Gedanken zum Feiertag

So ein paar Gedanken kommen mir doch zu diesem Feiertag und das macht ihn besonders, denn alle anderen Feiertage erfreuen mich lediglich, da ich frei habe, doch über deren Herkunft oder Sinn denke ich selten nach.

Als ich heute morgen aufwachte, fragte ich mich, ob ich in der Birthler-Behörde nicht mal anfragen sollte, ob es nicht sogar von mir eine Akte gibt. Die wäre wohl kaum mehr als zwei Seiten schwer (wobei man das vermutlich auch von seinem Facebook-Account denkt), da ich ja nur meine ersten sechs Lebensjahre in der DDR zubringen musste, dennoch könnte es interessante Erinnerungen hervorbringen. So hat unser Hausmeister mit Sicherheit irgendwo erwähnt, dass ich ein West-Kaugummi in seiner Wohnung ausgespuckt habe (er hatte mich ohne Vorwarnung hochgehoben und kreisen lassen, da sorgte die Zentrifugalkraft und mein offener Mund für den Rest).

Mich erinnert dieser Tag auch daran, wie wenig man für seine Herkunft kann und wie glücklich man sich schätzen sollte, dass andere Menschen ihr Ansehen, ihre Freiheit oder auch ihr Leben für das riskierten, was uns heute so selbstverständlich erscheint. Wäre mein Krankenhaus einige Kilometer westlicher gelegen, dann hätte ich die Sachen aus der Werbung tatsächlich auch in einem Spielzeugladen finden können. Vielleicht hätten wir sie uns auch leisten können. So war da nur eine Sehnsucht nach der Masse an Spielzeug (man kann hier durchaus berechtigt einwerfen, dass Spielzeugwerbung ganz allgemein verboten werden sollte, denn Kinder sind Kinder und sollte keine Konsumenten sein, aber mir geht es um den Unterschied, den ich selbst erlebt habe).

Die Herkunft oder der Wohnsitz ist so eine Sache, die mich auch für die kommende Bundestagswahl beschäftigt: Wie kann man den Kurs von Frau Merkel bekräftigen, wenn man nur die CSU wählen kann? Herr Seehofer wird ein gutes Abschneiden der CSU als Bestätigung seines Kurses ansehen und ein schlechtes Abschneiden hingegen Frau Merkel anlasten. Und da kommen wir auch zum entscheidenden Punkt: Die eigene Stimme gebe ich ja nicht als Geschenk oder als Bestrafung für die Politik der letzten Jahre, sondern für das Programm der kommenden (was ja eigentlich jeder so handhaben sollte). Somit darf noch eine gute Weile verstreichen, bis ich mir diesbezüglich wieder konsequent Gedanken machen werde.

Ich freue mich, dass ich heute hier sein darf. Ich weiß meine Freiheiten und auch meine Pflichten zu schätzen und auch wenn es gerade so scheint, als ob unsere Demokratie in Gefahr ist, so bin ich guter Dinge, dass wir auch das schaffen und überstehen werden.

Genießt den Tag!

Diese Jugendlichen…

In der letzten Zeit hörte ich häufiger die Aussage, dass die Jugend von heute nichts kann, weil sie schon fürs Pupsen gelobt wurde. Ich hätte da mal eine Frage an jene, die das auch so sehen. Welche Altersgruppe genau soll das sein? Ist das jetzt jene Generation, die für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmte oder stimmen wollte (und aufgrund des zu niedrigen Alters nicht durfte)? Ist es jene Generation, die nach euch kam? Wer genau hat denn dann diese Generation geprägt und verhätschelt, doch nicht etwa eure (also auch meine) Generation oder?

Die Jugendlichen sind wie schon immer ein Spiegel. Sie sind ein Spiegel für eine Gesellschaft, in der man sich selbst nah steht und das eigene Wohl den höchsten Wert hat. Eine Gesellschaft, die gegen „die da oben“ wettert, während man selbst nur fähig ist, alle vier Jahre ein Kreuz zu setzen und damit seine Pflicht an der Demokratie erfüllt zu haben glaubt. Es tut mir leid es so sagen zu müssen, aber mir kommt es so vor, als würden die meisten Leute heutzutage glauben, dass ihr Pups nicht stinkt und das erinnert mich doch sehr an den Vorwurf, die Kinder würden für ihre heiße Abluft gelobt werden. Eigenlob allerdings stinkt, das haben wir doch alle gelernt. Pups. Aus. Ende.

