A Lover, not a Fighter

Wenn ich über mich nachdenke, und mir ist gerade danach, dann war ich immer eher die derjenige, der liebte und nicht derjenige, der kämpfte. Ich dachte immer, dass ich damit der bessere Mensch sei. Jemand, der liebt ist besser als jener, der kämpft, so dachte ich. Aber das ist so eine Sache. Was bedeutet dieses Lieben und was bedeutet das Kämpfen? Als Liebender tue ich doch das Richtige, das Positive, so war mir das klar. Ein Kampf, der bedeutet eine Auseinandersetzung und somit auch Gewinn und Verlust. Niemand sollte wegen mir verlieren. Ich erst recht nicht. Aber das war eben der Fehler und ist es wohl noch immer. Immer wieder begegnen mir Menschen, die eine jahrelange Beziehung führen. Ich dachte immer, dass das die Liebenden seien, aber es sind in Wahrheit die Kämpfer. Kämpfer gegen die Urteile von Freunde. Kämpfer gegen die Urteile der Bilder, die wir alltäglich über Werbung oder andere Medien aufnehmen. Kämpfer gegen das eigene selbst.

Hier möchte ich nicht falsch verstanden werden. Sie kämpfen nicht gegen sich in dem Sinne, dass sie selbst die Liebe nicht wollten, sondern in dem Sinne, dass sie den Druck von außen und von innen abwehren können. Für mich ist das ein Kampf gegen meine Ungeduld. Ich weiß nicht, was bei mir schief lief, aber ich bin kein geduldiger Mensch. Andere Leute mögen das anders bewerten und neigen dazu, mich als ruhigen und nachdenklichen Menschen zu benennen, aber in Wahrheit fehlt mir dir Geduld und die Ruhe, wenn ich mein Herz erst einmal verloren habe und genau das passiert mir manchmal viel zu schnell. So oft lerne ich eine besondere Person kennen. Sehr oft passiert dann aber doch nichts in mir. Es ist dann einfach, ein Liebender zu sein. Ganz selten aber passiert es, dass es mich trifft. Da kommt eine Person in mein Leben, die ich kaum kenne, aber die ich nicht loslassen möchte. Jeder vernünftige Mensch rät mir dann, diese Person erst einmal kennenzulernen und ich selbst gebe mir auch diesen Rat. In mir drin allerdings gibt es eine zweite Stimme und diese will nicht warten. Sie hat Angst davor zu warten. Sie hat Angst davor, dass eine andere Person womöglich mehr Interesse weckt. Hat Angst davor, nicht gut genug zu sein. Und dabei sollte ich langsam begriffen haben, dass ich so bin, wie ich bin und dass ich mich dafür weder entschuldigen, noch rechtfertigen müsste. Aber ich tue es. Ich verliere mein Herz, wenn auch nur selten und ich fahre dann gegen eine Wand. Eine Wand, die ich selbst aufbaue.

Ich bin gern ein Liebender, aber was bringt mir dieser Liebende, wenn ich nicht auch langsam lerne, ein Kämpfer zu sein. Ein Kämpfer, der gegen die schnelle und leichte Stimme ankämpft, die immer unzufrieden sein wird. Die kleine Stimme, die viel zu laut schreit, aber doch noch nie glücklich gemacht hat. Sie ist nicht falsch oder sollte ungehört bleiben, denn es ist die gleiche Stimme, die mir in den Hintern tritt, wenn ich lange Zeit nicht schreibe und mich ermahnt, dass es wieder Zeit wird, bevor ich das Gefühl und den Ausdruck verliere oder vergesse, was meine Texte lesenswert macht. Wenn es aber um diese eine besondere Person geht, da würde ich diese Stimme nur zu gern ausschalten. Ich möchte meine Selbstzweifel begraben, die ich mittlerweile abgelegt haben sollte, aber offensichtlich werde ich dafür nie zu alt. Diese Stimme steht mir Weg. Sie hindert mich daran, glücklich zu sein und den Moment zu genießen. Sie ermahnt mich, einen Schritt zu gehen, der zu weit geht. Nicht, weil es angebracht wäre, sondern weil die Angst zu groß ist, dass ich verliere, was da ist. Und erst dadurch verstoße ich, was sich mir zeigte.

