Du hast einen Wunsch frei

„Du hast einen Wunsch frei“, sagte sie mir und blickte mich dabei unmissverständlich an. Wir kannten uns kaum und selbst das scheint mir schon übertrieben, vielleicht hätte es besser geklungen zu sagen, dass wir uns gerade erst kennengelernt hätten. Das klingt danach, als würde sich unsere Beziehung in der Zukunft verändern. Das könnte sie nun, denn mir bleibt jener freie Wunsch, der eine indirekte Aufforderung darstellt. Es geht nicht um einen Kuss, es geht um Sex. Statt ihn zu haben, scherzte ich und nichts passierte. Es wäre nicht mehr passiert, außer dieser einen Sache, aber das ist gar nicht der Grund für die ausbleibende Erwiderung. Es fehlt die wahre Lust. Nicht die Lust an ihr, die ist da, sondern die Lust am Leben. Die Lust einfach anzufangen und sich für einen kurzen Augenblick zu verlieren. Die Lust ungeplant zu handeln und später bei einem Glas Wein womöglich zu bereuen. Die fehlende Lust hat eine Leerstelle hinterlassen, die nur zu gern von der Angst eingenommen wird. Die Angst vor der Ablehnung. Die Angst vor den Konsequenzen. Die Angst davor, nicht gut genug zu sein. Wer Angst davor hat, nicht gut genug zu sein, der ist es auch. Nur wer vom Leben kostet, hat keine Angst, nicht gut genug zu sein, weil das vollkommener Unsinn ist. „Du hast einen Wunsch frei…“

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

15 Kommentare zu „Du hast einen Wunsch frei“

  1. Dreimal gelesen und das eine anfängliche ungute Gefühl verstärkt sich, lieber Ben. Wenn Angst die Stelle der Lebenslust auffrisst, entsteht da eine schmerzhafte Lücke, die die Angst nie füllen wird, sondern nur weiter zerlöchert.

    Lust for Life. Iggy hat ein neues Album draußen, LZ (Der Versteckte Poet) hat es verlinkt; läuft hier gerade im Floratelier und passt einfach wie abgesprochen zu Deinen Zweifeln. Würden wir doch alle mehr Iggy sein!

    Liebe Grüße, Deine Käthe.

    1. Werteste Käthe, ich verweise auf Hesse, der immer wieder anmahnte, das triste, graue Tal zu durchschreiten und ich habe das Gefühl, mich gerade in einem solchen zu befinden. Ich weiß aber auch, dass ich die Klippen und schroffen Bergkämme überwinden kann. Gerade wenn ich ehrlich damit umgehe. Ich habe den Text heute Vormittag geschrieben, hab den Laptop zugeklappt, mich geduscht, aufs Rad gesetzt und wollte eine Freundin besuchen, die jedoch nicht Zuhause war. Stattdessen traf ich einen Freund, wir zogen ein wenig durch die Gegend, trafen einen weiteren Freund und genossen die Sonne. Heute war die Lust auf das Leben wieder ganz deutlich da. Ein Tag ist nur ein Tag, aber ich weiß mittlerweile, dass ich aus meinen grauen Tiefs herausfinden kann. Dafür muss ich sie allerdings erkennen und angehen. Genau das war der Text heute morgen.
      Liebste Grüße, Dein Ben.

      1. Das freut mich zu lesen, mein lieber Ben. Ich weiß ja um des Aufschreibens möglichem Heilungsprozesses. Manches Gefühl muß versilbensilbt werden und manche Tristesse ausgelotet. Dann ein wenig Iggysein und es geht einem besser.

        Die Tiefe Deines Textes ist halt strudelig und bewegt die Lesegedanken. Danke für Deine ergänzenden Worte und liebe Grüße nochmals, Deine Käthe.

      2. So, genug bereut, mein Lieber! Jetzt einen Regenspaziergang machen, tief durchathmen und glücklich sein…
        Gegen Haarwurzelschmerz hilft übrigens Espresso mit Zitrone, schmeckt so scheußlich, daß der Ekel die Schmerzen übertüncht.
        Liebe glückliche Grüße, Deine Käthe.

      3. Geregnet hat es hier noch nicht, aber es windet schon recht stark, da wird noch was folgen heute Nacht. Ich habe den Tag gut überstanden, wenngleich die ersten Morgenstunden von einer gewissen Übelkeit begleitet wurden. Bereut habe ich es aber nicht. 😀

  2. Gefällt mir sehr gut, Ben, diese Ablehnung eines freien Wunsches, der auch Sex sein könnte, denn so ein Offer zu bekommen, von einem Menschen, den man so gut wie nicht kennt, würde mich niemals verführen dazu…
    Liebe Frühlingsgrüße
    vom Lu

    1. Man darf sich durchaus verführen lassen. Immerhin ist es Frühling 🙂 aber es sollte vielleicht auch einfach keine solche Wichtigkeit besitzen. Gestern wurde ich aufs Derbste angemacht und fragte mich, warum diese Person Sex so extrem mit Geborgenheit gleichsetzt…
      Aprilhafte Grüße zurück ^^
      Ben

      1. Das ist verblüffend…

        Sex bietet ja eine Menge Möglichkeiten, die sich alle aber trotzdem sehr ähneln,
        jedoch kaum eine Variante bietet Geborgenheit…

        Liebe Grüße zur Nacht vom Lu

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