Fernbedienung

Ein Knopfdruck und schon ging der Fernseher in der anderen Ecke des Zimmers an. Verrückt, dass die Menschen früher zum Anstellen und zum Wechseln der wenigen Sender jedes Mal aufstehen mussten. Absolut verrückt. Ich verstand erst später, dass die eigentliche Fernbedienung der Fernseher war, der mich aus der Ferne bediente. Er bediente mich mit Bildern und er bediente mich mit Gedanken. Und wie es so ist, wenn man bedient wird, da passiert nur noch sehr wenig im Kopf, denn man wird träge. Und so starrte ich ins Bunte und starrte ins Leere.

Aus der Ferne bedient werden, das ist auch eine Flucht. Eine Flucht vor den eigenen Gedanken, die einem unbequeme Wahrheiten lauthals ins Ohr flüstern. Aus der Ferne bedient werden, das ist eine virtuelle Berührung, die so wenig menschlich ist und doch so reizvoll. Aus der Ferne bedient werden, das ist das Verlangen nach den schönen Augenblicken, die ausblenden, dass das Leben nie perfekt ist.

Bedienungsfern. Das ist das neue Maß der Dinge. Selbst den Hintern hochbekommen und selbst machen, aber nicht bedienen. Es tut gut, selbst zu erschaffen, was man sonst nur sah. Die Welt selbst erleben, statt nur durchs Glasauge.

Und nun raus in die Sonne mit euch!

5 Kommentare zu „Fernbedienung

  1. Hier regnets 😉

    (Fern(es) sehen ist aber manchmal auch eine lässliche Art Pause vorm Nah(es) sehen. Wenn man wie ich eher zu viel allzu Nahes sieht und denkt und sicb darin dreht. Flucht natürlich auch ja, aber auch Pause.)

    Die Herausforderung ist herausfinden, was. Und ob ich jetzt tue, was ich brauche.

    Du siehst: Dein Text inspiriert. Danke!

    1. Ich finde das Fernsehen bei weitem nicht so schlimm, wie es der Text hergibt. Allein wenn ich daran denke, wie viel meiner Lebenseinstellung ich aus einer Serie wie „Star Trek – The next Generation“ gezogen habe, die mich inspirierte, dass Menschen nach mehr als nur nach Macht und Geld streben könnten oder dass Menschlichkeit ein solch hohes Gut ist und dass in einer technisch entwickelten Gesellschaft niemand Hunger leiden müsste, wenn es nicht gewollt wäre…ich könnte da ewig drüber reden, aber ich wandere heute ein wenig in die Ferne.

      Der Fernseher ist eine gute Erfindung. Er brachte die Mondlandungen in viele Wohnzimmer. Er brachte Nachrichten zu uns und Gedanken aus entfernten Ecken der Welt. Und er ist auch mal eine Pause. All das und vielleicht sollte ich noch eine Art Liebesgedicht an den Fernseher verfassen 😉 nur als Ausgleich.

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