Segregation

Ich habe mich in den letzten Wochen ganz absichtlich von den Nachrichten ferngehalten und blickte neulich ganz überrascht drein, als es um ein Erdbeben in Italien ging. So ganz verschont bleibt man also dennoch nicht und so kam auch immer wieder das so genannte Burka-Verbot ins Gespräch. Mir war es schon immer vollkommen egal, wer was wo und wie trägt und so bleibt das auch. Mir wurde aber plötzlich äußerst bewusst, was die ganze Diskussion überhaupt soll, also welchen Zweck sie erfüllt. Es geht dabei gar nicht unbedingt um ein Gesetz. Das Gerede führte zumindest bei mir dazu, dass mir Frauen mit Kopftuch plötzlich auffielen. Das ging mir früher nicht so und das liegt auch nicht daran, dass plötzlich mehr Frauen in dieser Stadt mit einem Kopftuch unterwegs wären, auch wenn manch einer diesen Schluss wohl zieht. Nein, es ist einfach nur meine Wahrnehmung. Man hat mit all dem Gerede meine Wahrnehmung verändert. Wie sollen wir so zusammenkommen?

Wie beendet man eine Diskussion

Es gibt den Moment, da bemerkt man, dass eine Diskussion oder ein Streit vorbei ist, weil die Argumente fehlen und vermutlich, weil einem bewusst wird, dass man selbst womöglich falsch liegt, aber wie geht man damit um? Ich möchte ein wenig auf die drei Möglichkeiten eingehen, die mir einfielen:

Möglichkeit 1 – Gegenangriff:
Neulich stand ich an der Kasse und während ich wartete, wurde mir bewusst, dass ich noch eine Flasche Wasser mitnehmen wollte. Ich verließ meinen Platz, holte die Flasche und war keine zehn Sekunden später wieder zurück. Der Kerl, der sein Zeug hinter meinem auf das Band gelegt hatte, hatte sich so weit ausgebreitet, dass ich nur schwer an ihm vorbeikam. Er war mir unangenehm und so peilte ich die kleine Lücke zwischen Band und seiner Sporttasche an, während er in die Gegenrichtung blickte und schlüpfte hindurch, jedoch nicht ohne seine Tasche leicht mit meinem Jackett zu streifen. Für mich war die Situation damit vorüber, aber nach drei Sekunden blaffte es hinter mir „Spast“ aus seinem Mund. Ich begegnete ihm mit Humor und schüchterte ihn durch Wortgewandtheit und Körpergröße ein. Normalerweise hätte ich zuvor gefragt oder mich danach entschuldigt. Aber in diesem Fall erschien mir ein Gegenangriff als einzige Option. Die Hürde mich zu entschuldigen lag zu hoch. Mich ärgerte dieser Mensch jedoch noch den ganzen Tag, ebenso wie die Frage, warum ich nicht einfach darum gebeten hatte, dass er mich durchlässt.

Möglichkeit 2 – Verstreuung:
Als ich letztens nach Hause kam, saß die Tochter einer Bewohnerin unseres Hauses auf der Treppe. Sie wollte die letzten Stufen nicht selbst erklimmen. Nun saß sie da und ihre Mutter hatte ihr klargemacht, dass es nun an ihr läge, in die Wohnung und ins Bett zu kommen. Während die Kleine so dasaß, der ich wohl niemals böse sein werde, machte sie ihre Beine lang und lehnte am Geländer, so dass sie fast schon komplett auf der Stufe lag. Ich fragte sie, ob ich ihr eine Decke und Kissen bringen sollte. Sie blickte mich wortlos durch die hölzernen Stäbe des Geländers an. Ihre Mutter, welche ein Stockwerk über mir stand, stimmte mit ein. Wir würden die nötigen Dinge fürs Übernachten zu ihr bringen und erklärten zugleich, wie nervig es sei, dass ständig Leute in der Nacht im Treppenhaus das Licht anschalteten und über sie drübersteigen würden. Die Liebe verstand, dass wir alberten, aber sie war abgelenkt von ihren kraftlosen Beinen. So stand sie auf und nahm die letzten Stufen, natürlich nicht, ohne auf die Anstrengungen hinzuweisen. Die Verstreuung war noch nicht ganz geglückt, aber ihre Mutter und ich hatten ihr die Möglichkeit gegeben, den Streit zu umgehen und die Niederlage nicht eingestehen zu müssen, indem wir das Thema abgleiten ließen.

