Genießen

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag es, wenn es Wochenende ist. Wann ich aufstehe und wie ich mich den Tag über verhalte, ist allein mir überlassen und wird nicht von anderen bestimmt. Mein Wochenende besteht tatsächlich nur aus zwei Tagen, da ich am Freitag bis 17:30 Uhr arbeite. Ich genieße daher das Ausgehen am Freitag, sowie das Ausschlafen am Samstagmorgen, so ich denn nicht durch Kindergeschrei geweckt werde, aber meist kann ich dann etwas später wieder schlafen. Ich kenne Menschen, die den Sonntag hassen. Ich vermute, dass sie dies tun, weil es der letzte freie Tag ist, bevor es wieder los geht. Für mich ist das unvorstellbar. Der Sonntag ist voller Ruhe und Entspannung, dass ich ihn einfach nicht verteufeln kann. Aber vielleicht habe ich es einfach gelernt im Moment glücklich zu sein, selbst wenn der Ausblick negativ ist. Ich muss sagen, dass ich diese Blickweise sehr mag. Egal, was morgen kommt: Ich lebe jetzt und das genieße ich.

In diesem Sinne: Habt ein wundervolles Wochenende.
Ben

Greif zu

Ihr kennt das, diese Rüffel von anderen Menschen. Da gibt es den Typus, der weh tut, ganz egal, ob er stimmt oder nicht. Es ist etwas, das einen trifft, aber dem man nicht nachgehen möchte, weil man mit der Art nicht umgehen kann. Ich zumindest kenne das. Ich kenne aber auch dieses Aufrütteln, das aus einer tiefen Liebe entspringt. Keine sexuelle Liebe, sondern eine menschliche. Ich bekam solch einen Aufrüttler heute verpasst und stand für einen Moment mit Tränen in den Augen mitten in einer Disko. Es lag nicht am Alkohol, was den betrifft, so habe ich mich ausgesprochen gut unter Kontrolle. Es waren Komplimente gepaart mit dem Hinweis „endlich zuzupacken“.

Ich habe mich zu gern auf Komplimenten ausgeruht. Doch gleichzeitig begann ich in den letzten Jahren davonzulaufen. Ich rannte vor meinem Leben davon. Ich rannte vor Freunden davon. Ich rannte vor der Liebe davon. Ich rannte vor der Familie davon.

Ich tat Menschen weh, weil ich nach einer Lösung suchte. Nein das stimmt nicht, es waren keine Lösungen, sondern Auswege. Oder noch ehrlicher: Es waren Fluchtwege. Wir alle wissen, dass man bei einer Flucht schlussendlich vor sich selbst davonläuft, aber was macht man mit jenen, die man auf dieser Flucht betrog oder belog? Was machte ich mit jenen? Ich traf eine Frau, die sich in mich verliebte, doch statt ihr offen und ehrlich zu begegnen, verhielt ich mich falsch. Ich ließ sie an mich heran und genoss es. Dann stieß ich sie weg. Wenn ich so zurückblicke, war es nicht nur eine.

Menschen sorgten sich um mich, doch ich meldete mich nicht oder reagierte nicht auf sie. Brachte es mich näher zu dem Menschen, der ich sein könnte oder der ich sein möchte? Eine Antwort braucht es gar nicht, weil sie jeder kennt. Weil ich die Antwort kenne.

Das Leben meint es ausgesprochen gut mit mir. Das weiß ich. Ein schlechter Mensch bin ich nicht, dessen bin ich mir sicher. Aber ein guter Mensch bin ich auch nicht. Nicht nach meiner eigenen Definition. Ich kenne gute Menschen. Und ich kenne Menschen, die ihren Weg gingen. Vielleicht taten sie dabei auch geliebten Menschen weh, aber sie fanden zu sich und verleugneten sich nicht.

In drei Stunden werde ich aufstehen, mich zurechtmachen und auf die Arbeit gehen. Es ist ein Job, der in Ordnung ist. Es ist ein Team, welches ich mir kaum besser wünschen könnte. Dennoch ist dieser Job nicht das, was ich möchte.
Es ist nicht der Job, hinter dem ich stehe. Es ist eine Arbeit, das ist alles.

Dieser Text soll mir selbst ein Tritt in den Allerwertesten sein, jetzt etwas zu verändern. Vielleicht nicht mein gesamtes Leben. Aber indirekt den Umgang mit all den lieben Menschen, die ich in meinem Leben wissen darf. Denn ich bin unheimlich dankbar dafür, dass sie da sind, selbst wenn ich nicht da bin. Das muss sich ändern. Das muss ich ändern.

