Drehverschluss

Ich kniete vor der Flasche Rotwein. Sie hatte einen Verschluss aus Kork und alles was ich zum Öffnen fand, war der silberner Abklatsch eines Schweizer Taschenmessers. Es war das Werbegeschenk der Firma, in der meine Mutter arbeitete. Ich nickte dem silbernen Griff zu: „Glück auf!“

Der Korken ließ sich wunderbar leicht herausziehen, da musste ich schon ganz anders kämpfen, nachdem ich früher von all den Drehverschlüssen verweichlicht worden war. Okay, der Drehverschluss war nur die Spitze des Eisbergs eines Menschen, der in einer Gesellschaft lebt, die keinen Finger mehr rühren möchte, aber sich über Schmerzen des Körpers beschwert, der keinen Muskel mehr trainieren muss, außer jenen im Daumen.

„Deutschland schafft sich ab“, meinte Sarrazin, aber in Wahrheit schafft sich eine bequem gewordene Gesellschaft ab, die sich auf einen Porno einen abwichst und denkt, damit Sport betrieben zu haben. Machen wir uns nichts vor: Wir vergessen unsere Körper natürlich zu bewegen. Wir laufen zumeist in bequemen Schuhen und tragen Klamotten, die unseren Wärmehaushalt regulieren. Und würden wir dies nicht tun, so hielten wir uns noch immer in geheizten oder gekühlten Räumen auf.

Unser Menschsein hat sich gewandelt von einem Wesen, das sich viel bewegt und sich den äußeren Einflüssen aussetzt zu einem Wesen, das allein vor seinem Bildschirm sitzt oder liegt und darauf starrt. Wir schaffen uns nicht durch die Menschen ab, die zu uns kommen. Wir schaffen uns dadurch ab, dass wir nicht mehr leben. Wir könnten jeden Tag mit Menschen verbringen, die uns mögen und die wir mögen-. Stattdessen suchen wir auf einem Bildschirm in unserer Hand nach einem Gesicht, das uns gefällt und erregt – mit dem wir vögeln wollen.

Den Wein habe ich geöffnet bekommen und in ein passendes Glas gegossen. Sein Wert sollte nicht nach seinem Verschluss bestimmt werden, aber dieser war seinen Korken wert.

Alkohol

Das hier ist ein Lobgesang auf etwas, das ich nicht lobpreisen möchte und was deswegen schon viel zu lang in meinem Leben präsent ist, ohne ehrlich erwähnt zu werden. Alkohol ist nichts, was gefeiert werden müsste, denn zu viele Menschen leiden unter dir. Aber darum geht es nicht. Es geht darum was du mit den Köpfen jener machst, die dich hin und wieder genießen, während jene Köpfe sonst der Vernunft angehören.

Vorhin ging ich an Kotze vorbei. Sie roch nicht mehr und sie war wohl längst fest. Ich erblickte sie und versuchte für einen Moment etwas in ihr zu erkennen. Ein Muster oder gar ein Bild. Es war mein betrunkener Rorschachtest und ich muss gestehen, dass ich zu betrunken war, um etwas zu erkennen. Aber ich war fasziniert. Und ich möchte ehrlich sein: Wäre ich nüchtern an diesem Auswurf vorbeigegangen, so wäre ich erst verwundert gewesen, weil ich nicht gewusst hätte, was da vor mir liegt. Ich hätte einen Moment lang gegrübelt, dann wäre mir ein Licht aufgegangen, und dann hätte ich mit dem Ekel des zivilisierten Menschen gezeigt, dass ich über jenem stehe, der zuvor nicht mehr fähig war, seine Grenzen zu kennen und mitten auf dem Gehweg sein ehemals Gegessenes ausstülpte.

Und hier ist eben der Punkt. Alkohol ist nicht gut oder schlecht. Wäre ich rechts, so könnte ich Parolen gegen Ausländer und Linke grölen und wäre ich links, so könnte ich Parolen gegen das System und Rechte grölen. Aber stattdessen dachte ich über ein festgefrorenes Stück Erbrochenes nach. Oder vielmehr darüber, was wir Menschen bei Verstand für eine irrsinnig hohe Vielzahl an Gedanken nutzen, die der betrunkene Geist auf einen einzigen beschränkt. Dieser Geist wurde leider schon beeinflusst und deswegen grölt er gegen dies oder gegen das. Und vielleicht ist dies die Erkenntnis, nämlich dass der offene Geist für etwas grölen würde ohne dabei etwas ausschließen zu wollen. Aber wie sollten wir das jemals herausfinden, denn einen offenen und unbeeinflussten Geist gibt es nicht. Unsere Geiste prosten einem Staat zu oder einer Revolution.

