Denkfehler

Der größte Denkfehler von uns ist doch der, dass wir der Meinung sind, es besser zu wissen und besser zu machen, als die große Masse. Vielleicht hilft es ja, wenn wir begreifen, dass wir in diesem Fehlurteil vereint sind.

Die Fähigkeit einen Konsens zu finden zeichnet uns Menschen aus, dafür bedarf es keiner besonderen Begabung, einzig eine fundierte Meinung und die Fähigkeit einander zuzuhören, braucht es dafür. Wenn man jedoch davon überzeugt ist, dass man selbst vollkommen im Recht ist und die oder der Gegenüber somit im Unrecht, dann ist das keine Basis, um gemeinsam ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen.

Vertrauen scheint mir dabei die Grundlage zu sein. Vertrauen in eine ebenso weitsichtige Bereitschaft zum Zuhören und zum Revidieren der eigenen Gedanken beim Gegenüber. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass ich einem Menschen begegnet bin, der nicht über solche Eigenschaften verfügt hätte. Die Bereitschaft war dann eher fragwürdig, aber ich gelange auch meist erst nach einer gewissen Zeit zu Erkenntnissen. Während ich manche Kritik frühzeitig abzublocken scheine, arbeitet diese weiterhin in mir weiter und wird durch meinen Kopf wie durch Kuhmägen geknetet und widergekäut, bis ich selbst zu einer neuen Ansicht gelange oder die Kritik als ungerechtfertigt abtue.

Entdecke ich einen Denkfehler bei einer anderen Person und kann diesen Fehler auch nach längerem Überdenken nicht anders bewerten, so versuche ich die Person da abzuholen, wo sie steht und sie nicht direkt mit dem Fehler zu konfrontieren. Ich merke auch, dass man solch einen Denkfehler gern überspitzt und jene Überspitzung dem Menschen vorwirft. Wie könnte dieser Mensch anders als mit Ablehnung darauf reagieren?

Ein Mensch handelt ständig und wird sich dabei immer anders verhalten, als es ein anderer Mensch für richtig hält. Das ist nicht schlimm, sondern ein Teil unseres Individualismus. Ich bin der Meinung, dass das eigene Handeln immer dem Wohl der Umwelt dienen sollte, wobei Umwelt alle Lebewesen einschließt. Ich weiß nicht, wie viele Menschen mir in diesen Gedanken zustimmen, aber ich glaube doch, dass die meisten Menschen ebenso denken. Nun stellt sich mir nur die Frage, warum es dann so viele unsinnige Diskussionen gibt, in denen zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinandertreffen. Ist das unsere Inkonsequenz zwischen Ideal und Realität?

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

8 Kommentare zu „Denkfehler“

  1. Also mein Denkfehler war das Gegenteil: weil ich meine Meinung als unwichtig abtat, kam mein Kind in Lebensgefahr. Ich finde mich viel dümmer als andere Menschen. Das ist also auch gefährlich.

    1. Ja, das ist es in der Tat. Meine Mutter hatte selbiges nach meiner Geburt auch getan, also der Meinung anderer vertraut und nicht auf die eigene Stimme gehört. In der Tat ist das auch sehr gefährlich.

  2. Ich denke an Kants Kategorischen Imperativ und dass icb dir vollumfänglich zustimme. Das Problem liegt wohl darin, dass wir nicht nur inhaltliche Gespräche führen, nicht nur senden und empfangen, sondern interpretieren und bewerten, am Erfahrungen anknüpfen. Das Problem dabei ist, dass wir diese Fakten vergessen.
    Danke für deine Ausführungen.

  3. Es ist manchmal auch nicht so einfach, Verständnis für einen Gedankengang aufzubringen, der sehr anders ist als der eigene – und manchmal sogar auf anderen Grundannahmen beruht. Wenn ich etwas für völlig selbstverständlich halte, beginne ich ein Gespräch nicht damit, das noch einmal festzuhalten, sondern gehe erst einmal davon aus, dass mein Gesprächspartner das für genauso selbstverständlich hält. Wenn er das nicht tut, ist ein Missverständnis vorprogrammiert und nur sehr schwer wieder aus der Welt zu schaffen.

    Zum Beispiel sagst du, „dass das eigene Handeln immer dem Wohl der Umwelt dienen sollte“ – aber nirgendwo definierst du, was „das Wohl der Umwelt“ ist. Vermutlich kommt dir das ganz selbstverständlich vor, aber wenn ich mir etwas völlig anderes darunter vorstelle – ganz plumpes Beispiel, A glaubt, es würde allen zugute kommen, wenn niemand mehr Fleisch isst, während B glaubt, es würde allen zugute kommen, wenn sich jeder den Kauf von Fleisch leisten kann: Dann müssten sie bei einer Debatte über Nutztierhaltung immer in Streit geraten, bis sie es schaffen, diese Grundannahmen aufs Tapet zu bringen, und merken, dass hier ihr eigentlicher Konflikt liegt.

    1. Ich habe „Umwelt“ grob definiert und daraus dürfte sich schon ergeben, dass der Kauf von Fleisch nicht für jeden erschwinglich sein muss. Das ist aber wieder so ein Punkt voll Inkonsequenz, da die meisten Menschen Tiere mögen und sie nicht quälen möchten, aber ebenso wenig möchten sie verzichten auf den alltäglichen Fleischkonsum. Schlussendlich ist aber genau hier wohl das Problem zu sehen, nämlich dass wir Lebewesen oder auch die Natur unterschiedlich schätzen. Ein Tier ist weniger wert als ein Mensch und manch ein Mensch ist weniger wert als ein anderer.
      Aber zurück zu deinem Punkt. Mir ist absolut klar, dass alle Menschen nicht die gleiche Ansicht haben werden, das schrieb ich ja bereits. Aber warum braucht es ständig extrem geführte Diskussionen? Jemand, der gern Fleisch isst, ist sich durchaus bewusst, wie es zu einem günstigen Fleischpreis kommt und sollte dann doch relativ entspannt sein, wenn eine andere Person Vorschläge macht, wie man diese Fleischproduktion wieder zu einer humanen Tierhaltung macht, wenn man auf das Wohl der Umwelt bedacht ist.

  4. Darüber mache ich mir auch ständig Gedanken.
    Ich sehe die Welt anders. Ich würde sagen, ich sehe die Welt.
    Ich kann die Gefühle der Menschen spüren.
    Viele Menschen sind voller Zweifel, Angst und Unsicherheit.
    Sie wissen sich nicht zu helfen.
    Angst ist ein großer Faktor, er lähmt das klare Denken.
    Jeder Mensch hat nur ein Ziel: Glückseligkeit.
    Das ist sein Antrieb. Und wenn, scheinbar etwas von Außen dies zu stören scheint, wird rebelliert. Die Glückseligkeit mit allen Waffen verteidigt.
    Was ist Glückseligkeit? Was ist Glückseligkeit für uns Menschen?

    Meine Interpretationen:

    https://unkrautgarten.wordpress.com/2016/03/14/heirloom-2-interpretation-wilderbse/

    https://unkrautgarten.wordpress.com/2015/05/30/wahre-stadter-oder-die-masse-machts/

    Grüne Grüße

    Mion

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