Triebwerk

Wie haben wir das eigentlich zustande gebracht, dieses Drehen. Wie schafft es ein Motor mehrere tausende Umdrehungen in der Minute zu vollführen, das ist für mich nicht im Ansatz vorstellbar. Es tönt laut und schrill und das Flugzeug steht still, während die Triebwerke hochfahren. Dann lösen sich die Bremsen und wir Menschen fliegen.

Ich sehe mich als Läufer. Ich bin kein guter Schwimmer. Sitzen nervt mich auch irgendwann. Liegen ist mir genehm. Aber ich kann nicht fliegen. Ich saß nur wenige Male im Flugzeug und fand es immer sehr spannend. Ich hatte nie Angst, nur einmal hatte ich eine Art Schüttelfrost, aber das lag wohl einfach an der Kälte des Klimas und am Platzmangel, der behagt mir nicht.

Es zeigt sich, dass es gar keinen Grund für diese ganzen Flugreisen gibt. Unsere Technik lässt uns jederzeit überall sein, wenn auch nur virtuell. Natürlich ist es eine ganz eigene Sache, einen Ort in echt zu entdecken. Mir scheint nur, dass wir oftmals uns selbst suchen und vor Ort auch nur das wahrnehmen, was wie bereits kennen. Und doch muss dieser Urlaub einmal im Jahr sein. Er scheint gesellschaftlich ebenso fest verankert wie das Haus, das Auto undsoweiterundsofort. Ich finde es schön, wenn mir meine beste Freundin von ihrer Reise nach Nordkorea oder in den Iran erzählt, denn sie gibt mir neue Einsichten, die mir verborgen blieben ohne ihr Wissen. Es gibt diese Reisen, die einem vom Leben erzählen und es gibt Reisen, die nur in der Sonne am Strand stattfinden. Ich liebe das Sonnenbaden und diese Auszeit von ein bis zwei Wochen ist für die meisten Menschen eine tiefe Freude. Nur stellt sich mir die Frage, wovon man im Leben immer wieder diese Auszeit benötigt? Ist der Job und das Leben so schlimm, dass man diese Auszeit braucht? Warum ändert man dann nicht Job und Leben? Weil dann das Geld für den Urlaub fehlt? Es gibt die Gleichung auch für die Gesundheitsversorgung. Da geht man nur arbeiten, damit man sich den Besuch beim Arzt leisten kann, den man aber häufig braucht, weil einen der Job krank macht.

Und so dröhnt das Triebwerk des Flugzeugs und bringt uns kein Stück weiter. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, vor uns selbst davonzulaufen.

12 Kommentare zu „Triebwerk

      1. Weiss gar nich in welchem konkret, ist ja auch eins meiner Hauptthemen. Vielleicht gehör ich aber auch zu den wenigen Glücklichen, für die ihre „Arbeit“ nie „Arbeit“ ist, sondern das, was sie lieben zu tun, und das geht eben nicht nur von 9 to 5, sondern rund um die Uhr – da brauch ich keinen 10000 Kilometer weit entfernten Strand, um mich davon zu „erholen“.. 🤷‍♀️

      2. Ja, das machst du schon ganz richtig so. Mir ist bewusst, dass nicht jeder Mensch das machen kann, was er bzw. sie möchte, aber ich frage mich häufig, ob es nicht viel mehr Menschen selbst in der Hand hätten, sich wohler mit ihrer Arbeit zu fühlen. Schön, dass es bei dir so ist.

  1. Ich sehe das auch so. Reisen öffnet die Sinne und schenkt Erfahrungen. Das ist für mich vor allem der Sinn davon. Aber das muss nicht ans andere Ende der Welt sein.
    Perspektiven wechseln können wir überall.
    (Dein Text gefällt mir übrigens auch in seinem Aufbaurichtig gut.)

    1. Oh, sehr vielen Dank. Gerade die Sache mit dem Aufbau…ich habe das Gefühl, dass mir dieser tägliche Eintrag gerade wieder so einen richtigen Schub gibt, was das Schreiben betrifft. Habe gerade erst einen Artikel fertiggeschrieben, der mir sehr wichtig war und den ich deswegen wohl einfach nicht gut genug hinbekam (so sah es in meinem Kopf aus), der dann aber nach zwei Rückmeldungen ein sehr positives Feedback erhielt. Hach…es wird 🙂 Vielen Dank und ich wünsche dir eine gute Nacht.

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