Kontaktlos

Mir lief das Wasser im Mund zusammen, als ich auf das käseüberbackene Brötchen sah, welches die junge Frau hinter der Theke auf meinen Wunsch hin in die Tüte packte. Ein Brot und jenes Brötchen für den Start in den Tag. Ich folgte der Frau zur Kasse und hörte zugleich, wie ein anderer Kunde zur Kollegin der jungen Frau „Kontaktlos“ sagte. Er sagte es einfach so und ich fragte mich, ob die Dame die Brötchen nicht anfassen sollte. Sie schien sich die gleiche Frage zu stellen, denn sie sah ihn entgeistert an. Dann zeigte der Mann auf seine Uhr und wiederholte: „Kontaktlos.“ Er ergänzte: „Das hat letzte Woche auch schon geklappt.“ Ich ließ mir Zeit beim Bezahlen und zählte mein Wechselgeld so ab, dass ich genau 15 Euro zurückbekommen würde. Der technikaffine Kunde neben mir pochte darauf, dass es klappen müsste, indem er wiederholte: „Letzte Woche hat es aber geklappt.“ Die Verkäuferin jedoch bat ihn um Verständnis, sie wüsste nicht, wie das gehen würde, obgleich sie ordentlich auf der Kasse rumhämmerte. Ich bekam mein Rückgeld und verschwand aus dieser morgendlichen Szene beim Bäcker. Als ich Richtung Arbeit radelte, fragte ich mich, ob wir alle die Fähigkeit zu reden verlieren werden, wenn wir diese Uhren und die nächsten Gimmicks tragen, denn das wird wohl kommen.

Einmal Wort- und Kontaktlos bitte.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

19 Kommentare zu „Kontaktlos“

  1. kürzlich auf unserer Reise in einer Bäckerei in Deutschland…ich wollte der Verkäuferin eben mit einem Lächeln das Geld für das Brötchen reichen. Bitte werfen Sie es dort in den Geldkasten, er gibt auch Rückgeld.
    Kontaktlos…irgendwann wird auch ein Brotkasten mir das Brötchen auswerfen. Lächeln brauchen wir dann nicht mehr, ein freundliches Guten Morgen wird kein Echo mehr haben.
    Wohin haben wir uns bloss entwickelt??

    1. Ich muss ja gestehen, dass mich technische Entwicklungen immer fasziniert haben, aber das wir mit diesen Dingen nur in der Form umgehen können, dass wir dadurch zu immer weniger imstande sind, weil diese Erfindungen uns die simpelsten Handlungen abnehmen, das sollte eigentlich nicht das Ergebnis sein. Nein, dann brauche ich das Zeug auch nicht.

  2. Naja, ich finde das jetzt nicht so schlimm, muss man kein Kleingeld mit sich rumschleppen. Blöd halt, wenn es dann nicht funktioniert und dann stehen sie da – ohne Geld und Brötchen 🙂

    1. Ich bin durchaus ein Freund von Erfindungen und finde die meistens recht spannend. Ich war nur in dem Moment so perplex, weil die Sprache einfach nicht vorhanden war. Und ich zahle gern mit Bargeld, das ist einfach so bei mir. 🙂

    1. Ja, Lebensqualität. Das ist tatsächlich so eine Frage. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen viel Freizeit haben wollen, um diese dann doch nur vor Netflix oder Youtube zu verbringen. Ich will das gar nicht verteufeln, weil Freizeit eben Freizeit ist, aber ich bekomme das Gefühl, dass wir uns immer weiter vom Wesen des Menschen entfernen bei all dem Luxus und all dem Fortschritt.

  3. Ein Komiker stellte eine Szene beim Bäcker nach. Er beugte sich über die Vitrine und zeigte: „Ich will das da.“ Verkäuferin: „Das da?“ „Nein, das da. Zwischen dem da und über dem da.“ „Das da?“…
    Soviel zum Thema Kommunikation. Da nützt es auch nicht. 35 Sorten Brot mit verschiedenen Namen zu haben.
    Bei uns steht nun am Eingang zum Supermarkt ein Fleischautomat. Soll wohl grillen zu jeder Tages- und Nachtzeit ermöglichen. Finde ich überflüssig (vermutlich bis ich einmal froh darum bin?!?).

