht ja schon, dass das nicht so ewig anhalten würde 🙂

  5. Nachts wird man auf sich selbst zurück geworfen und ist mit sich und all dem, was in einem ist und rumpelt und arbeitet und denen, die in einem wohnen, allein. Besonders, wenn man nicht schlafen kann.
    Ich kann das gut verstehen, was du da beschreibst, aber im Grunde ist das Gefühl am Tage genauso da, es lässt sich nur leichter vertreiben. Vielleicht … Nichtsdestotrotz lässt einen das ‚Aufsichzurückgeworfensein‘ durchaus kreativ werden und so manche Dinge reifen in der Nacht. Und irgendwann geht die Sonne wieder auf. 😉 Und die Welt wird wieder etwas farbiger. Und manchmal auch wieder leichter.

  6. Es sind aber auch die Nächte, die der Leidenschaft Raum geben, die es dir ermöglichen den Alltag auszublenden, keine Ablenkung, nur du und deine Gefühle und Sehnsüchte, die mitunter auch sehr angenehm sein können, besser noch, wenn man sie mit Gleichgesinnten teilen kann.

    Fazit vielleicht; die Tage zu nutzen um Kontakte zu knüpfen (man kann sich auch in der Sonne wunder küssen) und die Nächte unvernebelt gemeinsam erspüren.

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