Vielleicht sollten wir uns mehr mit dem Stück Kotze beschäftigen. Ganz ohne Ekel und ohne Sitte. Nur das Bild, das es uns malt und vielleicht würden wir damit tausendmal mehr zu uns selbst finden, als wir es mit Meditation oder Selbsterkenntnisbüchern oder Lehren jemals schaffen würden. Es bräuchte dafür keinen Alkohol, denn die Begrenzung setzen wir uns selbst. Auf euer aller Wohl und auf all unsere Gedanken, die leider gar nicht so frei sind, wie wir es glauben.

Unterbewusstsein

Ich blickte den Wolkenkratzer hinab auf die Straße, auf der sich kleine Punkte bewegten. Gelbe und rote Lichter wanderten und die Anwesenheit meines Lehrers drückte mich an den vor mir liegenden Abgrund. Kein Geländer, das meinen Sturz hätte aufhalten können. Nur die kalte Luft und dieser Mann, der mich immer weiter an die Kante schob.

Als ich erwachte, hing mein Kopf bereits über der Bettkante und ein Teil meines Oberkörpers war ihm gefolgt. Ich drehte mich um und zwei schöne Augen blickten mich in der Dunkelheit an. „Ich brauche etwas mehr Platz, sonst falle ich gleich aus dem Bett“, flüsterte ich diesen zwei Augen zu. Noch bevor ich meinen Satz beendet hatte, schob sie ihren warmen Körper von mir weg und ich hatte genügend Platz für den weiteren Schlaf gefunden. „Entschuldige“, flüsterte sie zurück und ich erwiderte: „Alles gut.“ Sie hatte sich nicht absichtlich so viel Platz genommen, das war mir klar. Früher hatte mich das geärgert, wenn ich so an den Rand gedrängt wurde. Irgendwann ging mir auf, dass ich nie gedrängt wurde, sondern sich einfach so ergab in einem kleinen Bett, in dem zwei Menschen schlafen.

Diesen zwei Augen konnte ich nicht böse sein, und ich wollte es auch nicht. Meinen Schlaf hätte es nicht besser gemacht. Stattdessen schlang ich meinen Arm um ihren Körper und kuschelte mich an sie. Ihre Locken rauben mir dann immer wortwörtlich den Atem, weshalb sie sie neuerdings hochbindet oder seitlich an ihrem Hals entlangführt. Ein kleines Kunstwerk ist das, was sie da allabendlich kreiert, damit wir eng aneinander einschlafen können. Sie scheint sofort in den Schlaf zu fallen, wenn ich mich an ihren Rücken schmiege, gern folge ich ihr auf diese Weise oder ich drehe mich um und wärme ihren Po und meinen aneinander.

Ich weiß noch nicht, weshalb sie in meinem Traum als Lehrer erschien, vielleicht ging es auch nicht um sie, sondern um das Leben als Lehrmeister, das dich manchmal an den Abgrund treibt. Wer weiß schon so genau, was einem das Unterbewusstsein mitteilen möchte.

Eifersucht und Kumpanei

Ich wurde tatsächlich schon mehrfach gefragt, ob es okay sei, dass man mit einer Verflossenen von mir zusammen komme. Und jedes Mal fühlte ich mich geehrt, dass man mich fragte. Ich muss aber gestehen, dass ich mich auch schämte dafür, denn es kam mir vor, als würde ich der Entscheider sein, also eine Rolle, die mir überhaupt nicht zusteht. Eine Rolle, die niemandem zusteht. Ja, ich habe habe viele Menschen kennengelernt und an manche verlor ich mein Herz oder sie brachen es mir. Aber damit ist die Geschichte dann auch schon vorbei. Bei jenen, bei denen ich gern Nein gesagt hätte, wurde ich nie gefragt und auch wenn es weh tat: Es war richtig so.

Es ist gut gemeint und leider nicht gut; Nicht einmal im Ansatz, denn meine Meinung spielt keine Rolle. Meine mögliche Eifersucht ist mein Problem. Ich lernte eben einen eifersüchtigen Freund kennen. Es ist interessant, denn auch das habe ich schon oft erlebt: Ich unterhalte mich mit einem Menschen und weil dieser Mensch weiblich ist und ich männlich, und weil dieser Mensch einen Freund hat und ich keinen Menschen neben mir zu stehen habe, muss ich verdrängt werden. Was ist das für eine Angst? Wie gering ist das Vertrauen in die Gefühle jener Person, um die es doch eigentlich gehen sollte?