    1. Da ich kein Fleisch esse, bringt mir der Automat nichts. Aber es stimmt schon, es gibt Situationen, da ist man einfach froh über so manch merkwürdigen Gegenstand. Von mir aus dürfen die Leute auch gern mit ihrer Uhr bezahlen, aber hoffentlich mit ein paar mehr Worten, als in jener Situation aus dem Text 😉

  4. Also ich musste noch nie Kleingeld rumschleppen. Zur Not tut’s auch ein kleiner Schein.
    Aber Scherz beiseite: wenn man sieht was man im Portmonee hat, gibt man lt. wissenschaftlichen Untersuchungen weniger leicht(fertig) Geld aus, als hier mal mit Karte und dort mal mit Karte bezahlt. Unterm Strich steht plötzlich eine großer Betrag. Wie war das nochmal mit dem Verschulden hauptsächlich jüngerer Menschen? Die Zahl ist wieder gestiegen.
    Wenn ich dran denke, welches Prozedere in Gang gesetzt wird, nur um Kleinstbeträge bequemst bargeldlos bezahlt zu haben, kann ich nur den Kopf schütteln. So kann es nicht mehr lange dauern, bis dafür zusätzlich nochmal Gebühren erhoben werden, zu denen, die heute schon drinstecken und wir längstens mit bezahlen.
    Nichts ist umsonst… Bei Banken erst recht nicht. 🙂

    1. Ich konnte Geld schon immer gut ausgeben und daher bin ich immer ganz froh, dass das Geld in meinem Portmonee mir eine physische Grenze aufzeigt. Allerdings hatte ich mir auch mal überlegt, dass ein rein virtuelles Geld womöglich auch der Anfang vom Ende des Geldes sein könnte, weil es dann wirklich gar keinen Gegenwert mehr gibt (also bisher die Münzen bzw. die Scheine). Ich hätte nichts gegen eine Welt, in der man erst einmal versorgt wird und dann später schaut man, wie das mit dem Luxus aussieht. 🙂

      1. Da kommt jetzt natürlich ne gehörige Portion Idealismus: Ich bin der Überzeugung, dass wir technisch in der Lage sind, jeden Menschen mit Essen, Strom, mit einem Dach über dem Kopf und auch mit Kleidung zu versorgen. Wir haben ein Wirtschaftssystem, was uns hierhin gebracht hat, was aber nicht ausschließt, eben dies zu tun. Unser System verlangt nach Gewinnern und Verlierern. Ich habe nie verstanden, warum die Menschheit eher nach Reichtum, denn nach Erkenntnis strebt. Die Vorstellung in meinem Kopf ist vermutlich gefüttert von den Ideen aus Star Trek. Dort gab es für jeden Menschen eine Grundversorgung, weil sie technisch vorhanden war. Wir haben zwar nicht jene Technik aus jenem Science Fiktion Universum, aber die erscheint mir auch nicht nötig.

        Der Luxus ist dann eine Komponente, die sich eben erarbeitet werden müsste. Wir kommen dann eben doch wieder zu einer Art Währung, die dazu da wäre, dass man sein Arbeitskontingent in einem Wellness-Urlaub umgewandeln kann. Oder in eine Reise. Jedes Mal, wenn man eine Ressource anzapft, die nicht der Grundversorgung dient, wäre ein Teil des Arbeitskontingents nötig. Eigentlich wäre Geld das perfekte Mittel, dieses System zu einzuführen, allerdings nutzen wir das System nur dazu aus, es einseitig anzuhäufen. Womöglich braucht Geld eine Art Entwertung, so wie sie in der Natur ganz typisch ist. Ich kann mir keinen endlosen Vorrat an Brot anhäufen, denn dieser verliert kontinuierlich an Wert. Ist ja eigentlich auch ganz gut so, denn so kann man für später etwas sparen (mache ich ständig). Es stellt sich nur die Frage, warum es keine Grenze gibt, wie sie die Natur hat.

        Ich denke, es ist grundsätzlich die Frage, was Grundversorgung und was Luxus ist. Eine Reise kann eine nötige Grundversorgung sein. Hier ist es spannend, wie man das genau gestalten könnte und ganz prinzipiell scheint mir meine Vorstellung aktuell nur schwer umsetzbar, weil wir alle einen sehr starken Drang verspüren, einen gewissen Reichtum anzuhäufen, dieser scheint wichtiger als der Erkenntnisgewinn. Mir ist klar, dass man die Menschheit nicht einfach abändern kann und ich bin darüber nicht unglücklich. Es macht aber solch eine Vision schwerer greifbar.

