„Gendern“ und die Macht der Sprache

In meinem WordPress-Reader finden sich allerhand Blogs von Menschen, die ich in einer gewissen Weise kenne. Wir sind uns selten auch mal persönlich bekannt (also sind uns mal begegnet=, aber dennoch sind diese Blogger zu einem gewissen Teil in meinem Leben präsent. Ich stolperte im Reader immer mal wieder über Einträge bezüglich des „Gendern“, welches mit Unverständnis über die künstliche Abänderung der deutschen Sprache einherging. Ich habe mich dann gern an Diskussionen beteiligt und versucht zu erfahren, warum gerade diese Sprachänderung problematisch erscheint bzw. habe versucht auch meine Gedanken dazu einzubringen. All dieses Diskussionen waren von beidseitigem Respekt geprägt und das zeigt mir, dass wir natürlich anders empfinden können, wir aber den Diskurs nicht scheuen müssen.

Ich stieß heute auf ein englisches Video über die Information, dass es in der Antike (die ägyptische ausgenommen) keine Bezeichnung für die Farbe Blau gab und dass man diese Farbe auch nicht als eigene Farbe erkannt hat, sondern eher als helles Schwarz usw. Das soll bedeuten, dass ich etwas, das ich benennen kann auch wahrnehme. Und hier schließe ich den Kreis zum „Gendern“. Nehmen wir das Wort Chef, hier haben (natürlich auch aus der Erfahrung heraus) die meisten Menschen einen Mann im Kopf. Und sprechen womöglich einer Frau die Fähigkeit zur Führung ab. „Führende“ umgeht dieses Dilemma.

Wenn euch das Thema interessiert oder ihr anderer Meinung seid, würde ich euch bitten, zuerst das Video anzuschauen, weil es besser erklärt, was ich meine (es geht dabei lediglich um Farben und um die Macht eines fest definierten Begriffs): VIDEO

Ich freue mich über einen Austausch, der für mich davon lebt, dass wir einander auch widersprechen können, wenn wir dadurch Erkenntnisse gewinnen.

16 Kommentare zu „„Gendern“ und die Macht der Sprache

  1. Hmm… ich finde die Diskussionen im Bezug auf Gender manchmal etwas übertrieben. Manche Wörter sind aus der Historie heraus eben männlich. Da muss man meiner Meinung nach nicht an der Sprache rumdoktern sondern an ganz anderen Dingen um Frauen eine Stimme zu geben.

    1. Guten Morgen, es gibt natürlich eine historische Entwicklung einer Sprache und die stelle ich auch nicht infrage. Spannend finde ich viel eher, inwieweit unsere Realität durch unsere Sprache geprägt ist und wird, deswegen nochmal eine warme Empfehlung an das Video. Ich bin allerdings zu hundert Prozent bei dir, dass es noch an ganz anderen Dingen Arbeit braucht, damit Frauen mehr Gehör finden.

  2. Ein paar Worte dazu, wenn auch nicht meine gänzlich eigenen:
    „Wir betrachten das Wort gewöhnlich als Schatten der Wirklichkeit und als deren Abglanz. Richtiger wäre die gegenteilige Behauptung: die Wirklichkeit ist Schatten des Wortes.“ (Bruno Schulz, Das Mythisieren der Wirklichkeit)

    „Am Anfang war das Wort.“

    In anderen Sprachen (bspw. Wolof in Senegal) gibt’s gar kein Genus, wie schön ist das denn. Ob ein Wort mit Der, Die oder Das beginnt, beeinflusst sehr wohl das Bild im Kopf.

    Und: In einer Sprache gibt es für das Wörter, was es auch in der Gesellschaft, Kultur gibt. Wenn für eine Sache bisher kein Wort existierte, weil diese nicht vorhanden war oder vorstellbar, diese Sache dann aber plötzlich da ist und wir sie benennen müssen, importieren wir entweder das dementsprechende Wort aus einer anderen Sprache oder wir müssen uns selbst eins erfinden. Nur weil etwas die letzten Jahrhunderte so war, wie’s war, heißt das ja nicht, dass es sich nicht ändern kann (zum Glück)…

    1. Es ist schon spannend, dass Worte die Realität in dieser Stärke bestimmen können. Für mich als Germanist und als Autor ist das natürlich ein großartiges Gefühl, wobei das jetzt hoffentlich nicht machtgeil klingt ^^ es ist spannend. Und eine Sprache ohne Genus ist gar nicht so einfach vorstellbar für mich, weil ich seit Geburt gelernt habe, dass selbst Dinge ein Geschlecht besitzen (was viel verrückter ist). Das bringt dann natürlich sofort die Frage auf den Tisch, wie die Menschen dann mit dem Geschlecht umgehen, wenn es sprachlich nicht realisiert wurde.

