Seifenblasen von anonymer Autorin

Ich laufe die triste Straße vor meinem Haus entlang, sehe nichts als den Asphalt vor meinen Augen. Mag nicht links, nicht rechts schauen um meine Umgebung wahrzunehmen. Es ist Abend und die Sonne will gerade hinter dem Häuserblock verschwinden. Leer und antriebslos schlurfe ich also dahin, meinem Ziel, meiner Wohnung, entgegen. In der ich mich einschließen und ebenso wenig von meiner Umwelt mitbekommen werde. Eine hübsche, junge Frau in luftiger Kleidung kreuzt mein eingeschränktes Blickfeld, neugierig geworden hebe ich meinen Kopf ein wenig. Sie läuft über die Straße und stellt sich in den einzigen spaltbreiten Bereich, den die Sonne gerade noch so zwischen den Häuserwänden mit ihren zarten Strahlen erreicht. Für einen kurzen Augenblick steht sie einfach so da, schließt die Augen und genießt die letzten warmen Strahlen des Tages. Das satte Grün der dichten Büsche und Bäume in ihrem Rücken. Dann hebt sie ihren Arm und dreht ein schmales Fläschchen auf, um im nächsten Moment viele kleine Seifenblasen in den Himmel steigen zu lassen. Ich bin fasziniert und lächle ihr zu. Sie lächelt zurück. Ich biege kurz entschlossen nach rechts ab und gehe zu ihr.

„Hey, ich möchte deinen Moment, den du vielleicht nur für dich genießen willst, nicht zerstören aber darf ich auch mal? Ich hätte einen solch schönen Augenblick gerade dringend nötig.“ Sie lächelt mich an, reicht mir die Flasche und ich schaue meinen Seifenblasen hinterher. Bewundere den Anblick der Abendsonne, wie sie sich in ihnen bricht und mir ein wunderbares Farbenspektrum zeigt.

….

In meinen Gedanken habe ich diesen Moment erlebt, nachdem ich sie kurz anlächelte. Stattdessen ging ich wortlos an ihr vorüber nachdem meine Mundwinkel ihre ursprüngliche Position wieder fanden und senkte den Kopf erneut gen Boden. Meine Beine wollten einfach nicht die Richtung wechseln und ich sah dem Moment dabei zu wie er verflog. Es wäre zu seltsam gewesen, umzukehren, jetzt da ich bereits 10 Schritte weiter geeilt war. So ging ich also meines Weges und verkroch mich in mein Zimmer. Meine Gedanken kreisten nun wieder um meine persönliche Seifenblase, die gerade im Begriff war zu zerplatzen.

Anmerkung:
Dies ist ein Gasteintrag einer Bekannten und der erste Text, den sie schrieb. Mir gefiel er so gut, dass ich sie bat, ihn zu veröffentlichen, aber das wollte sie nicht und nun mache ich es in ihrem Namen und mit ihrer Erlaubnis.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

4 Kommentare zu „Seifenblasen von anonymer Autorin“

  1. Sie hat diesen Blick und dieses Gefühl für Bilder und Worte. Hoffentlich schreibt sie wieder und wieder und guckt und schaut und staunt und seifenbläst wieder und wieder.

  2. Hoffentlich seifenbläst sie, ja. Aber auch in real. Auf dass wir alle uns trauen zur frohen Seifenbläserin zu gehen, sie anzusprechen und uns mit ihr zu freuen!

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