      2. Deine Vorstellung klingt gut, aber es kann nicht funktionieren. Der Grund dafür ist der: Mensch.
        Schau, du schreibst, wir wären technisch in der Lage jeden (in Deutschland? Europa? weltweit?) mit Essen, Strom, mit einem Dach über dem Kopf und auch mit Kleidung zu versorgen.
        Ich fürchte, es kann niemals funktionieren, denn was für den einen ein gutes Essen ist, ist für einen anderen Fraß. Und das Dach über dem Kopf: Was genau meinst du? Jeder hat „eigene“ vier Wände in einer Hütte, Zelt, Wohnung, einem Haus oder doch nur ein Bett in einer Massenunterkunft? Denkst du die Menschen würden sich mit letzterem zufrieden geben?
        Und auch die Kleidung: Was für den einen notwendige oder ausreichende schützende Bekleidung ist, einem anderen würde nie in den Sinn kommen, etwas anderes als Designerjeans zu tragen.
        Diese Liste könnte man mit allem fortsetzen.
        Ich denke, selbst wenn jeder eine gleiche Grundausstattung mit Lebensnotwendigem bekäme, wäre das nicht ausreichend um alle Menschen gleichermaßen zufriedenzustellen.
        Denn genau die Einschätzung und Zuteilung müsste festgelegt werden.
        Wer würde dies dann tun?
        Menschen, die ausnahmslos nur das Gemeinwohl im Sinne haben?
        Gibt es Menschen, die immer objektiv handeln würden?
        Kann das überhaupt jemand?
        Wer würde entscheiden, wer dann zu entscheiden hat?
        Lieber Ben, wir reden hier von Menschen… 🙂

        Ein wenig erinnert mich das an die Eloi – leider sind da aber auch die Morlocks. 🙂

        Deinem letzten Absatz stimme ich jedenfalls voll zu. Solange der Mensch nach Gütern bzw. Geld strebt und nicht nach Erkenntnis, werden wir vorerst weiter sinnlos(e) Dinge horten.

        Blöd, dass die meisten Menschen glauben, wenn man viel hat, hat man viel Macht.

      3. Ich bin da durchaus bei dir, diese Unterschiede in der Wahrnehmung sind vorhanden, aber das wäre dann eben auch wieder so ein Punkt des Themas Luxus: Man kann sich durchaus andere Klamotten gönnen, aber das wäre eben eine Frage des Luxus‘. Es ist ja gar nicht so fernab dessen, was wir heute schon haben. Auch heute kann ich mir als Person, die Sozialhilfe bezieht, nicht alles leisten und bin dennoch (zumindest theoretisch) versorgt. Wenn man mehr haben möchte, bräuchte man dann eben diesen Luxus, den man sich erarbeiten müsste (soll jetzt keine Diskussion über die aktuelle Situation werden).

        Ich möchte den Menschen nicht vorschreiben, was sie zu tragen, zu essen oder wo und wie sie zu wohnen haben, das sollten sie schon entscheiden dürfen. Es darf natürlich zu Recht gefragt werden, was mit jenen ist, die sich den Luxus nicht erarbeiten können. Die sollten sich aufgrund der Kleidung usw. nicht wie Menschen zweiter Klasse fühlen (was wir ja heute auch schon haben).

        Objektivität gibt es nicht, wenn ein Mensch eine Entscheidung treffen muss, das Einsehen hatte ich in meiner Ausbildung als Lehrer schon. Es war klar, dass es immer Schüler geben würde, die aufgrund eines Merkmals eine andere Behandlung erfahren würde, als andere Schüler, ganz egal, wie sehr man sich dazu zwingt, dies nicht zu tun.

        Ach, ich wünschte mir einfach, dass wir Menschen zu mehr fähig wären, als unser Geld oder neuerdings unsere Klicks auf einem Internet-Portal zu zählen.

        Die Eloi waren mir übrigens nie sympathisch, weil sie einfach zu gleichgültig waren. Aber vermutlich bräuchte man diese Gleichgültigkeit, um gerecht verteilen zu können. Aber was bringt einem jene Gleichgültigkeit, wenn man dafür seine Humanität aufgeben müsste.

        Vielleicht bleibt dir und mir nichts anderes übrig, als selbst weiterhin nach Wissen zu streben und damit andere Menschen anzustecken. Es gibt da ja schon so einige gute Vorbilder, ich versuche mich einzureihen. 🙂

        Ich wünsche dir einen schönen Sonntagnachmittag!

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