An die Polizisten- bzw. Ausländerhasser

Ich werde mir heute Abend den Blick in die Nachrichten sparen, denn ich brauche nicht von Angriffen zwischen Menschen zu lesen, die in einem friedlichen Land aufeinandertreffen. Ich brauche nicht zu lesen, dass Autos brannten und Scheiben eingeworfen wurden. Ich brauche nicht zu lesen, wer den ersten Stein warf.

Vielleicht wird es ja heute auch nicht dazu kommen. Vielleicht werden keine vermummten Menschen mit Steinen auf Leute in Uniform werfen und vielleicht werden keine Uniformierten mit Wasserwerfern und Tränengas gegen eine Masse ankämpfen.

Wir haben versagt unseren Kindern beizubringen, dass ein friedlicher und dauerhafter Protest sinnvoller ist, als ein gewaltbereiter. Wir haben versagt unseren Kindern zu erklären, dass sie nicht nur alle vier Jahre, sondern jeden Tag beim Einkaufen, beim Fernsehen oder im Internet wählen gehen. Wir haben versagt unseren Kindern beizubringen, dass der Kraftakt, den sie dort gebündelt aufbringen, sinnvoll eingesetzt werden könnte, denn es gibt genügend Projekte, die helfende Hände und Ausdauer erfordern.

Wir brauchen hier gar nicht über Geld zu reden, denn das ist da, wenn es für nötig empfunden wird und es ist nicht da, wenn es als unnötig empfunden wird. Aber genau so scheint es mir auch mit der Hilfsbereitschaft zu sein. Wir helfen, wenn es für uns passt und wir schauen weg, wenn die alte Frau es kaum noch über die Straße schafft.

Wer denkt, dass ein Polizist der Feind ist, der kann auch auf die andere Seite zu denen wechseln, die denken, dass ein Ausländer der Feind ist. Der Gedanke ist so kurz und so falsch, dass es mich traurig stimmt, wie wenig jene nachdenken, die in solchen Mustern leben.

Die Nacht der Arbeit im Bett

Nachdem ich heute Mittag noch im Bett lag und meinen Eintrag zum Tag der Arbeit verfasste, kommt nun ein zweiter Eintrag hinzu, weil ich nicht verstehe, was gerade so passiert.

Ich habe gerade Bilder von Polizisten in Paris gesehen, die mit Molotowcocktails angegriffen wurden. Sie schützten die Demonstration, die sich gegen LePen richtete. Ich weiß, dass es Polizisten gibt, die mit Gewalt gegen Demonstranten vorgehen, aber für solche Aktionen gibt es keine Rechtfertigungen. Ich möchte keine Tabus aufstellen und würde mich selbst im politischen Spektrum eher links einordnen, nur fehlt mir hierfür jedes Verständnis. Vielleicht kann es mir jemand erklären, aber ich will es gar nicht wissen. Wirklich nicht. Ich bin sauer, weil hier das Leben von Menschen dermaßen missachtet und leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird, die allein deswegen da sind, um Menschen einer Demonstration zu schützen.

Selbst wenn es irgendeinen Grund für solch ein krankes Verhalten geben könnte, es hilft nicht. Ich muss sogar sagen, dass ich in solchen Momente jene Menschen verstehe, die deswegen rechts wählen, weil man ihnen Schutz und Ordnung verspricht. Und nur mal zum Nachdenken für jene, die mir jetzt mit Polizeigewalt und Systemveränderung kommen möchten: Wer mit einem Brandgeschoss (oder auch einem anderen Gegenstand) einen anderen Menschen angreift, steht auf der gleichen Ebene mit einem Machthaber, der Giftgas abwerfen lässt. Die Dimension ist ohne Frage eine andere, aber das kommt mit der Höhe der Macht. Solche Menschen brauchen wir in dieser Welt nicht mehr, davon gibt es schon viel zu viele.

