Verhaltensweisen

Mir fällt es schwer, mich zu entscheiden. Das fängt schon bei einer simplen Bestellung in einem Lokal an. Irgendjemand hatte mir gesagt, dass dieses Zögern mich unattraktiv und unmännliche mache.
Wie soll ich jedoch schnell eine Entscheidung treffen? Wenn ich essen gehe und verschiedene Gerichte zur Auswahl stehen, dann könnte ich nur in dem Fall eine schnelle Entscheidung treffen, wenn ich das nehmen würde, was ich bereits kenne und gern esse. Viele Menschen mögen nun sagen, dass das die absolut sinnvolle Herangehensweise sei. Was ist aber mit den Gerichten, die ich noch nie probiert habe? Ich muss mir doch überlegen, ob Couscous mit Spinat schmeckt, und es braucht einen weiteren Moment, um zu ergründen, ob mir danach ist oder nicht doch nach etwas vollkommen anderem. Für mich ist es logisch, nach dem für mich besten zu suchen und mir dabei die nötige Bedenkzeit zu geben. Hätte ich mein Leben lang die schnelle Entscheidung gewählt, würde ich noch immer Würstchen mit Kartoffeln essen. Mir wäre vermutlich egal, wie das rosa Fleisch zuvor hätte „leben“ müssen. Vielleicht wäre ich glücklicher, wenn ich mein Leben so einfach gestalten würde. Vielleicht wäre ich damit männlicher. Vielleicht wäre ich damit attraktiver.
Tatsächlich ist es mir egal, wie es wäre. Spinat mit Couscous schmeckt verdammt lecker.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

12 Kommentare zu „Verhaltensweisen“

  1. Klasse! Das tut mir jetzt grad richtig gut, dein Plädoyer für langsame Entscheidungen. Aber ich darf, ich muss ja nicht männlich sein.

    (Wer denkt sich solchen Bullshit aus? Und wer will schon diese Art Schubladen bedienen?!)

    1. Solch eine Schublade ist als Jugendlicher durchaus etwas, in das man gesteckt wird, zumindest wenn jeder das Wort schwul als Synonym dafür nutzt, dass es nicht richtig oder schlecht ist. In solch einer Phase möchte man durchaus männlich sein. Zum Glück bin ich da irgendwann rausgekommen.

      Aber davon wieder weg. Eine Entscheidung braucht durchaus Zeit. Sie ist deswegen nicht immer die beste, aber zumindest ist sie überlegt. Danke.

  2. Unmännlich? Ach Blödsinn. Aber wahrscheinlich beeinflussen uns solche Gedanken tatsächlich. Ich finde dein Beispiel schön. Für mich hat es mit Vorfreude, Genuss und „Zeit nehmen“ zu tun. Erst wenn das Magenknurren deines Gegenübers zu laut wird ist es Zeit sich zu sputen.

  3. Ich lass mir auch in vielen Situationen viel Zeit für Entscheidungen – überlege an was Neuem und bleibe dann doch beim Bewährtem. Aber es tut gut, in Gedanken mal was Neues zu wagen.^^
    Und mein Partner braucht, wenn wir essen gehen, manchmal eeeewig, bis er sich was ausgesucht hat. Da er sehr vielseitig is(s)t, hat er halt viel auszusuchen und zu überlegen. Unmännlich finde ich ihn deswegen nicht!

  4. Lieber Ben, es gibt in einem Restaurant kaum etwas männlicheres, als wenn einer mit fester Stimme den rumtrippelnden Kellner bescheint, daß er in Ruhe aussuchen möchte. Bestellt er dann noch Getränke für seine Begleitung und sich, haben beide genügend Zeit, sich über die anstehende Essenslust einig zu werden.

    Generell sind langsame Entscheidungen in dieser schnelllebigen Zeit enorm wichtig, lasse Dir also auf keinen Fall ein unmännlichen Verhalten einreden. Im Laufen trinkende und sogar essende Schnellentscheider sind die, die unattraktiv wirken.

    Ich grüße Dich nochmals ganz herzlich und freue mich immer noch murmeligkringelig über den Verwuscheltblick, Deine Käthe.

    1. Ich habe mittlerweile keine Angst davor als unmännlich oder unattraktiv betitelt zu werden. Das Alter lehrt einen solche Torheiten abzulegen und sich mit sich zu begnügen. Was ich so alles für leckere Speisen probiert habe, wiegt jedes Unverständnis Anderer um Welten auf.

      1. Bravo! Bis auf die Bemerkung altersbetrefflich, älter werden heißt doch, sich endlich Torheiten zu erlauben, die man sich früher verkniff…

        Gernsttörichte Grüße, Deine Käthe.

  5. Konsequent Würstchen essende Männer finde ich tendenziell unattraktiv. Da fänd ich einen unentschlossenen über-Spinat-Lasagne-Nachdenkenden schon spannender. 🙂

  6. na ja, stimmt schon irgendwie, dass heutzutage relativ rasch Entscheidungen verlangt werden, es geht ja eh alles viel zu rasch von statten…

    …dann sag ich mir immer: just take YOUR time to decide 🙂
    LG vom Lu

  7. Diese langsamen Entscheidungen bei der Wahl des Essens ist schon meiner Meinung nach etwas weibliches. Zumindest kenne ich mehr Frauen die damit Probleme habe als Männer. Zieht sich das bei Dir durch alle Lebensbereiche? Ja, dann finde ich das auch ein wenig unattraktiv oder nervig. Natürlich muss man manchmal abwägen, aber der Zeitraum ist entscheidend und sollte meiner Meinung nach nicht ausgereizt werden.

    1. Nein, durch alle Lebensbereiche zieht sich das bei mir nicht. Es kommt hin und wieder vor und ich nehme mir gern die Zeit. Ich bin dann auch gern unattraktiv. In den Situationen, in denen es relevant ist, fällt es mir nicht schwer, mich zu entscheiden, weil es meist um eine sofortige Entscheidung geht. Wenn jemand seine Frau angeht, überlege ich nicht, ob ich eingreifen soll, sondern gehe direkt hin. Die Auswahl des Essens halte ich hingegen für einen solchen Luxus im Leben, dass ich dabei keinen Grund sehe, mich damit zu stressen.

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