Türkei

Momentan vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über die Türkei oder Erdogan berichtet wird. Das Internet trägt seinen Teil bei und so finden sich bei Facebook schnell Kommentare, in denen sich die Leute wieder und wieder auf die Mütze geben möchten. Eine Diskussion mit Fakten, bei denen es wirklich um Erkenntnisse geht, erwartet wohl auch mittlerweile niemand mehr.

Wenn in den letzten Tagen also die Türkei in einem Gespräch auftauchte, dann war es immer im aktuellen, politischen Kontext. Mir schoss heute aber wieder durch den Kopf, was ich für ein Glück in meinem Leben habe, dass meine Mutter mich vor gut 1,5 Jahrzehnten auf eine Reise mitnahm. Ich muss gestehen, dass ich mich nicht daran erinnere, wo genau wir waren. Ganz genau genommen, waren wir auf einem Schiff unterwegs und bewegten uns entlang der Küste. Es war ein eher kleineres Motor- und Segelboot, welches wohl 20 Reisende und 5 bis 10 Seeleute beherbergte.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich mir bei fiesem Wellengang die Kirschen aus dem Leib spie, die mir zuvor so köstlich mundeten. Auch erinnere ich mich an so viele gastfreundliche Leute oder den muskulösen Kapitän, der mir wohl bis heute noch als Vorbild dient, wenn es um einen attraktiven Körper geht. Er brachte mir Backgammon bei und auch wenn ich damals noch nicht so ganz verstand, was Erwachsene so machen: Irgendwas lief da auch zwischen meiner Mutter und ihm. Wer kann es ihr verdenken. Aber vielleicht war das auch nur kindlich-jugendliche Einbildung, die bis heute als Erinnerung erhalten blieb.

Ich erinnere mich daran, wie ich mit zwei Mädchen aus Österreich vorn in dem Netz lag, mit dem wir direkt über dem Wasser „schwebten“ und plötzlich ein Tütchen Schnupftabak ins Wasser fiel. Damals dachte ich, dass das irgendwelche illegalen Drogen wären und das Wort „Schnupftabak“ machte es nicht besser.

Ich erinnere mich an ein Land und an seine Leute, welche es alle nur gut mit mir meinten. Die Sterne konnte ich so klar sehen in der Nacht, wie ich es hier in Deutschland niemals konnte.

Ich verstehe, dass die Menschen dieses Land beschützen wollen. Sie sehen die Kriege in den Nachbarländern und sie wissen von den Terroranschlägen. Ich verstehe daher durchaus einen gewissen Personenkult. Gerade wir Deutschen wissen das. Und wir wollen diese Gefahr aufzeigen. Wir wollen klarmachen, dass ein Anschlag von Kurden nicht von ungefähr kommt und wir wollen, dass eine Demokratie nicht in die Knie geht. Eben weil wir wissen, wo es hinführen kann.

Wie führen wir dieses Gespräch? Respektieren wir unsere Mitmenschen, deren Heimat die Türkei ist und versuchen wir sie zu verstehen? Versuchen wir ihnen zu erklären, warum wir dieses Gespräch mit ihnen führen wollen? Können wir ihnen erklären, dass das unserer historische Verantwortung ist, damit sich unser Fehler nicht immer und immer wieder wiederholen wird?

In meiner Erinnerung bleibt ein wunderschönes und friedliches Land mit Menschen, die mich mit einem Lachen begrüßten und sich nicht von mir abgrenzten, sondern auf mich zukamen, ohne mich einnehmen zu wollen. So will auch ich ihnen begegnen.

Während ich…

Während ich mit meinem Rad die Straßen entlang radle und die untergehende Sonne in meinem Rücken weiß, höre ich aus den Häuser ekstatisches Stöhnen aus Männerkehlen. Sie alle genießen den Abend mit Freunden und schauen Fußball. Ich freue mich für sie und frage mich, warum ich sonst nie solch eine Ekstase vernehme. Mein Rad quietsch im Takt vor sich hin, während ich grinsen muss, weil mir das letzte Mal einfällt, das in meinen eigenen vier Wänden solch Geräusche hervorbrachte.

Genießt den Abend!