Würfel

Ich mag Würfel, die fühlen sich gut an und sind in der Regel vollkommen unparteiisch. Irgendwie sind sie auch fair, wollte ich gerade schreiben, doch dann kam mir der Gedanke, dass das nicht stimmt. Ich habe vor meiner Geburt nämlich einige Sechser geworfen. Der erste legte Europa fest, der zweite die DDR – na gut, das war kein Sechser – aber den hatte ich dafür bei meinen Eltern und einer Gesellschaft, die den schlechten Wurf korrigierten.

So viel Wurfglück ist nicht selbstverständlich und fairer wäre es, wenn wir alle nur eine Drei würfeln könnten, denn eigentlich sollte niemand eine Eins würfeln müssen, aber so ist das. Die Sache ergibt nur Sinn, wenn die Eins vorhanden ist. Das Premiumwasser in der Plastikflasche gibt es nur, wenn andere im Müll verrecken und dreckige Brühe als Lebensgrundlage vorgesetzt bekommen. Sind diese Schicksalswürfel nicht erbärmlich gezinkt?

Ach, was soll’s

Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber wenn ich morgens im Bett liege und vom Wecker geweckt werde, liegt mein erster Blick auf dem Handy. Das ist zum einen nur logisch, da es mich weckt, zum anderen aber vollkommen unnötig, weil die meisten neuen Nachrichten darauf vollkommen irrelevant sind. Natürlich hat man dann auch gleich noch die aktuellen Nachrichten auf dem Display und das seit Wochen leidige Thema der Präsidentenwahl nervt, ohne überhaupt den Artikel dazu gelesen zu haben. Ich merke, wie mich beunruhigt, was da gerade passiert bzw. passieren wird, aber gleichzeitig kann ich daran tatsächlich nichts ändern. Und so saß ich vorhin vor einer Kirche, aß ein Fischbrötchen und blickte auf jene Figur. Ich habe mich nie wirklich mit Ikonographie beschäftigt und vielleicht wäre es nicht verkehrt gewesen, immerhin stehen hier überall Figuren von Bedeutung. Ihn hier jedoch empfinde ich als merkwürdig entspannt, so als wollte er sagen: „Scheiß auf das Messer in meinem Hals, ich kann es jetzt eh nicht mehr ändern.“ Nun sollte man tunlichst vermeiden, dass das Messer erst im Hals landet. Steckt es aber bereits darin, ist es gar nicht so unvorteilhaft, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich wünsche euch somit einen entspannten und wirklich ruhigen Abend.

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Gedanken zum Feiertag

So ein paar Gedanken kommen mir doch zu diesem Feiertag und das macht ihn besonders, denn alle anderen Feiertage erfreuen mich lediglich, da ich frei habe, doch über deren Herkunft oder Sinn denke ich selten nach.

Als ich heute morgen aufwachte, fragte ich mich, ob ich in der Birthler-Behörde nicht mal anfragen sollte, ob es nicht sogar von mir eine Akte gibt. Die wäre wohl kaum mehr als zwei Seiten schwer (wobei man das vermutlich auch von seinem Facebook-Account denkt), da ich ja nur meine ersten sechs Lebensjahre in der DDR zubringen musste, dennoch könnte es interessante Erinnerungen hervorbringen. So hat unser Hausmeister mit Sicherheit irgendwo erwähnt, dass ich ein West-Kaugummi in seiner Wohnung ausgespuckt habe (er hatte mich ohne Vorwarnung hochgehoben und kreisen lassen, da sorgte die Zentrifugalkraft und mein offener Mund für den Rest).

Mich erinnert dieser Tag auch daran, wie wenig man für seine Herkunft kann und wie glücklich man sich schätzen sollte, dass andere Menschen ihr Ansehen, ihre Freiheit oder auch ihr Leben für das riskierten, was uns heute so selbstverständlich erscheint. Wäre mein Krankenhaus einige Kilometer westlicher gelegen, dann hätte ich die Sachen aus der Werbung tatsächlich auch in einem Spielzeugladen finden können. Vielleicht hätten wir sie uns auch leisten können. So war da nur eine Sehnsucht nach der Masse an Spielzeug (man kann hier durchaus berechtigt einwerfen, dass Spielzeugwerbung ganz allgemein verboten werden sollte, denn Kinder sind Kinder und sollte keine Konsumenten sein, aber mir geht es um den Unterschied, den ich selbst erlebt habe).