Möglichkeit 3 – Rückzug:
Jeder von uns kennt die alten Filme in denen Schlachten geführt wurden und die Kampfsituation kippte. Wir fragten uns, warum der Kommandant nicht den Rückzug anordnete und somit die letzten seiner Soldaten rettete. Vielleicht lag es daran, dass er es noch nicht begriffen hatte. Vielleicht aber auch daran, dass er auf ein Wunder hoffte. Oder es lag daran, dass er Angst davor hatte, wie sein Gegner diesen Rückzug behandeln würde. Vielleicht ließe der Gegner die Soldaten laufen. Aber was, wenn nicht? Was, wenn er sie hinterrücks erschlüge und erschösse? Der Rückzug fällt deswegen so schwer, weil wir nie wissen, ob auf unsere entschuldigende Einsicht das Verständnis des Gegenübers trifft. Gerade bei einem hitzig geführten Streit möchte man nicht beim Eingeständnis der eigenen Niederlage vom Anderen fertiggemacht werden. Dieser Schritt erscheint mir der schwierigste. Er kann leichter gemacht werden, wenn man auf die Verstreuung zurückgreift, aber da müssen beide Seiten mitspielen. Dieser Schritt kann jedoch der Gewinnbringendste sein. Eine Diskussion, die man selbst damit beendet, dass man den eigenen Fehler eingesteht, kann einen zwar für einen Moment schwach erscheinen lassen, sie zeigt dem Gegenüber, dass man fähig ist, umzudenken. Es wird klar, dass eine Diskussion lohnt, denn es gibt kein Beharren auf dem eigenen Standpunkt. Nach solch einem Ende ärgern sich beide Parteien nicht, sondern haben die Chance, versöhnlich zusammen zu kommen.

Wir haben bei jeder Diskussion diese Möglichkeiten und vielleicht fallen euch auch weitere ein. Jedes Mal können wir uns neu entscheiden, welchen Weg wir wählen und warum dieser besser ist. Wichtig erscheint mir dabei zu sein, dass man abwägt. Wir müssen uns selbst klarmachen, dass unsere Streitkultur es ist, die weitreichende Auswirkungen hat. Natürlich möchte man Recht haben und gewinnen. Aber zu welchem Preis? Wenn ich sehe, dass ich gewinne, dann kann ich meinem Gegenüber die Verstreuung anbieten. Ich kann natürlich auch weiter auf ihn einreden. Eine Diskussion wird immer von mindestens zwei Parteien geführt. Beide sollten schauen, dass sie sich danach noch menschlich begegnen können. Ich möchte nicht fertig gemacht werden, wenn ich verliere, also sollte ich auch niemanden fertig machen, wenn ich gewinne und soweit möglich einen versöhnlichen Ausgang anbieten.

p.s.
mir fiel noch eine vierte Möglichkeit ein – Vertagung: Einen Streit zu verschieben ist der Verstreuung recht nah, bietet jedoch an, dass sich die Beteiligten in Ruhe Gedanken machen und in einem anderen Gemütszustand das Gespräch wieder aufnehmen. Das ist oftmals sehr sinnvoll, wird aber nur selten praktiziert. Warum eigentlich?

Direkte Demokratie…ist nicht so einfach

Ich bin seit jeher ein großer Freund der Demokratie und absolut glücklich darüber, dass ich nur meine ersten sechs Lebensjahre in einem Land verbringen musste, welches seiner Bevölkerung vorgab, wie es zu sein hat und sich nicht von ihm formen ließ. Unsere Demokratie hat Fehler und Makel, manche davon sind groß, andere erscheinen unbedeutend. Manche werden angegangen, andere scheinen nicht angetastet zu werden. Manche Fehler stellen sogar eine Gefahr für unser freies Stimmrecht dar.

