You’ve changed

„Du hast dich verändert“, sagte sie zu mir und sah mich ernst an. Ja, das hatte ich tatsächlich, immerhin waren zehn Jahre vergangen, seit sie und ich uns das letzte Mal gesehen hatten. Wie schwer fiel es mir damals, sie gehen zu lassen. Erst ihre Eigenart, sich selten zu melden oder kaum zu antworten war es, die mich die Verbindung kappen ließ. Das hatte ihr wiederum nicht geschmeckt und hatte es mit einem guten, gemeinsamen Freund besprechen und mir vorhalten müssen, dass gute Freundschaften auch über weite Distanzen halten würden. Das mag schon sein, aber ich war damals wohl noch immer nicht ganz über sie hinweg und empfand mehr als nur Freundschaft. Gleichzeitig fühlte ich mich nicht in der Art behandelt, wie ich es erwartet und gewünscht hatte. Ich hatte mich verändert: Einige weitere Lieben, die nicht blieben, hatten mich verändert und mir das Abschiednehmen leichter gemacht. Mittlerweile gelang es mir recht einfach, mein geöffnetes Herz wieder zu verschließen und nicht auf weitere Nachrichten zu warten. Ich schloss mein Herz selten wirklich auf, das war wohl auch so ein Trick.
Äußerlich hatten wir uns auch ein wenig verändert, man kann auch einfach sagen, dass wir älter geworden waren. Die Falten an den Augenlidern waren ein wenig deutlicher zu erkennen und zumindest bei mir auch so manche auf der Stirn. Schuld daran war dieser ständige skeptische Blick, der mir nur zu leicht zu entlocken ist. Da braucht es nur eine unqualifizierte Bemerkung und schon schnellt die linke Augenbraue in die Höhe und mit ihr drückt sich die Haut an der Stirn zusammen. Ich arbeite daran, diese Eigenart ein wenig abzulegen und stattdessen mehr mit Humor darauf zu reagieren und somit eher die Falten um die Augen herum zu vertiefen, die stehen mir nämlich ganz ausgezeichnet, meinte neulich meine beste Freundin zu mir und ich widerspreche ihr nur höchst ungern. Sie ist so ein Beweis dafür, dass ich mich verändert habe: Eine beste Freundin ohne das Verlangen mit ihr eine Beziehung zu führen, das hatte ich nie. Doch meine alte Freundin meinte eine andere Veränderung. Eine, die man doch nicht so schnell erkennen könnte, hatte ich gedacht…

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

7 Kommentare zu „You’ve changed“

  1. Ein wundervoller Text, in dem ich mich total wiedergefunden habe. Nur diesen Satz hier, habe ich nicht verstanden: „Eine beste Freundin und das Verlangen mit ihr eine Beziehung zu führen, das hatte ich sie nie.“ Da ist ein Wort zu viel, stimmts? Ansonsten eine 1+. Klasse.

    1. Danke für den Hinweis, der Satz hatte nicht nur ein Wort zu viel, sondern auch falsches drin. Das passiert, wenn man einen Text schreibt, ihn durchliest, in WordPress kopiert und dabei beschließt, das Ende ein wenig abzuändern 😉
      Vielen Dank, es freut mich, dass du dich in dem Text selbst wiederfinden kannst 🙂 dann hab ich ihn ja nicht nur für mich geschrieben ^^

      1. Gern geschehen. Ich weiß doch selbst, wie das ist, Fehler in den eigenen Texten zu überlesen.
        Dein Text ist richtig gut. Ein klasse Stück Kurzprosa, dass du so auch vorlesen könntest und im Publikum würden sicherlich viele nicken, weil sie die beschriebene Situation auch schon erlebt haben. Da bin ich mir sicher. 😉

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