Immer schön einfach

Es ist schon über ein Jahrzehnt her, da sprachen Politiker von Verdrossenheit. Sie suchten die Schuld bei sich und fanden eine Erklärung, die mir damals nicht schmeckte, mittlerweile weiß ich weshalb.

Man hätte Sachverhalte nicht gut genug erklärt, sondern kompliziert diskutiert und deshalb würden immer weniger Menschen zur Wahl gehen. Das war damals die Ansicht und dementsprechend müsste man sich darin üben, Sachverhalte einfach darzulegen. Die kurzfristige und einfache Lösung wurde gesucht und der Weitblick vergessen.
Die Frage ist doch, ob Politik komplizierter geworden ist und deshalb simplifiziert werden muss? Ich bezweifelte es damals und ich tue es noch heute. Interessant ist doch viel eher, dass man gleichzeitig auf die Idee kam, Sozialkunde und Geschichte zusammenzulegen. Ein Lehrer, der Geschichte unterrichtet, soll auch Sozialkunde unterrichten. Dieses eine Fach, welches sich der politische Bildung annimmt, darf verkommen. Denn das Resultat aus dieser Idee ist, dass nicht ein politikbegeisterter Mensch ein Fach unterrichtet, von dem es ganz nebenbei mehr als eine Stunde in der Woche bräuchte, sondern eben ein geschichtsbegeisterter, welcher über einen schnellen Weg zu einem Soziologieabschluss kommt. Soziologie als Drittfach auf Lehramt ist eine unheimlich leichter Abschluss und kein eigenständiges Studium, welches zum Denken anregen würde.

Man hatte also bemerkt, dass den jungen Menschen das Interesse an Politik verloren ging. Statt in der Schule ein Fach zu fördern, welches das Verstehen für die Prozesse im Parlament und in der Gesellschaft vermitteln kann, lässt man es lieber verkümmern. Stattdessen vereinfacht man Politik lieber. Und wundert sich, warum die Menschen plötzlich jenen hinterherlaufen, die keine Lösungen kennen, sondern nur Probleme benennen, die zu lösen wären, von denen aber behauptet wird, dass wir sie nicht schaffen könnten.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

6 Kommentare zu „Immer schön einfach“

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob du da richtig liegst. Meines Wissens nach muss man durchaus Politik oder SoWi studieren, um es unterrichten zu können. Und oft sind Geschichtslehrer Politikbegeistert.
    Problematischer ist, dass die Zeit für komplexe Themen oft nicht eingeräumt wird. Es soll ja vielfach kein Wissen, sonder nur die Kompetenz, das Wissen zu erhalten und zu bewerten, vermittelt werden. Darin sehe ich – neben oftmals schlecht ausgebildeter Lehramtsstudenten, das Problem.

    1. Ich kann nur sagen, was ich hier in Bayern erlebt habe und da war es so, dass du deine zwei Hauptfächer abgeschlossen hast und danach hängst du ein Semester ran, in dem du die Prüfungen für Sozi machst. Da gab es außer dem Auswendiglernen des Stoffes sonst nichts. Finde ich persönlich hochgradig wenig. Es ist schon richtig, dass es politikbegeisterte Geschichtslehrer gibt, aber warum kann es nicht einfach politikbegeisterte Soziologen geben, die ihr Fach unterrichten? Die Antwort ist klar, weil man ihnen nur eine Wochenstunde gibt. Den Punkt habe ich ebenfalls erwähnt. Soziologie hat aus Sicht der Politik (zumindest der bayerischen) keine Relevanz in der Schule.

    2. Mir fiel gerade ein, dass das bei mir ja noch alte Studienordnung war, kann also sein, dass es im Bachelor durchaus mehr Studium fürs Drittfach gab. Ich bleibe dennoch der Meinung, dass ein Sozialkundelehrer ein eigenständiges Fach haben sollte und nicht aufgrund seines Geschichtsstudiums zur Soziologie genötigt werden sollte. Wir verkürzen ja auch Physik nicht auf eine Wochenstunde und überlassen es den Mathematikern 😉

      1. Also bei uns studiert man Politik oder Sowi auf lehramt. Mit den Drittfächern kenne ich mich nicht so aus, da studiert man generell weniger, das weiß ich.

      2. Wenn man Sowi bei uns studiert, dann studiert man Soziologie, Politik und Wirtschaft in relativ gleichem Ausmaß – zumindest damals, als ich es zu studieren begonnen habe. Aber Politik gibt es auch immer noch als Extra-Lehramt-Studium.

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