Denkfehler

Der größte Denkfehler von uns ist doch der, dass wir der Meinung sind, es besser zu wissen und besser zu machen, als die große Masse. Vielleicht hilft es ja, wenn wir begreifen, dass wir in diesem Fehlurteil vereint sind.

Die Fähigkeit einen Konsens zu finden zeichnet uns Menschen aus, dafür bedarf es keiner besonderen Begabung, einzig eine fundierte Meinung und die Fähigkeit einander zuzuhören, braucht es dafür. Wenn man jedoch davon überzeugt ist, dass man selbst vollkommen im Recht ist und die oder der Gegenüber somit im Unrecht, dann ist das keine Basis, um gemeinsam ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen.

Vertrauen scheint mir dabei die Grundlage zu sein. Vertrauen in eine ebenso weitsichtige Bereitschaft zum Zuhören und zum Revidieren der eigenen Gedanken beim Gegenüber. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass ich einem Menschen begegnet bin, der nicht über solche Eigenschaften verfügt hätte. Die Bereitschaft war dann eher fragwürdig, aber ich gelange auch meist erst nach einer gewissen Zeit zu Erkenntnissen. Während ich manche Kritik frühzeitig abzublocken scheine, arbeitet diese weiterhin in mir weiter und wird durch meinen Kopf wie durch Kuhmägen geknetet und widergekäut, bis ich selbst zu einer neuen Ansicht gelange oder die Kritik als ungerechtfertigt abtue.

Entdecke ich einen Denkfehler bei einer anderen Person und kann diesen Fehler auch nach längerem Überdenken nicht anders bewerten, so versuche ich die Person da abzuholen, wo sie steht und sie nicht direkt mit dem Fehler zu konfrontieren. Ich merke auch, dass man solch einen Denkfehler gern überspitzt und jene Überspitzung dem Menschen vorwirft. Wie könnte dieser Mensch anders als mit Ablehnung darauf reagieren?

Ein Mensch handelt ständig und wird sich dabei immer anders verhalten, als es ein anderer Mensch für richtig hält. Das ist nicht schlimm, sondern ein Teil unseres Individualismus. Ich bin der Meinung, dass das eigene Handeln immer dem Wohl der Umwelt dienen sollte, wobei Umwelt alle Lebewesen einschließt. Ich weiß nicht, wie viele Menschen mir in diesen Gedanken zustimmen, aber ich glaube doch, dass die meisten Menschen ebenso denken. Nun stellt sich mir nur die Frage, warum es dann so viele unsinnige Diskussionen gibt, in denen zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinandertreffen. Ist das unsere Inkonsequenz zwischen Ideal und Realität?

Weg

Gewisse Dinge sind unsinnig und zeigen den Fehler unserer Zeit. Der Kauf dieses Autos zum Beispiel. Das Wort Auto sei mal noch dahingestellt, aber es hatte eine gültige Plakette auf dem Nummernschild, das zählte und dass es tatsächlich noch fahren konnte. Es hatte mich sogar einige hundert Kilometer problemlos mitgenommen. Gut, wenn der Motor kalt war, dann stotterte er beim Gasgeben, aber das gab sich ja. Viel ärgerlicher war, dass der Fensterheber klemmte, vermutlich mit Absicht. Das Gefühl von Freiheit kam dennoch auf, als ich die Musik aufdrehte und meine Heimat hinter mir ließ. Nur für ein paar Tage und so ganz war mir nicht klar, wohin. Nur grob kannte ich mein Ziel. Brot, Öl und Käse waren eine günstige Stärkung. Die Rückbank sollte mein Bett sein, hatte ich mir gedacht, aber ein verlassener Strand und mein Schlafsack waren mir eine geliebte Alternative, zumindest nachdem ich eine windgeschützte Stelle gefunden hatte.

Das Leben braucht nicht viel. Geld ist absolut notwendig, da mache ich mir keine Illusionen, aber all die Dinge, die uns vom Denken, vom Fühlen, vom Spüren abhalten, von denen sollten wir uns immer wieder bewusst befreien. Das ist kein Geheimnis oder eine kaum bekannte Erkenntnis, die ich erzähle und die niemandem klar wäre, aber gerade deswegen ist es umso verwunderlicher, wie schwer wir uns damit tun, all den Blödsinn abzulegen. Man könnte ja etwas verpassen. Und dabei verpasst man das Leben.

50 Shades of Tiefkühlpizza

– Oder warum eine Peitsche die Menschen nicht glücklicher macht –

Nun hat sich der Hype ja hoffentlich so langsam gelegt und mit ihm auch die Kritik. Den Film habe ich nicht gesehen und auch die Bücher hielt ich nie in Händen. Ich hatte bereits meine Berührungsmomente mit BDSM. Man bekommt heute die heftigsten Pornos frei Haus geliefert und wenn ein Paar Probleme hat, dann liegt es meist am Sex, so scheint die Denke zu sein. Dass der Sex vielleicht einfach schlecht ist, weil die Beziehung im Arsch ist, auf den Gedanken kommt man dann zwar doch noch ganz gern, aber das Rezept scheint aktuell zu sein, dass man das Sexleben dann einfach ein wenig anheizt. Offenheit in der Beziehung wird verwechselt mit dem Ausprobieren einer sexuellen Spielart und so verändert sich rein gar nichts. Der aktuelle Hype um BDSM ist für mich vergleichbar mit der Entdeckung eines besonderen Gewürzes, das wir uns auf unsere Tiefkühlpizza schütten. Die Pizza scheint endlich wieder lecker zu sein und alles ist in Ordnung. Der fade Geschmack ist noch nicht in Sichtweite, aber er wird nicht lange auf sich warten lassen und dann kommen wir hoffentlich mal auf die Idee, dass wir wieder selbst kochen sollten. Am besten mit dem Partner. Und dabei offen miteinander umgehen. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit eigenen Wünschen und Gefühlen.
p.s.
Die Zweitüberschrift erklärt sich wohl selbst 😉

