Im Zoo

Eingesperrt war ich. Seit meiner Geburt hatten sie mich in diese Betonwelt gesperrt und täglich rückte eine endlose Vielzahl an Gesichtern an meinem Käfig vorbei. Sie sprachen anmutig von mir als König der Tiere. Das stimmte nicht. Ich wusste es auch. Ich herrschte nicht und ich würde es auch niemals. Ich hätte es natürlich lernen können. Hätte mir mit Gewalt nehmen können, was mir durch meine Gewalt zusteht. Stattdessen schlage ich die Zeit tot, bevor sie mich totschlägt. Ich warte auf das Essen und bewege die ewigmüden Knochen von einer Seite zur anderen. Hin und zurück. Hin und zurück. Da gleichen wir uns wohl: Ich und die da draußen. Die machen auch nur hin und zurück. Sind sicher hinter ihrer Glasscheibe und haben verlernt, was sie von Natur aus können. Doch ist es nicht gut so, dass wir in Sicherheit hinter unseren Scheiben sind und wir statt unserer Natur die Vernunft regieren lassen oder vergessen wir uns dabei und verlieren dabei den Sinn des Lebens?

6 Kommentare zu „Im Zoo

  1. Sehr spannende Gedanken: wer ist eigentlich gefangen?

    (Erinnert mich an einen Tierpark in Mittelschweden, wo die Besucher:innen quasi „eingesperrt“ durch den Waldpark spazieren konnten.)

    1. Ich denke gerade durch Corona fühlen sich viele Menschen gefangen. Also als gefangen durch das System bzw. den Staat. Allerdings halten wir uns ja selbst gefangen und damit wir nicht allein leiden, machen wir das auch mit Tieren. Allerdings bleibe ich bei der Frage in Bezug auf uns Menschen, inwieweit diese „Gefangenschaft“ schlimm ist. Wenn wir uns in ein vollkommen sicheres System einsperren und die wilde Natur ablegen, ist das schlimm oder kann es uns zu mehr Friedfertigkeit führen?

      1. Da sprichst du etwas an, worüber ich oft nachdenke. Gerade unsere Entfremdung (nicht meine, aber die gesellschaftliche) von der Natur, also der wilden Natur und der inneren ja auch irgendwie macht es uns schwer, wirklich Frieden zu finden. Denke ich jedenfalls.

        Je näher ich in und mit der Natur bin, desto friedlicher werde ich. Natürlich kann ich das nicht verallgemeinern, aber es ist doch irgendwie fast immer so, dass wir Menschen uns, wenn wir uns in der großen Natur befinden, eine Art „Demut“ empfinden ob der Größe und Unberechenbarkeit der Natur, die eben auch alles in uns ein wenig zurechtrücken und relativieren kann.

        Wir sind letztlich alle Gefangene, zumindest dieser Erde, der Naturgesetze und der Gesellschaft, in der wir leben …
        oder so.

      2. Ich denke auch, dass wir den Frieden kaum noch in unseren eigenen vier Wänden finden, weil ständig irgendwas läuft und blinkt und macht.

        Meine Frage zielt auf die gewalttätige Seite des Menschen ab, bei der ich mich frage, was sie begünstigt bzw wie man sie abschwächen kann. Es gibt ja Tierpopulationen auf gesperrten Inseln, die frei von Angst und ohne Gewalt leben, weil es keine Jäger gibt. Ich frage mich, was es mit uns Menschen machen würde, wenn wir diese künstlichen Jäger ablegen würden. Denn wir haben ja für alle genug, so dass es Kriege und Krisen gar nicht bräuchte.

  2. Ja die Vernunft ist es dann am Ende aber leider auch nicht. Sehr schade, dass wir die Natur so vernachlässigen, ja ignorieren, verbieten, verbiegen wollen. Wir sind Gefangene und werden nie gottesgleich. Wir sind Teil der Natur und sollten das ganz offen und ehrlich akzeptieren und wieder feiern wissen. Erst dann kehrt Friede zurück. Zu diesem gehört dann allerdings auch Hunger, Kälte, ja Krieg und Kriesen. Daher versuchen die Menschen bis zur Apokalypse die Natur irgendwie zu umgehen…
    Mei ä, wir drehen uns im Kreis.
    Im Käfig.

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