Perfektion

Er bewunderte seine Mutter dafür, dass sie so spät nach Hause kam und dennoch jeden Tag alles putzte. Das Bad war danach immer so weiß und perfekt. Das war sein Anspruch. Als er auszog, versuchte auch er alles weiß und perfekt zu halten. Seine Wohnung war aufgeräumt, die Wände weiß und die wenigen Schränke ordentlich sortiert und mit einem Glasfenster verschlossen, denn so konnte nichts verstauben. Doch diese äußerliche Perfektion genügte ihm nicht. Er selbst musste makellos sein und so setzte er all sein Streben daran, heller und weißer zu strahlen und fehlerfrei zu werden.

Jeden Tag überprüfte er sich und seine Taten und jeden Tag merzte er Dinge aus, die nicht richtig waren. Als perfekter Mensch würde er wie jene Modelle auf den Magazinen sein und alle Welt würde ihn lieben. Und die Menschen lernten ihn kennen, und fanden ihn perfekt. Er besaß keine Kanten, an denen man sich stoßen konnte, war in allen Belangen ein guter und rechter Mensch. Doch keiner der Menschen war gern mit ihm zusammen, sie hatten Angst, dass man ihre Fehler neben ihm entdecken könnte. Die Einsamkeit traf sein Herz und er zog sich in seine perfekte Welt zurück.

Jahre später sagt das kleine Kind zu ihm, dass es in der Ecke staubig sei. Es ist ein Reflex, dass er zum Tuch greift, um den Staub wegzuwischen. Dann hält er inne. Nein, das hat er schon vor Jahren aufgegeben. Dann ist die Ecke eben staubig. So ist es eben, wenn hier jemand lebt. Er nimmt das große Tuch und lässt es über den Kopf des Kindes fallen. „Du darfst es gern wegwischen, wenn du magst.“, doch das Kind mag sich viel lieber unter dem Tuch verstecken.

Das Geschenk

Wie schön es ist, hier am Strand zu liegen und in die Sterne zu schauen. Wie klar sie sich erkennen lassen, denn kein Licht einer Stadt überstrahlt ihr zartes Licht. Das Rauschen des Meeres ist angenehm und so andersartig als jenes Rauschen, welches ich das letzte Mal vernahm, als ich den nächtlichen Verkehr auf den Straßen meiner Heimat vernahm. Schon merkwürdig, wofür wir all unsere Erfindungen und Fortschritte gemacht haben. Wir kamen aus der Natur, kämpften um unser Überleben und gegen Krankheiten. Unsere Neugier führte uns immer weiter voran in immer neue Zeitalter. Für die Probleme, die wir überwanden, fanden und erfanden wir neue. Und nun scheint es mir so, als wären wir endlich am Ziel angelangt. Wir können endlich die Natur genießen, denn wir haben den Luxus, ihren Widrigkeiten zu entkommen und uns ihnen entgegenstellen zu können. Ist das womöglich der wahre Höhepunkt unserer Entwicklung? Die Generationen nach uns werden ihre Erfindungen machen. Sie werden vermutlich die Erde verlassen und neue Welten erkunden. Sie werden Dinge erleben, die wir uns nicht ausmalen können. Womöglich werden sie sich den Fesseln der Technik entledigen können, die wir noch fester an uns ziehen müssen, bevor wir überhaupt begreifen, dass sie uns einschnüren, doch eben jenes Einschnüren wird ihr Aufsprengen umso leichter machen. Die Menschen werden es erkennen, so wie sie jetzt immer mehr erkennen, welch ein Geschenk unsere Erde ist und dass wir dieses Geschenk genießen sollten.

Die Frage nach dem Warum

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist wohl eine, die sich nie beantworten lässt, wenngleich ihre Beantwortung auf die Lebensrealität des Antwortenden schließen lässt. Fragst du einen Familienmenschen, wozu wir leben, so wird er antworten, dass wir auf der Erde sind, um unser Wissen weiter zu geben. Fragst du einen Reisenden, so wird er antworten, dass wir leben, um unser Wissen zu erweitern und uns näher zu kommen. Fragst du einen Liebenden, so wird er das fühlende Wesen in den Vordergrund stellen und womöglich die Fortpflanzung. Doch frage einen Menschen, der täglich um sein Leben kämpft. Er stellt sich die Frage gar nicht erst, denn er lebt um zu überleben.

Traktat zum Übermenschen

Einleitung und Erklärung

Da sind wir also, die neuen Menschen. 130 Jahre nach Nietzsches „Zarathustra“ und seinem Übermenschen und vermutlich 130 Jahre weiter entfernt, als zu seiner Zeit. Der Begriff „Übermensch“ mag für viele Leser eine negative Konnotation besitzen, klingt es doch nach Naziideologie, doch jene klauten und benutzten nur, was in ihr Denken passte. Dieser Eintrag soll frei von jener Ideologie sein, denn der Übermensch, den ich der Menschheit wünsche, ist einer, der frei von Vorurteilen ist und der seine Kraft daraus zieht, die Vorteile eines jeden zu erkennen und zum Wohle aller Menschen einzusetzen.

