Der ganz normale Wahnsinn

Vor ein paar Jahren brauchte ich für die Anmeldung zum Staatsexamen eine beglaubigte Kopie meiner Geburtsurkunde. Dumm wie ich bin, ging ich hier vor Ort aufs Amt, natürlich ohne vorher einen Termin zu machen. Als ich dann irgendwann mein Anliegen vortragen durfte, wurde mir mitgeteilt, dass solch eine Urkunde bzw. eine Kopie davon nur in der Behörde meiner Geburtsstadt ausgestellt werden würde. Ich war tatsächlich davon ausgegangen, dass die Behörden miteinander arbeiten würden. So ging ich nach Hause und dumm wie ich bin rief ich dort an, um es mir schicken zu lassen, denn die Frist für die Abgabe war nicht weit entfernt und das Geld für die Heimreise war eigentlich nicht vorhanden. Am Telefon dann kam die Ernüchterung, ich dürfte das nur persönlich dort abholen. Solch eine Unterlage wird nicht per Post verschickt. Es leuchtete mir ein und ich machte mich wenige Tage später auf den knapp 500km langen Heimweg. Zum Amt ging ich mit meinem Vater, er hatte selbst etwas in der Stadt zu tun und so kreuzten wir gemeinsam in der Behörde auf. Ich erinnere mich nicht, nur ein Wort von mir gegeben zu haben, stattdessen hatte mein Vater mit einer Dame gesprochen. Keine drei Minuten später wurde ihm ein Briefumschlag mit meiner Geburtsurkunde überreicht und wir gingen wieder. Meinen Personalausweis oder irgendein anderes Identifikationspapier habe ich nie vorgezeigt, ebenso wenig tat es mein Vater. Er kannte die Dame.

Am Samstag finden in vielen Städten Improvisationsshows statt, welche Spenden für Flüchtende sammeln. Ich werde für eine Szene verantwortlich sein und möchte sie mit dieser kurzen Geschichte beginnen, die unter der Frage steht: „Was ist für dich Heimat.“

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „Der ganz normale Wahnsinn“

    1. Das mit der Heimat oder dem Zuhause ist nicht zu wörtlich zu verstehen. Wenn zehn Leute mit dem gleichen Thema einleiten, muss man auch mal solch einen Beitrag bringen ;-). Vielen Dank.

  1. Solche Geschichten habe ich massenhaft auf Lager ^^
    So hat zum Beispiel jahrelang in meinem Pass eine verkürzte Version meines Namens gestanden, weil man mich im Amt auf dem Dorf kannte und einfach ohne Ansehen meiner Unterlagen den bekannten Namen eingetragen hat. Als ich umzog und zur Ausstellung eines neuen Passes im neuen Amt meine Geburtsurkunde vorlegen musste, war das Geschrei groß. Ein GANZ anderer Name (jupp, ein dritter Vorname)!!! Ich könnte ja eine völlig andere Person sein!

    1. Ja, damit kommt die deutsche Bürokratie nicht klar. Meinem Halbbruder ging es bei seiner Heirat ähnlich, weil er dank meines Vaters und seines Stiefvaters bzw. seiner Mutter drei andere Nachnahmen hatte oder so. So ganz bin ich mir da auch nicht mehr sicher, aber Geburtsurkunde und Ausweis passten einfach nicht zusammen und die Beamtin wollte es einfach nicht verstehen. ^^

      1. Da stellen sie sich auch manchmal einfach doof. In meinem Fall hätte wirklich eine Zwillingsschwester existieren müssen, deren 1. und 2. Vorname genauso lauten wie meine…
        Ich glaube, so Beamte leben von Aufwand. Wenn die nicht drei Formulare ausfüllen und von A nach B schicken können, setzt Atemstillstand ein.

      2. Da drängt sich mir sofort die Frage auf, ob man Zwillingsschwestern den gleichen Namen geben darf. Ich sehe da viele Betrugsmöglichkeiten 😀

  2. Unglaublich, ich frage mich immer, wozu man das überhaupt noch braucht. Der Personalausweis sollte doch ausreichen und den bekomme ich doch nur, wenn ich eine Geburtsurkunde vorlegen kann.
    Erstaunlich ist auch, das eine beglaubigte Kopie ablaufen kann. Als ich damals heiraten wollte, hab ich meine Unterlagen rechtzeitig zusammengesucht, geheiratet haben wir dann aber ein knappes Jahr später, da war die beglaubigte Kopie vom Standesamt nicht mehr gültig und ich musste mir, natürlich gegen Bezahlung, eine neue Besorgen.

    1. Ach Quatsch, natürlich kann so eine beglaubigte Kopie ablaufen…ist ja ein verderbliches Produkt…verrückt ist das, verrückt…aber vielleicht greife ich das dann in meiner Szene mal auf. 🙂

      1. Findest du, dass Bürokratie dem Kapitalismus förderlich ist? Wenn keine BEstechlichkeit vorliegt, dann kann gerade Bürokratie ein unheimlich starkes Hemmnis sein, findest du nicht?

      2. Ich finde, dass die großen Weltmächte derzeit, USA, China (seit einiger Zeit ja der Kapitalismus-Überflieger), Japan, Frankreich, Großbritannien, D, allesamt die perfekte Bürokratie im Hintergrund haben, ohne die die Logistik-Mega-Leistungen dieser Länder nicht möglich wären…

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