Egal ob ich gefragt oder verjagt werde, jedes Mal wurde nicht die Person bedacht, die wirklich wichtig ist. Ich werde keinem Freund meine Freundschaft kündigen, weil er sich in eine Frau verliebt hat, die nicht mehr mit mir zusammen ist. Ich werde keine Frau anmachen, nur weil ich mit ihr rede. Mir scheint es oft, als würden wir Männer nur nach einem Trieb betrachtet und beurteilt. So als würde all unser Handeln nur davon bestimmt, wonach unser Penis sich richtet. So als würden wir diesem Körperteil unterstellt und ausgeliefert sein. Es sind die Freunde, die vorsichtig nachfragen. Es sind die Partner, die verjagen.  Es sind die Väter, die den Freunden ihrer Tochter unterstellen, dass sie nur das eine wollen.

Es zeigt, dass wir Männer uns nicht zutrauen, mehr als nur unser Glied zu sein. Das stimmt mich traurig. Denn wenn es so sein sollte, dann wüsste ich wirklich nicht, warum es uns geben sollte.

Die Blasen meines Lebens – auf Literallypeace.com

Hier kommt mein erster Text auf Literally Peace.

Es gibt im Leben immer wieder Momente oder Phasen, in denen sich der Blick auf das bisher erlebte verändert und von jenen veränderten Blicken handelt der folgende Text:

Klick hier

Lehrmeisterin – auf literallypeace.com

Guten Abend,

ich hatte es neulich schon angekündigt und hier ist der aktuelle Beitrag von mir auf Literally Peace

Text – Lehrmeisterin

Es geht dabei um Nacktheit, Rotwein und eine Nachbarin. Und wenn ich euch damit nicht locken kann, dann sollte ich wohl zugeben, dass es ein sehr berührender und nachdenklicher Text ist und keinerlei Erotik enthält.

Vielen Dank,

Ben

Nur Mut

Ich denke oft darüber nach, wie sehr die Angst vor etwas der alleinige Grund ist, weshalb eine Sache nicht klappt. Angst und Abneigung haben aus evolutionärer Sicht ihre Berechtigung, denn sie schützen uns vor zu hohem Risiko. Ich fuhr gestern mit meinem Rennrad über lockeren Kies und das Angstgefühl vor jener Stelle hat mich sehr langsam und vorsichtig fahren lassen. Vorweg kann ich schon sagen, dass nichts passiert ist, aber mein Gefühl und auch meine Erfahrung haben mir gezeigt, dass es sicherer gewesen wäre, einfach drüber zu fahren, anstatt nur auf den einen Kiesel zu warten, der das Rad aufspringen lässt, mich ins Schwanken bringt und mich dann in die Tiefe reißen würde. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie ich mich entwickeln werde:

1. Ich überwinde die Angst und werde entspannter und somit auch schneller und unachtsamer über den Kies fahren. Womöglich wird mich das irgendwann mal vom Rad holen, aber ich werde aufstehen und weiter machen.

2. Ich gebe dem Angstgefühl nach und werde weiterhin vorsichtig sein. Womöglich versteife ich mich dann in einem kritischen Moment und lege mich ebenfalls hin, allerdings bei geringem Tempo.

Option 2 klingt eigentlich gesünder, doch genau hier möchte ich ansetzen. Denn wird meine Angst nicht immer weiter zunehmen? Werde ich nicht jedes Mal absteigen, wenn mir Kies in die Quere kommt? Die Angst zu überwinden und sich einer Gefahr auszusetzen, trägt den Gewinn mit sich, dass man sich um mögliche Probleme erst dann Gedanken macht, wenn sie tatsächlich auftreten. Zu einem gewissen Maß ist es nicht unwichtig, sich Gefahrenquellen von vornherein bewusst zu werden und diese nach Möglichkeit gering zu halten, doch alle Eventualitäten lassen sich nicht ausschließen und die wichtigste Frage bleibt am Ende, wie spannend so ein Leben wohl sein mag, das frei von Gefahren ist und somit auch frei von jeder Überraschung. Frei von jeder Veränderung. Ich habe in meinem Leben oft Angst gehabt und ich habe ihr oft nachgegeben. Womöglich ist meine Nase deswegen noch heil, ich habe mir nur einmal einen Knochen gebrochen und ich habe noch alle Zähne im Mund. Nur welchen Spaß habe ich deswegen teilweise verpasst?

Es ist Sonntag und bald schon 20:00 Uhr. Seid spontan und macht noch was schönes mit dem Abend! Lasst den Fernseher aus und schaltet den Laptop oder PC ab. Schaut mal, was euch der Abend noch so bringt, wenn ihr ungeplant noch schnell in die Stadt geht und morgen unausgeschlafen auf Arbeit erscheint! Das Leben wird es euch nicht übel nehmen.