  3. Toll! Ich find’s super, dass du dich dem Thema widmest. Deinen Beitrag hab ich mir extra vor ein paar Wochen abgespeichert, damit ich später, zu einem ruhigeren Zeitpunkt, mal kommentieren könnte. Und das will ich jetzt tun. Ich finde das Beispiel mit der Farbe Blau wirklich sehr gut, denn genau das ist meiner Ansicht nach einer der Hauptgründe dafür, der für das Gendern spricht: Das Sichtbar machen.
    Ich möchte auf keinen Fall verallgemeinern, aber meiner Erfahrung nach sind es meist Männer, die gegen das Gendern sind. Vielleicht nicht komplett dagegen, aber auch nicht unbedingt dafür. Und das hängt genau damit zusammen, dass sie ja nie ausgeschlossen werden. Männer werden bei Personenbezeichnungen immer angesprochen, sie werden immer gemeint. Und, um es noch einmal zu betonen: Ich habe nichts gegen Männer. 😀
    Wir müssen uns nur eben in die Lage anderer versetzen.

    1. Vielen Dank. Die Thematik beschäftigt mich schon einige Jahre. Ich habe da gute Einflüsse durch meine Mutter (die sehr erfolgreich im Beruf zugleich zwei Söhne aufgezogen hat, die es ihr nicht immer leicht gemacht haben) und gute Freundinnen, die mir immer wieder meine blinden Flecke gezeigt haben.
      Wenn ich zurückblicke, hatte ich es immer sehr leicht etwas zu erreichen. Das liegt natürlich auch daran, wie ich mit Menschen umgehe, aber es liegt auch an gewissen Äußerlichkeiten, für die ich nichts kann (ich beschrieb es mal als sechser im Lotto). Wenn man so sehr im Leben beschenkt wird, dann geht für mich damit eine innere Verpflichtung einher, aufmerksam zu sein und da zu unterstützen, wo es nicht so ist.
      Ich wünsche mir, dass wir Menschen nicht aufgrund unserer Sprache oder Vorurteile eine Fähigkeit absprechen und das geht nur, wenn wir uns in die Lage anderer hineinversetzen.

      Wie ist deine Erfahrung im Alltag, „genderst“ du konsequent oder entscheidest du je nach Situation?

      1. Dasselbe wünsche ich mir auch! Die Frage, wie ich aktuell gender… hach, das ist interessant. 😀 Ich hab letztens bemerkt, dass ich mich da (noch) sehr von meinem Gegenüber leiten lassen. Wenn ich weiß, dass jemand ähnlich denkt und auch gendert, gender ich auch (mit „Sternchen“/Sprechpause). Bei anderen, meist älteren Leuten, benutze ich die Doppelform (weiblich und männlich). Ich bin gespannt, wie sich unsere Gesellschaft entwickeln wird, ob das Gendersternchen weiter Einzug findet, gerade beim Sprechen!

      2. So handhabe ich es auch, ich passe mich der/dem Gegenüber an und weiß, dass mein Vater sich da eh nur aufregen würde, also lass ich es bei ihm ^^

  4. Gendern wird für mich ab dem Punkt schwierig, ab dem ein Text schier unlesbar wird. Kann auch bei Vorträgen richtig anstrengend werden. Vor allem, wenn das vortragende Individuum die genderkonformen Änderungen wild durcheinander bringt. Eine klare Linie wäre wünschenswert – aber da kommt nur Murks, wie die Rechtschreibreform zeigte…

  5. ich bin der meinung, sprache macht bilder und wenn wir uns einen ‚chef‘ immer als mann vorstellen, wird es immer mädchen geben, die sagen, sie können kein chef werden… oft macht das gendern das lesen von texten (und auch das schreiben!!) schwierig allerdings gibt es ja sehr häufig neutrale begriffe, an die man sich gewöhnen kann. 😊

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