Entwicklung des Menschen

Der Mensch entwickelte sich evolutionär (wer hier mit dem Kopf schüttelt, weil die kreationistische Vorstellung eine andere ist, der darf sofort diesen Blog verlassen, denn ich bezweifle, dass wir jemals die gleiche Sprache sprechen werden). Zurück zum Thema: Der Mensch durchlebte eine Metamorphose von einem instinkt-gesteuerten Wesen zu einem selbstständig denkenden. Wenn wir uns die Zeugnisse der Höhlenmenschen anschauen, dann ist seit einigen tausenden Jahren dieser Prozess in Stillstand geraten. Bis heute sind wir Gemeinschaftswesen, die mit gebündelter Kraft ihr Leben bestreiten und sich künstlerisch ausleben. Unser Intellekt mag weiter ausgebildet sein und unser Körper sich etwas mehr darauf spezialisiert haben, ein Werkzeug unseres Geistes zu sein, aber ein evolutionärer Sprung, wie der vom Affen zum Menschen ist nicht zu erkennen.

Der Jetzt-Mensch

Der neue Mensch versteht sich darauf, die neueste Technik anwenden und entwickeln zu können. Statt der Merk- und Denkfähigkeit des Gehirns nutzen wir Computer in jeder erdenklichen Lebenssituation. Vom simplen Bedürfnis der Lust (Wir vergessen die Phantasie und nutzen vorgegebene und gestellte Bilder), bis hin zur der kognitiven Leistung wie dem Merken von Zahlen und Namen (Wir holen ein Handy hervor und tippen schnell ein, was zu vergessen droht). Statt ein Gedicht auswendig zu lernen, tauschen Schüler Bilder und Programme über handflächengroße Supercomputer aus. Die Kritik soll sich nicht gegen die neue Technik richten, sondern gegen die Unvernunft, sich unserer naturgegebenen Fähigkeiten kaum noch zu bedienen. Was wir evolutionär erreicht haben, scheint verloren zu gehen, bis wir nur noch sprechende Affen sind, die sich für demokratisch halten, weil sie sich alle vier Jahre in die Wahlkabine setzen oder die sich für gebildet halten, weil sie im Internet suchen können, woran sie sich selbst nicht mehr genau erinnern.

Der Nach-Mensch

Vielleicht gab es bereits Übermenschen auf unserer Erde. Vielleicht gab es unter den amerikanischen Ureinwohnern die Eigenschaft, ohne Worte miteinander zu kommunizieren und den Körper zu verlassen. Vielleicht verstand ein sogenanntes Urvolk die Natur auf eine „natürliche“ Weise und fühlte sich eins mit ihr. Wenn wir die Welt beschreiben, so tun wir es mit dem Code der Naturwissenschaft. Alles lässt sich logisch be- und ergründen, die Geheimnisse der Welt lassen sich erklären. Kein Gott hat alles erschaffen, sondern Zufälle und Zusammenspiele. Somit gibt es auch keinen Gott, der uns vorschreibt, wie wir zu leben haben. Menschen aller Hautfarben und jeder sexuellen Orientierung dürfen miteinander in Frieden leben und glücklich sein.

Das große ABER

Und dennoch bleibt das Gefühl, dass wir einmal falsch abgebogen sind oder im Kreis fahren, ja womöglich sogar in die falsche Richtung unterwegs sind. Bewegung ist unnötig geworden und Sport zu treiben scheint eine schlimmere Bestrafung für die Schüler, als einen Text abzuschreiben. Unsere Computer sind drahtlos miteinander vernetzt, warum sollten wir Menschen dazu nicht fähig sein? Vielleicht gibt es eine körperlose Existenzmöglichkeit und Meditation ist ein Weg dorthin. Doch was, wenn unser Wissen und Können über Meditation (und auskörperliche Erfahrungen) gerade einmal dem Mathematikverständnis eines 3-Jährigen gleichen?

Was muss sich ändern?

Ich bin kein gutes Vorbild, es anders zu machen. Begegne ich einem Menschen, der mich lehren will, meinen Geist frei zu machen, so habe ich Vorurteile und sehe ihn als Verrückten. Statt mir eine Telefonnummer oder einen Geburtstag zu merken, speichere ich sie im Handy. Statt meinen Körper gesund und fit zu halten, nehme ich nur zu gern mal den Bus oder das Taxi. Natürlich versuche ich offen für Menschen zu sein und selbstverständlich merke ich mir auch Passwörter oder wichtige Geburtstage und den Weg zur Uni oder in die Stadt lege ich mit dem Rad zurück und jogge zusätzlich, aber dennoch fühle ich mich getrennt von der Welt; fühle mich nicht eins mit ihr. Ich hoffe, dass wir in Zukunft Wege finden, den Menschen wieder evolutionär voran zu bringen, doch dafür müssen wir einsehen, dass wir unsere Welt nur als Scheibe sehen. Und so wie unsere Vorfahren verurteilen wir diejenigen, die sie uns als rund erklären wollen. Sie sind Ketzer, die wir wegsperren müssen, damit sie der Allgemeinheit nicht im Weg stehen und sie in ihrem Funktionieren behindern.

Nüchterne Betrachtung einer trunkenen Gesellschaft

Ein bisschen gepöbelt,
Ein bisschen vermöbelt,
Ein bisschen gevögelt,
Damit man sich ein wenig menschlicher fühlt,
Und ein Stückchen Zeit vertrödelt.

p.s. Dieses Gedicht ist mittlerweile zwei Jahre alt und noch immer frage ich mich, ob ich in der letzten Zeile wirklich das Wort „Stückchen“ nehme oder doch wie in den ersten dreien lieber „bisschen“…wie soll man da nur jemals mit seinen Texten zufrieden sein… Hach.