Gallallee

Auf der Gallallee unterwegs zu sein, das war nicht gerade mein innigster Wunsch, eigentlich war es etwas, dass ich höchst ungern erlebe, aber es war passiert. Ich hatte in den letzten Stunden die verschiedensten Sorten Alkohol konsumiert – Nein, ich hatte sie mir hinter geschüttet, als gäbe es kein Morgen mehr und nun würgte ich mir förmlich die Galle heraus. Tränen waren mir in die Augen getreten und man könnte vermuten, ich würde mein Verhalten verfluchen, doch dem war nicht so. Ich durchdachte und verfluchte stattdessen manche längst vergangene Feigheit meiner selbst und spürte den Mut, damit zu brechen: Die Furcht hinter mir zu lassen, oder vor mir in der Keramikschüssel, deren Sitz sich angenehm warm und gleichzeitig kühlend an meinen Händen und meine Stirn anschmiegte, je nachdem, was ich gerade auf ihm ablegte. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es der Alkohol ist, der den Mut hervorruft oder ob es nicht viel eher das fehlende Schamgefühl ist. Sehr viel tiefer ging es nicht mehr, ich war bereits in Bußstellung auf den Knien. Vielleicht ist das der beste und schlechteste Moment zugleich, um einen Anruf zu tätigen oder zumindest einen Brief zu schreiben, der längst überfällig ist.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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