Lesungseindrücke

Ich wurde gebeten, etwas zur Lesung zu schreiben, die ich am Samstag gehalten habe und so möchte ich das hier tun. Es wurde zwar Fotos geschossen, allerdings komme ich nicht so schnell an die Quelle, weswegen ich nichts in der Form beifügen kann.

Es verlief ein wenig unorganisiert, was aber normal ist. Laut Plan wollten wir 18 Uhr beginnen, jedoch fingen wir erst 18:15 damit an, den Raum herzurichten. Es gab zuvor Essen und da schmausten noch allerhand Leute, was dann später zu einer weiteren Verzögerung führte. Es gibt doch aber nichts schöneres, wenn man ganz ohne Hunger gemütlich beisammen sitzt und den Geschichten lauschen kann. Finde ich zumindest.

Wir waren zwei Leser und wussten von einer dritten Leserin, die sich als Joker entpuppte. Die erste Hälfte jedoch gestalteten mein Mitleser, ich nenne ich mal T., und ich gemeinsam und wechselten uns ab. Es war eine kurze, erste Hälfte, vielleicht 25 Minuten, die ich mit der ersten Hälfte des ersten Kapitels eines unveröffentlichten Romans (ich erwähne ihn hin und wieder mal und irgendwann gibt es ihn auch mal zu lesen. Versprochen) beendete. Die zweite Hälfte startete ich mit der Vorsetzung jener Geschichte und hörte kurz vor dem Ende der Erzählung, wie man flüsterte, dass es gruselig sei. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn ich wusste bereits, dass ein ganz fieser Cliffhanger folgen würde. Die Reaktion war entsprechend, denn es gab ein Stöhnen, dass ich gerade an der Stelle aufhörte. Ich übergab an unseren Joker und die las aus ihrem Buch vor, in dem sie berichtete, wie sie über Jahre ohne Geld lebte. Ich hatte anfangs Angst, dass es langweilig oder zu viel werden könnte, aber ganz im Gegenteil, das Publikum wollte noch mehr davon hören. T. und ich entschlossen uns, auf unsere weiteren Texte zu verzichten und so endete es mit den Erzählungen unserer Jokerin. Einfach grandios. Es war jeder eingeladen, etwas vorzulesen und ich hatte befürchtet, dass da womöglich auch großer Mist dabei sein könnte, stattdessen hatten wir da ein Highlight.

Wir wollten dann eigentlich eine Pause machen und womöglich noch Texte nachschieben, aber es folgte dann eher eine Partystimmung und so feierten wir, was eh der Plan gewesen war für den Anschluss. Es ging ein wenig drunter und drüber, was manch einen Menschen abschrecken könnte, aber mir gefiel es so. Es schafft mir die Möglichkeit, mich selbst nicht so perfekt anstellen zu müssen. So merkte ich erst nach dem zweiten Text, dass ich ständig direkt aufs Blatt schaute, welches auf dem Tisch lag. Keine schöne Pose, wenn die Leute einen anschauen und zudem verliert man einiges an Stimme dabei. Aber auch das war kein Problem und störte mich nicht. Perfektion erwartete niemand.

Eine Lüge und eine traurige Wahrheit

„Warum hab ich gerade Schluckauf?“, fragte die Fünfjährige ihre Mutter und während diese noch nach einer Antwort suchte, log ich dreist und behauptete, dass das passiert, weil ihr Vater gerade an sie denkt. Eine Lüge, die ich für legitim halte, erinnert sie das kleine Mädchen doch nur daran, dass er gerade womöglich auch zu Abend isst. Sie denkt an ihn und ich bin mir sogar sicher, dass er auch an sie denkt.

„Stimmt das wirklich, dass es schlechtes Wetter gibt, wenn man nicht aufisst?“ „Ja, aber deswegen helfe ich euch ja“, erklärte ich und ärgerte mich, dass ich schon ein zweites Mal an einem Abend flunkerte. Erst später überdachte ich jene Aussage und stellte fest, dass sie so falsch gar nicht ist, wenn man sie sinnbildlich betrachtet. Was wir so alles in Überfluss produzieren und wegwerfen, ohne es „aufgegessen“ oder „angerührt“ zu haben und befeuern damit die Unwetter und Naturkatastrophen.

Sei du selbst

Sei ganz du selbst, sagten sie. Diese Phrase, die nur allzu gern ausgepackt wird, als würden die Worte dadurch die Wahrheit sprechen oder als würden sie die benötigte Hilfe sein. Ich weiß gar nicht, wer dieses „ich selbst“ überhaupt sein soll, denn davon habe ich in den letzten Jahren so viele kennengelernt. Davon abgesehen bin ich ich selbst. Ständig, selbst wenn ich versuche, ein anderer zu sein, bin ich doch nur ich selbst.