Eine direkte Demokratie klingt daher nach der Lösung, um uns vom Lobbyismus und Großkonzernen entfernen zu können, welche sich stark in die Politik einbringen. Interessanterweise haben wir in dem Punkt bereits eine direkte Demokratie, denn wir selbst können uns aussuchen, welche Firmen wir mit unserem Geld unterstützen. Das würde dann auch dazu führen, dass gute Jobs hier in Deutschland entstehen und bleiben würden. Aber… Aber dafür müsste man sich ja informieren. Und überhaupt ist es doch gar nicht möglich, sich von den Großkonzernen, die andernorts Menschen versklaven, zu lösen, weil die ja überall mit drinstecken. Das ist totaler Blödsinn, es braucht nur die Zeit, sich gründlich zu informieren und das Internet bietet eine vorzügliche Möglichkeit dazu. Seien wir ehrlich. Also mal wirklich ganz ehrlich: Wir klicken ein Thema an, das uns interessiert oder missfällt, lesen den Inhalt und die weitere Recherche entfällt entweder ganz oder wir nutzen nur die vorgeschlagen Links für weitere Informationen. Wie oft suchen wir intensiv nach verschiedenen Betrachtungen zu einem Thema? Wie oft diskutieren wir offen mit Menschen, welchen einen gegensätzlichen Standpunkt vertreten?

Das Internet bietet viele Möglichkeiten an. Doch der Mensch geht den Weg des geringsten Widerstandes, selbst bei der Meinungsbildung. Wenn ein Mann schreibt, weshalb eine ganze Generation beziehungsunfähig ist, dann liest man es oder hört zu und nickt dann eifrig mit dem Kopf. Dabei kann dieser Mann schlussendlich nur erklären, warum er selbst nicht fähig ist, eine Beziehung zu führen. Es mögen interessante Ansätze für einen selbst dabei sein, aber für die eigene Unfähigkeit zur Bindung muss sich jeder Mensch selbst befragen. All die alltäglichen Ablenkungen müsste man ausschalten und einen stillen Raum suchen, um zu ergründen, was in uns vorgeht. Und dann kommt die Erkenntnis, dass nicht wenige Leute gar nicht nach einem anderen Menschen suchen, sondern nur nach sich selbst. Für diese Suche braucht es keinen anderen Menschen. Aber ich schweife ab.

Direkte Demokratie kann nur funktionieren, wenn die große Mehrheit bereit ist, sich selbstreflektiert und intensiv mit den aktuellen Themen und Belangen der Gesellschaft zu befassen. Die Menschen müssen bereit sein, Opfer zu erbringen und für diese Opfergabe zu stimmen, damit es allen Mitgliedern dieser Gesellschaft auf lange Sicht bessergehen wird.

Der Mensch ist dazu fähig, die Menschheit könnte es auch sein, aber ich sehe es aktuell nicht. Ich denke durchaus, dass die Mehrheit der Menschen vernunftbegabt und aufgeklärt ist. Aber genügt diese Mehrheit, um bei einer Abstimmung eine sinnvolle Lösung zu wählen? Ich habe ernsthafte Zweifel daran. Unsere Demokratie ist nicht fehlerfrei. Doch anstatt sie ersetzen zu wollen, braucht es nur mündige auf aufgeklärte Bürger, die sich beteiligen.

(K)eine einfache Lösung

Wo fange ich diesen Text nur an? Fange ich ihn bei dem Artikel aus „Der Spiegel Online“ an, welcher behauptet, dass Political Correctness den Aufstieg der AfD befeuerte oder bei Herrn Seehofer, der Frau Merkel die Schuld für ihr Erstarken gibt?

Ich erinnere mich an zahlreiche Posts kurz vor den drei Landtagswahlen im März. Viele meiner Facebook-Freunde wiesen auf die bis dato bekannt gewordenen „Inhalte“ der AfD und bemerkten, dass man solch eine Partei nicht wählen könnte. Viele schrieben auch davon, dass der AfD-Wähler offensichtlich keine Ahnung von diesen Punkten haben könnte, sonst würde er sie nicht wählen. Das mag sogar stimmen, aber wie viele derer, die dies schrieben oder die dem zustimmten, haben das Parteiprogramm der Partei gelesen, die sie selbst wählen? Hinter wie viele Aussagen ihrer gewählten Vertreter können sie sich stellen?