Die Herkunft oder der Wohnsitz ist so eine Sache, die mich auch für die kommende Bundestagswahl beschäftigt: Wie kann man den Kurs von Frau Merkel bekräftigen, wenn man nur die CSU wählen kann? Herr Seehofer wird ein gutes Abschneiden der CSU als Bestätigung seines Kurses ansehen und ein schlechtes Abschneiden hingegen Frau Merkel anlasten. Und da kommen wir auch zum entscheidenden Punkt: Die eigene Stimme gebe ich ja nicht als Geschenk oder als Bestrafung für die Politik der letzten Jahre, sondern für das Programm der kommenden (was ja eigentlich jeder so handhaben sollte). Somit darf noch eine gute Weile verstreichen, bis ich mir diesbezüglich wieder konsequent Gedanken machen werde.

Ich freue mich, dass ich heute hier sein darf. Ich weiß meine Freiheiten und auch meine Pflichten zu schätzen und auch wenn es gerade so scheint, als ob unsere Demokratie in Gefahr ist, so bin ich guter Dinge, dass wir auch das schaffen und überstehen werden.

Genießt den Tag!

Diese Jugendlichen…

In der letzten Zeit hörte ich häufiger die Aussage, dass die Jugend von heute nichts kann, weil sie schon fürs Pupsen gelobt wurde. Ich hätte da mal eine Frage an jene, die das auch so sehen. Welche Altersgruppe genau soll das sein? Ist das jetzt jene Generation, die für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmte oder stimmen wollte (und aufgrund des zu niedrigen Alters nicht durfte)? Ist es jene Generation, die nach euch kam? Wer genau hat denn dann diese Generation geprägt und verhätschelt, doch nicht etwa eure (also auch meine) Generation oder?

Die Jugendlichen sind wie schon immer ein Spiegel. Sie sind ein Spiegel für eine Gesellschaft, in der man sich selbst nah steht und das eigene Wohl den höchsten Wert hat. Eine Gesellschaft, die gegen „die da oben“ wettert, während man selbst nur fähig ist, alle vier Jahre ein Kreuz zu setzen und damit seine Pflicht an der Demokratie erfüllt zu haben glaubt. Es tut mir leid es so sagen zu müssen, aber mir kommt es so vor, als würden die meisten Leute heutzutage glauben, dass ihr Pups nicht stinkt und das erinnert mich doch sehr an den Vorwurf, die Kinder würden für ihre heiße Abluft gelobt werden. Eigenlob allerdings stinkt, das haben wir doch alle gelernt. Pups. Aus. Ende.

Segregation

Ich habe mich in den letzten Wochen ganz absichtlich von den Nachrichten ferngehalten und blickte neulich ganz überrascht drein, als es um ein Erdbeben in Italien ging. So ganz verschont bleibt man also dennoch nicht und so kam auch immer wieder das so genannte Burka-Verbot ins Gespräch. Mir war es schon immer vollkommen egal, wer was wo und wie trägt und so bleibt das auch. Mir wurde aber plötzlich äußerst bewusst, was die ganze Diskussion überhaupt soll, also welchen Zweck sie erfüllt. Es geht dabei gar nicht unbedingt um ein Gesetz. Das Gerede führte zumindest bei mir dazu, dass mir Frauen mit Kopftuch plötzlich auffielen. Das ging mir früher nicht so und das liegt auch nicht daran, dass plötzlich mehr Frauen in dieser Stadt mit einem Kopftuch unterwegs wären, auch wenn manch einer diesen Schluss wohl zieht. Nein, es ist einfach nur meine Wahrnehmung. Man hat mit all dem Gerede meine Wahrnehmung verändert. Wie sollen wir so zusammenkommen?