Schwarz und weiß

Immer wieder, so scheint es mir, stolpere ich über die falsche Denkweise, zu meinem Glück bemerke ich es und kann daran arbeiten. So oft bewerte ich Situationen oder Aktionen als richtig oder falsch und ordne dementsprechend das Handeln der Menschen ein. Das führt dazu, dass ich mich selbst zum Opfer mache, wenn ich gekränkt werde, denn die Kränkung der anderen Person war falsch. Die andere Person ist der Täter. Was jedoch zeichnet einen Täter aus? Ist es nicht die Eigenschaft, etwas absichtlich zu tun? Können die Kränkungen, die mir im alltäglichen Leben von freundlich gesonnenen Menschen „zugefügt“ werden wirklich in böser oder schädlicher Absicht passieren?

Das sind Gedanken, die mir neulich während einer Buchpräsentation fast direkt vom Vortragenden gestellt wurden und auch wenn es direkte und gewollte Kränkungen gibt, zum überwiegend großen Teil finden sie nicht aus böser Absicht statt. Mein Gegenüber ist somit kein Täter. Ich bin damit kein Opfer. Die Kränkung war kein absichtlicher Vorgang. Lasse ich mich kränken und mache ich mich damit zum Opfer, so ordne ich mich selbst niedrig ein. Und gleichzeitig stelle ich mich moralisch über jenen, den ich als Täter einordne. Wer ist in dieser Situation noch Täter und Opfer?

Ich kann mir vorstellen, dass einige Leser dieses Textes gerade selbst in so einer Situation sind und sich angegriffen fühlen. Darum geht es mir nicht. Ich sage nicht, dass ihr euch nicht verletzt fühlen dürft oder dass ihr selbst schuld seid. Ich schließe mich da voll und ganz jenem Redner des Vortrags an, der erklärte, dass wir gesellschaftlich ein Schwarz-weiß-Denken etabliert haben, welches in Täter und Opfer aufteilt. Wir sind aber doch mehr als nur ein Computer, der lediglich mit Nullen und Einsen arbeiten kann. Es wird in absehbarer Zeit auch weiterhin Kränkungen geben. Manche davon werden absichtlich geschehen, die meisten jedoch unbeabsichtigt und sogar in der Absicht nicht verletzen zu wollen. Dessen müssen wir uns bewusst werden. Ich versuche es.

Ich wünsche euch einen schönen Start in die Woche.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „Schwarz und weiß“

  1. Guten Morgen!
    Ich denke, dies hat viel mit der Einstellung jedes Einzelnen zu tun.
    Beziehungsweise mit seinen Denkmustern. Denkmuster sind uns anerzogen, antrainiert.
    Diese Denkmuster, sind verantwortlich, wie wir das Empfange interpretieren.
    Wir können unsere Denkmuster zu jeder Zeit ändern.
    Es ist unser Ego, welches sich in die Opferrolle begibt.
    Ferner sind unsere Gefühle dafür verantwortlich, wenn wir uns bedroht fühlen.
    Ego und Denkmuster sind das Selbe.

    Schöner Artikel, interessantes Thema.

    Dir auch einen schönen Wochenstart mit Grüne Grüße von
    Mion

  2. Oh, danke dir. Wie schnell vergesse ich das.
    Ich formulierte gestern: Ich übe mich darin, nicht als Schmerzkompensation zu fauchen oder zurück zu bellen, sondern bewusst anders zu reagieren.
    Mal schauen, was mir da einfällt.

      1. hab einige Bewerbungsgespräche, Schulung und Tests… also alles was mit Chef und Stress und auch Selbstbewusstsein, Angst und Selbstvertrauen zu tun hat. Da sehe ich mich schnell als Opfer, das fertig gemacht wird von der Ellenbogengesellschaft und einfach immer Pech hat. Dabei muss ich mir sagen, dass ich auch mal Täter bin, auch wenn ich das oft gar nicht bemerke. Ich denke aber man muss mittlerweile mehr Täter sein, um überhaupt weiter zu kommen. Also gerade „echte“ Opfer, die kein Glück haben, müssen zu Tätern werden. hm… ist fies aber so sehe ich das. Auch wenn mir die Kraft dazu fehlt!

      2. Mein Ansatz wäre aber eher der, dass man weder Täter noch Opfer ist und diese Rollen auch sonst nicht verteilt. Bleibt nur die Frage, ob das überhaupt möglich ist. Ich habe mich bei Bewerbungen immer sehr wenig um alles geschert. Meine letzte habe ich frei runtergeschrieben und sie verschickt. Der Chef war neugierig, lud mich ein und nahm mich. So wird es nicht immer laufen, aber bisher klappte das irgendwie so und wenn ich irgendwo nicht angenommen wurde, fragte ich mich auch, inwiefern ich dort überhaupt hingepasst hätte, wenn kein Interesse an mir besteht.

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