Es ist Zeit…

Es ist Zeit zu gehen, der Welt zu entflieh’n
Zu wenden, nicht zurückzublicken, zu geh‘n
Entgegen dem Vogelstrom zu zieh’n
Das Segel zu setzen, gegen den Wind zu dreh’n

Das Meer ist schallend leise, leblos stürmisch
Zwischen den Wellen ist einsam, ist frei von allem
All der Schmerz steht für sich, erdrückt mich
Ein Wimpernschlag lässt Zeit und Namen verhallen

Hab immer jenen verlacht, der die Hölle im Nachleben erdachte
Doch nie bemerkt, wie ich mein Leben dort verbrachte.

P.S.
bevor sich einige Leser Sorgen machen: Mir geht es ausgezeichnet, ich habe keine Todessehnsucht. Seht diesen Text bitte als lyrische Umsetzung meines vorherigen Blogeintrags und genießt den Sonntagabend, ich werde es tun.
Liebe Grüße,
Ben

Ruhe oder Rausch?

Viele Ideen für Texte kamen mir früher, wenn ich betrunken vom Feiern kam. Mir half dieser Zustand vermutlich offen über Dinge zu schreiben, über die ich nüchtern gar nicht erst nachdenken wollte. Eine Weile glaubte ich, dass es mir immer wieder eine Hilfe sein würde, gerade weil der trinkende Autor keine so seltene Person in der Realität ist. Es scheint hilfreich zu sein, aber es ist nicht nötig oder gar ein Zaubermittel, welches wundervolle Texte entlockt.

Ein weitaus effektiveres Mittel ist für mich das Fasten geworden. Eines vorweg: Ich faste nicht im herkömmlichen Sinne, wenngleich ich das bereits für die Zukunft geplant habe. Mein Fasten besteht darin, mich nicht so stark vom Alltag zu ernähren und mich mehr zurückzuziehen. Es kam zu dieser Erkenntnis vor einigen Jahren, als ich ins Krankenhaus musste. Die ersten paar Tage starre ich nur an die weiße Decke. Mein Zimmernachbar fragte mich, ob ich nicht lieber fernsehen wollte, dabei sei ich viel ferner oder viel weiter in jenen Tagen, als ich es in den früheren Jahren vor der Glotze tat. Innerhalb weniger Tage konnte ich eine Beziehung lösen, die ich in den vielen Wochen davor als etwas ansah, dass ich erhalten und niemals verlieren dürfte, dabei tat ich mir damit nur weh.

Ich begann in dieser Zeit der inneren Ruhe meinen ersten langen Text zu schreiben fing an zu mir selbst zu finden. Mir wurde klar, was ich wollte. So etwas wie Selbstverwirklichung ist doch erst dann möglich, wenn man weiß, was man wirklich will. Mir scheint es manchmal so, als würden die Menschen Selbstverwirklichung damit gleichsetzen, dass man finanziell unabhängig ist und hin und wieder großartige Reisen übernimmt, die man mit jedem „Freund“ auf Facebook teilen muss, damit man sich an den Likes berauschen kann. Nutzen wir das Reisen wirklich, um unseren Horizont zu erweitern und um ein Leben kennenzulernen, das unserem fremd ist?

Als ich meinen letzten Urlaub plante, gab es die Möglichkeit auf eine recht einsame Insel zu reisen und eine Hütte ohne Strom und warmes Wasser zu beziehen. Ich habe mir geschworen, dass ich das noch machen werde. Wenn ich Bekannten davon erzählte, kam sehr oft die gleiche Reaktion: „Was? Das könnte ich nicht.“ Es gibt eine Angst vor der Einsamkeit und dem In-sich-kehren, welche ich nicht verstehen kann. Was ist so schlimm daran, bei sich selbst zu sein? Ist es wahnsinnig, sich den eigenen Gedanken zu stellen? Ist es gar verrückt, sich selbst zu akzeptieren, weil man zuvor womöglich lang mit sich ins Gericht gehen musste?

Ich erinnere mich gern zurück an meine Zeit damals im Krankenhaus. Wie ich von einem unzufriedenen Menschen, der Ziele verfolgte, die nicht seine waren, zu einer Person wurde, die für eine Weile Ruhe und Zufriedenheit fand. Interessant dabei ist, dass ich mich selbst wieder ablenken ließ. Dass ich mir selbst wieder einreden ließ, ein Leben sei nur dann etwas wert, wenn ich beruflich erfolgreich sei und eine Frau an meiner Seite hätte. Erfolgreich kann ich nur sein, wenn ich meinen wirklichen Wünschen mit Vehemenz nachgehe. Um diese zu finden oder zu verwirklichen, brauche ich keinen Rausch.