Eingeengt

„Was müsst ihr euch alle diese übergroßen Autos leisten?“ schrie die ältere Frau auf dem Fahrrad dem Auto hinterher, das sie an der engsten Stelle der Straße überholen musste. Es hätte die fünfzehn Meter nicht hinter der Radfahrerin herfahren können, nach denen es zweispurig wurde. Hier gab es keinen Radweg, nur einen Weg für Fußgänger und eine Verkehrsinsel, damit diese die Straßen überqueren konnten. Warum man das überdimensionierte Auto genau an der Stelle an einem Fahrrad vorbeibugsieren musste, lässt sich nicht erschließen. Ich war heilfroh, dass die Dame noch schreien konnte.

Enge verfolgt mich. So gibt es diese Straße abseits des Konsumzentrums der Stadt. Zwei Reihen von vierstöckigen Häusern mauern die Straße ein, die wirkt, als wäre sie kaum breiter als zwei Meter. Hier unten wirkt es, als wöllten die Häuser einen erschlagen. Womöglich war es Absicht, so wie bei Kirchen, die einen Ehrfurcht lehrten durch ihre Gigantomanie. Mir kam eine junge Mutter entgegen, die mehr zu sich selbst als zu ihren zwei Söhnen sagte: „Jetzt haben wir ganz sicher schon einen Strafzettel bekommen.“ Der ältere der Brüder antwortete mit einem langgezogenen Nein, während die Mutter sie Richtung Parkplatz zerrte. Ich schmunzelte, weil ich den Gedanken kannte: Die Beschäftigung mit dem, was passiert sein könnte, umtreibt mich und wiegt um Welten schwerer als der Ärger, den ich verspüren würde, wenn ich bestraft würde.

Das Rasen der Gedanken engt mein Blickfeld ein. Ich sehe nur noch das Problem und vergesse den schönen Tag und die Wunder der Welt zu beobachten. Ich raube mir selbst die Weitsicht und forciere den Fokus auf einen winzigen Punkt. Ein Punkt so klein, dass ich ihn mit einer Stecknadel kaum treffen könnte. Hier scheint eine Fähigkeit für den falschen Zweck auf Hochtouren zu laufen.