Eine besondere Person trifft man nicht so oft. Ich zumindest nicht. Wir haben alle unsere Kriterien, was einen Menschen besonders macht und dadurch passiert es zum Glück nicht alltäglich, dass wir einer solchen besonderen Person begegnen. Manch eine davon machen wir zu einem Vater oder zu einer Mutter. Manch eine Person möchten wir beschützen und manche davon, die möchten wir… Nein, die möchte ich lieben. Ich möchte, dass sie mich ebenso liebt. Aber ich habe es nie gelernt zu kämpfen. Nicht um sie, sondern gegen die eigene Ungeduld. Dieses nagende Gefühl, das mir in diesem Fall nicht hilft. Ich möchte diese eine Person doch nur näher kennenlernen. Ich möchte wissen, wer mir da gegenübersteht und dann herausfinden, ob sie und ich zueinanderpassen. Dafür muss ich diesen ersten Kampf gewinnen. Diesen Kampf gegen die innere Unruhe. Den Kampf gegen die Stimme, die nicht genug bekommt und der es nicht schnell genug gehen kann. Ich möchte ein Liebender sein, und ein Kämpfer.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „A Lover, not a Fighter“

  1. Ich kann diesen Wunsch so gut nachvollziehen… Du wirst besser werden. Vielleicht ist das Wort „Geduld “ oder „langsam“ passender als „Kampf“?

      1. Ich kann dich absolut verstehen… Auch wenn es vielleicht nicht vergleichbar ist, mir geht´s ähnlich… Ich drück‘ dir die Daumen. Ich glaube, es lohnt sich (in vielen Dingen) geduldiger zu sein…

  2. Danke, dass du mir das Wort Kämpfen neu füllst.
    (Ich bin wohl auch eher die Liebende, und ungeduldig, aber wohl doch auch eine stille Kämpferin – wäre ich sonst noch da?!)

  3. Ich spekuliere aus Unsicherheit…. tief in einem drin. Und zu einem anderen Teil mag dieses nagende Gefühl auch begründet sein. Manchmal weiß die Intuition schon mehr und wir erfahren erst später, warum wir uns möglicherweise zu Recht so gefühlt haben.

  4. Der Weg ist das Ziel.
    Stammt von Konfuzius und ist seit meiner Kindheit meine Lebensweise. Enthält auch GEDULD oder LANGSAMKEIT aber eben in einer bestimmten Form, was nicht sofort für jeden Menschen offensichtlich ist. 😉

    1. Stimmt, das steckt da in der Tat mit drin. In dieser einen Aussage stecken sehr viele Ebenen des Lebens. Ich sage sie mir selbst immer wieder, aber zwischen den Gedanken dazu und der Umsetzung hapert es manchmal. 😉

      1. Und dieses „zwischen den Gedanken dazu und der Umsetzung hapert es manchmal“ kannst du ebenfalls als Bestandteil davon sehen. 😉

  5. Ist nicht jeder Liebende ein Kämpfer, mein lieber Ben? Zuallererst der innendrinnige Kampf mit sich selbst: Darf ich denn eigentlich jeden lieben, den ich lieben will? Bin ich stark genug gegen den Ansturm von Konventionen und Regeln, von denen die meisten schlichtweg spitzzüngig verletzend sind? Bin ich wehrhaft genug, eine nicht erwiderte Liebe nicht als Verletzung sondern als Aufforderung zum Weiterlieben anzusehen?
    Ach, ich könnte ewig weiterfragen, aber ich glaube, dein innerer Kämpfer lächelt gerade verstehend.

    Herzliebe Grüße, Deine Käthe, zugetan.

  6. Meine Gedanken dazu:

    Jede Medaille hat zwei Seiten. Entscheide dich für eine, in diesem Moment und:
    Lass los. Lass die Angst und die (Selbst) Zweifel los.
    Wenn du an etwas Zweifelst, sag „Ja“ oder „Nein“ zu einer Sache.
    Habe keine Angst dich zu entscheiden, jede Entscheidung ist richtig! Richtig für dich in diesem Augenblick!
    Und habe keine Angst davor, etwas zu verlieren, wenn du es noch nicht verloren hast.
    Jeder Mensch kommt mit den selben Grund- Fähigkeiten zur Welt. Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist Vertrauen.
    Vertraue, dass alles was du tust richtig ist, für dich!

    Ich hoffe, dies kann dir helfen, dich zu entscheiden und dass es noch nicht zu spät ist und du noch immer die Chance hast, für diesen einen Menschen, ein „Kämpfer“ zu werden.

    Grüne Grüße

    Mion

    1. Der Text ist ja doch schon ein wenig her. Das Leben ist seinen Weg gegangen und so kämpfe ich auch weiterhin, aber auf anderen Feldern und Liebe ebenso, wenn es mir gestattet wird. 🙂

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