Ruhe

Es schien, als sei die Ruhe so perfekt wie nur irgend möglich. Sie hatte sich zum Erscheinen den beginnenden Sonnenuntergang ausgesucht. Die Sonne wärmte noch und stand zugleich so tief, dass die Farben der Umgebung ausblichen. Die junge Frau ließ ein Hundewelpen mit braunem Fell auf dem frischen Gras umhertapsen. Sie schien einen Wettkampf mit der Sonne eingegangen zu sein, wer wärmer strahlen könnte. Eine Ecke weiter saß ein Junge auf einer hüfthohen Mauer und starrte auf sein Mobiltelefon. Er schien nicht bewusst auf das Display zu schauen, sondern eher, als erwarte er eine Nachricht. Ich kannte dieses Warten. Wir alle kannten es. Es tat weh, ihn da so sitzen zu sehen, so trostlos. Ich hätte ihn gern zu der jungen Frau und ihrem Welpen geschickt, dort hätte er sein Herz aufwärmen können, welches gerade verzagte. Die perfekte Ruhe war Segen und Fluch zugleich, es war nur einen Häuserblock voneinander entfernt.

Ich spüre die Last unerledigter Aufgaben. Ich würde so gern endlos in der Wärme dieser untergehenden Sonne verweilen und mich frei fühlen, doch diese Aufgaben warten und ich möchte flüchten. Nicht vor der Erledigung an sich, welche mir nicht schwerfällt. Es ist das Wissen, dass nach jeder erledigten Aufgabe eine neue wartet. So ist unser Sein, die endgültige Ruhe ist tatsächlich die letzte. Bis dahin träume ich im Müßiggang vom Müßiggang.

2 Kommentare zu „Ruhe

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