Ist die AfD deswegen für mich wählbar? Nein, ist sie nicht, aber seien wir doch alle mal ganz ehrlich, wir mögen simple und direkte Antworten. Es gibt aber auf jede Frage mehrere Antworten und es gibt für jeden von uns eine eigene Realität, welche eine Antwort als richtig erscheinen lässt, selbst wenn für eine andere Person eine andere Antwort stimmt. Es gibt für multikausale Probleme keine simplen Lösungen, das ist uns allen bewusst, aber unsere Vernunft setzt zu gern aus und ich gebe dafür ein Beispiel: Ich kann eine Person, die sich offen gegen Asylsuchende stellt, ausgrenzen. Ich mache das aus guten Gründen, denn ich werde vermutlich kein Verständnis für ihre Argumente aufbringen können. Somit entstehen aus zwei Menschen, die sich ansonsten mit ihren Ideen befruchten könnten zwei Gegner, die schwer zu einen sind. Ich las erst neulich von einem schönen Gegenbeispiel, bei dem ein ehemaliger NPDler Dank einer Panne die Bekanntschaft mit einem Priester aus Kanada machte, durch den er in Kontakt mit Geflüchteten und mit seiner Frau (aus Uganda) kam (ich finde den Artikel nicht mehr und frage mich, ob der womöglich doch nur erdacht und mittlerweile gelöscht wurde. Wer weiß). Ich erkenne in diesem Ansatz ein höheres Potenzial für die Menschheit und somit auch für mich.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Aufs eigene Denken. Der AfD-Wähler (da haben wir natürlich schon das erste Problem: Verallgemeinerung) ist ebenso wenig ein dummer Mensch, wie der Rest der Bevölkerung. Er hinterfragt Prozesse und stellt fest, dass etwas nicht so ist, wie es seiner Meinung nach sein sollte. Daran ist absolut nichts falsch. Was er und leider auch wir falsch machen ist der Umgang mit diesem Umstand. Wir alle nutzen selten unsere Fähigkeiten zum Urteilen und Verbessern einer Situation. Nehmen wir das Beispiel von Geflüchteten:

Lösung 1: Wir beauftragen andere Staaten sich des Problems anzunehmen (funktioniert innenpolitisch schon seit Jahrzehnten)
Lösung 2: Wir schließen unsere Grenzen (auch das dürfte innenpolitisch funktionieren)
Lösung 3: Wir versuchen im Heimatland der Geflüchteten zu helfen und zu befrieden
Lösung 4: Wir blicken auf uns selbst und handeln entsprechend.

Lösung 1, 2 und 3 sind bekannt und sind politisch möglich, damit das Problem aus deinem und meinem Blickfeld verschwindet. Lösung 4 ist aber diejenige, die wir alle nutzen sollten, wenn wir selbst wirklich human leben wollen. Ich war immer gegen Sklaverei und Kinderarbeit und kaufte gleichzeitig bei H&M ein. Das geschah nicht aus Unwissenheit, sondern aus Ignoranz. Das schmeckt jetzt keinem und wir können alle schnell eine Rechtfertigung finden: Geld. Manch ein Mensch kann sich tatsächlich kaum etwas anderes als billige Ware leisten, aber geht es den meisten von uns so? Wir mischen uns durch unser Konsumverhalten in gesellschaftliche Verhältnisse anderer Staaten ein. Ich bin deswegen auch kein großer Fan von Spenden, denn wie komme ich zu dem Geld für Spenden und warum kam es zu mir und nicht von vornherein schon zu der Person, für die ich nun spende? Die Politik hat versagt. Ein Schuldiger ist gefunden und ich kann mich verärgert aber entspannt zurücklehnen, richtig?

Ich möchte diesen Eintrag mit einem letzten Beispiel beenden. Jan Böhmermann ist wieder in aller Munde, denn er hat die fiesen Machenschaften von „Schwiegertochter gesucht“ aufgedeckt. Oh welch ein Held er ist. Ja, ist er oder könnte er sein, wenn wir selbst einmal wieder bemerken würden, dass wir es selbst sind, die solch eine Show überhaupt entstehen und bestehen lassen. Den Feind erkannt, den Feind benannt, den Feind verbannt. Klappt leider nicht, weil wir selbst diejenigen sind, die solch ein Format ungestört zulassen und uns sogar darüber amüsieren. Ich habe mir DSDS nur zu gern angeschaut und darüber gelacht, wie die Leute fertiggemacht wurden. Was dann später in der Show geschah, interessierte mich nicht mehr. Die Show geht jedoch nicht vor die Hunde, weil sie einen falschen Umgang mit Menschen hat, sondern weil es den Zuschauern zu langweilig wird. Herr Böhmermann kann tatsächlich ein Held sein, wenn er uns nach solch einem Skandal den Spiegel vor Augen hält, der uns bewusstmacht, was wir da tun. Er sprach in seiner Show von den RTL-Zuschauern, er sprach nicht von seinem Publikum und erstrecht nicht von sich selbst. Da muss aber jeder von uns anfangen.

Man ist nicht immer selbst schuld, es sind jedoch nur selten die Anderen.

13 unter tausend

Stellt dir vor, du bist unterwegs und du hast zwölf Freunde dabei. Ihr geht zu der Party, von der man euch mit leuchtenden Augen erzählt hat. Als ihr ankommt, merkt ihr, dass bereits tausend Leute da sind, die feiern. Der Türsteher lässt euch rein, aber er untersucht euch gründlich und zeigt euch die Ecke, in der ihr euch größtenteils aufhalten solltet.
Stell dir vor, einer von den tausend Leuten erklärt euch, dass ihr hier nicht mehr reinpasst. Tausend plus dreizehn sind zu viel.
Stell dir vor dieser eine Typ zerschmeißt das Fenster in deiner Ecke und demoliert die Wand. Er meint, du würdest die Party zerstören.
Stell dir vor, der Türsteher kümmert sich nicht um den einen Kerl, welcher pöbelt und auch nicht um die gröhlenden Leute hinter ihm, die dem Kerl zustimmen und ermutigen.
Wer zerstört jetzt eigentlich diese sonst so friedliche Feier?

Immer schön einfach

Es ist schon über ein Jahrzehnt her, da sprachen Politiker von Verdrossenheit. Sie suchten die Schuld bei sich und fanden eine Erklärung, die mir damals nicht schmeckte, mittlerweile weiß ich weshalb.

Man hätte Sachverhalte nicht gut genug erklärt, sondern kompliziert diskutiert und deshalb würden immer weniger Menschen zur Wahl gehen. Das war damals die Ansicht und dementsprechend müsste man sich darin üben, Sachverhalte einfach darzulegen. Die kurzfristige und einfache Lösung wurde gesucht und der Weitblick vergessen.
Die Frage ist doch, ob Politik komplizierter geworden ist und deshalb simplifiziert werden muss? Ich bezweifelte es damals und ich tue es noch heute. Interessant ist doch viel eher, dass man gleichzeitig auf die Idee kam, Sozialkunde und Geschichte zusammenzulegen. Ein Lehrer, der Geschichte unterrichtet, soll auch Sozialkunde unterrichten. Dieses eine Fach, welches sich der politische Bildung annimmt, darf verkommen. Denn das Resultat aus dieser Idee ist, dass nicht ein politikbegeisterter Mensch ein Fach unterrichtet, von dem es ganz nebenbei mehr als eine Stunde in der Woche bräuchte, sondern eben ein geschichtsbegeisterter, welcher über einen schnellen Weg zu einem Soziologieabschluss kommt. Soziologie als Drittfach auf Lehramt ist eine unheimlich leichter Abschluss und kein eigenständiges Studium, welches zum Denken anregen würde.

Man hatte also bemerkt, dass den jungen Menschen das Interesse an Politik verloren ging. Statt in der Schule ein Fach zu fördern, welches das Verstehen für die Prozesse im Parlament und in der Gesellschaft vermitteln kann, lässt man es lieber verkümmern. Stattdessen vereinfacht man Politik lieber. Und wundert sich, warum die Menschen plötzlich jenen hinterherlaufen, die keine Lösungen kennen, sondern nur Probleme benennen, die zu lösen wären, von denen aber behauptet wird, dass wir sie nicht schaffen könnten.

Versessen

Ich bin versessen auf den Stuhl. Nicht auf dem im Klo, auch nicht auf den Heiligen, sondern einfach auf den Stuhl, auf dem ich sitze. Hin und wieder sollte ich mich erheben. Ich sollte aufstehen. Aufstehen für jene, die am Boden liegen. Aufstehen für mich, um die Fesseln des Stuhls zu lockern.

Die Frau von heute will den Mann von gestern

Ich bin ja ein großer Fan des Feminismus und verteidige ihn nur zu gern. Warum mache ich das eigentlich? Will ich mich damit bei Frauen einschleimen? Ganz ehrlich, auf die Tour funktioniert es nicht. Also warum dann? Aus purem Egoismus und warum auch nicht? Jene Form des Feminismus, der ich zustimme, setzt auf die Auflösung von Rollenbildern oder einer Erwartungshaltung gegenüber einem Geschlecht.

Weinen zum Beispiel wird als Zeichen der Schwäche angesehen, dabei fällt es mir öffentlich schwerer als zu flatulieren, somit sollte es doch sogar als Stärke angesehen werden, wenn ich mich als Mann öffentlich zu meinen Tränen bekenne. Als Mann steht mir auch die Aufgabe zu, die Tür aufzuhalten, eine Frau anzusprechen und sie zu verteidigen. Ganz ehrlich, ich lasse mir auch gern mal die Tür aufhalten oder mich anmachen. Und was die Verteidigung betrifft, so gibt es da die physische Ebene (ich kenne genügend Frauen, die mehr Kampferfahrung als ich besitzen) und die verbale Ebene (es ist ein fast unbeschreibliches Gefühl, wenn einem selbst die Worte fehlen und plötzlich jemand das Wort für einen ergreift). Beide Ebenen dürfen auch gern mal von einer Frau übernommen werden (eben von jedem Menschen). Achja und das Pinkeln im Stehen. Das muss ich erwähnen, weil eine andere Bloggerin mal meinte, dass sie es unmännlich findet, wenn ein Kerl sich hinsetzt: Ich bin viel zu gemütlich, um mich nicht hinzusetzen. Mag ja sein, dass es alten Männern schwer fällt, in die Knie zu gehen, aber ich will nicht fix irgendwo hinrennen, dann schnell alles wieder einpacken, dabei tausend Tropfen im Raum verteilen und mir am besten noch was einquetschen, weil der Reißverschluss an der Hose ja ebenso schnell geschlossen werden musste (okay, ich hab nur Hosen mit Knöpfen, aber es geht mir mehr ums Bild des eiligen Mannes, der kann sich Knöpfe zeittechnisch gar nicht leisten kann). Das Beispiel vom Geldgeber, der des Nachts ruhig weiterschläft, während seine Frau zum schreienden Kind rennt, lasse ich nur am Rande hier stehen, weil ich hoffe, dass das einfach nicht mehr vorkommt.

Die Frau von heute sollte alles sein dürfen, was sie will und der Mann von heute ebenso. Solange ich aber noch immer einem gesellschaftlichen Ideal entsprechen muss (ich habe auch keine Lust, einem persönlichen Ideal zu entsprechen, aber das ist ein anderes Thema), ist für mich der Feminismus noch längst nicht am Ziel und wird deswegen auch weiterhin meine vollste Unterstützung erfahren. Dies ist mein verspäteter Beitrag zum Frauentag (mein bisheriger entsprach ja doch nur dem Klischee des Mannes mit der Blume ^^).

p.s.
Da ich durch einen Kommentar darauf aufmerksam wurde, dass hier womöglich noch eine Definition von Feminismus gehört, wie ich ihn empfinde usw. möchte ich ganz grob ergänzen (und vielleicht irgendwann mal ausführlicher):
Feminismus soll nicht der Frau mehr Rechte geben als dem Mann. Auch soll der Mann dadurch nicht benachteiligt oder unterdrückt werden. Wer Feminismus als etwas versteht, was die Frau höher stellt, missversteht das Konzept des Fem. (zumindest jenen, dem ich mich zurechne).

p.p.s.
damit es weiterhin amüsant bleibt: Ich selbst versuche der Mann von morgen zu sein und meine Partnerin…ach, die braucht nur sprichwörtlich nicht von schlechten Eltern zu sein (kann man sich ja schwer aussuchen). 😀