Working class hero

Heute morgen habe ich das Fahrrad mal stehen gelassen und bin zu Fuß unterwegs gewesen. Dadurch habe ich dieses Smiley gefunden, dass wohl ein wenig länger dort verweilen wird. Ein wahrer Held war der Gute, der es auf den Asphalt gesagt hat.WP_20171228_08_35_27_Rich

Der Einarmige, der auf dem Fahrrad Zigaretten dreht

Da mir selbst das Dichten und Reimen nicht so liegt, bin ich immer umso erstaunter, wenn ich Kunstwerke wie dieses hier lesen darf, die eine ganze Geschichte und einen Menschen so detailliert beschreiben, dass ich ihn direkt vor mir sehe.

Laander Karuso

Auf einem Fahrrad sitzt ein Mann
und tritt in die Pedale.
Die Sonne steht in ihr´m Zenit und knallt
auf die aschfahle
Glatze.
Das Gesicht zur Faust geballt
radelt er stoisch wie zum Trotze.

Der Schriftzug Marke ›Diamant‹
hängt über dünnen, rost´gen Speichen.
Am Lenker,
auf Antirutschband,
hängt des Mannes Markenzeichen:
Nur eine Hand.

Nur ein Arm, nur eine Hand.
Als wär´dem Mann das Hirn verbrannt.
Löst er nun auch noch diese eine
vom Griff,
gibt das Steuer frei
und trifft
in seiner Jacke
auf ein Päckchen Tabak,
der feine,
schwarze.
Nicht steuerfrei.

Noch in dem Pennerunterschlupf
aus feinstem Polyester,
packt er die dunklen Tabakfädenvogelnester
und stupft
sie in ein winzig Blatt Papier.
Dreht´s ein Mal von da nach hier,
dreht´s noch einmal,
leckt´s dann an,
steckt´s in Brand
und zieht daran.

Ein Mann von altem Schrot und Korn
Ein Mann wie eine stolze Eiche,
der Freude hatt´ an Buche…

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Ein Lächeln

Ein Lächeln verbraucht keine Energie…so wollte ich den Eintrag eigentlich beginnen, aber dann wird mir vermutlich jemand erklären, dass das nicht stimmt, weil so ein Lächeln einige Gesichtsmuskeln in Anspruch nimmt.

Ein Lächeln gibt allerdings eine ganze Menge Energie, weit mehr, als man hineinstecken muss. Bei all den Themen und Gesprächen, die so um uns herum stattfinden, vergesse ich das manches Mal. Nur gut, dass ich Herr Froehlich bin und mich somit selbst ein wenig ermahnen kann. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Montag.

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Sprachlos

Vielleicht hätte man mir¬¬ früher helfen können, wenn man es früher erkannt hätte. Das sind Aussagen von Ärzten, die sich wohl ganz gern selbst trösten möchten, weil sie nicht verstehen, dass auch sie nicht für jedes Problem eine Lösung kennen und dass es zwischen gesund und tot noch andere Zustände gibt, die man als Mensch durchlebt.
Früher erkennen, das wäre wohl damals mit zwölf gewesen, als ich zuhause saß und merkte, dass etwas anders war. Als ich sprechen wollte und es auch tat, nur die Worte andere waren, als jene, die ich nutzen wollte. Ich ging damals zu meinem guten Freund, der ein paar Häuser weiter wohnte und nicht zu einem Arzt. Ich stand merkwürdig brabbelnd vor seiner Tür. Er lachte nicht eine Sekunde. Vielleicht erkannte er an meiner Mimik, dass etwas gewaltig nicht stimmte oder an der Geschwindigkeit, in der ich Wörter in ungeordneter und sinnloser Reihenfolge sprach. Er schlug mir damals vor, die Fahrräder zu nehmen und zum nahegelegenen See zu fahren. Wir ließen die Beine ins Wasser baumeln. Ich schwieg und er mit mir. Irgendwann ging ich zaghaft mit dem Reden an und auch wenn es immer wieder ein paar falsche Wörter in meine Sätze schafften, so fand ich meine Sprache an jenem Sommertag wieder und hatte den Schock schnell verdaut.
Es war wie ein Albtraum, den ich überwunden hatte und an den ich mich lange Zeit nicht mehr erinnerte, bis es weitere zwölf Jahre später begann, dass mir immer wieder die Worte nicht einfallen wollten. Ich fand es nicht besorgniserregend, denn da geht es vielen Menschen so, aber ich erinnerte mich an jenen Nachmittag, wenn ich hin und wieder ein falsches Wort in den Satz einbaute. Mir war in den Momenten nicht einmal die korrekte Bedeutung bewusst, das unterschied sich zu dem Tag am See. Kaum merklich nahmen diese Aussetzer zu, aber mir kam es nicht merkwürdig vor, wie es bei solch schleichenden Veränderungen immer ist. Man merkt erst spät, dass es früher einmal anders war. Zudem war es ja auch immer ganz lustig, wenn solch ein Fehler passierte und über mich selbst lache ich doch am liebsten.
Vor einer Woche habe ich meinen 36. Geburtstag gefeiert und es passierte wie damals. Die Worte waren komplett verkehrt. Auch eine Reihenfolge gab es nicht. Prädikat, Subjekt, Objekt, nichts ist sicher. Es ist ganz eigenartig, denn ich spreche und erst während ich spreche und das Wort langsam wieder durch mein Ohr in meinen Kopf findet, merke ich die Fehler. Ich will sie korrigieren, doch dafür ist es zu spät. Die aufkommende Panik versuche ich mit Ruhe zu verdrängen und lasse mir all die Zeit, die nötig ist, um jedes Wort zu setzen und dennoch passieren mir Fehler.
Der Arzt kann mir keine Hoffnung machen und ich tue, was ich in den letzten Tagen nur zu gern mache: ich schweige. Mein Augenlid zuckt ein wenig, aber eine Träne wird sich nicht auf meiner Wange finden, darauf habe ich keine Lust und es hilft mir nicht. Ich werde die Welt von nun an anders beschreiben müssen. Vielleicht mit Farben auf einer Leinwand, da war ich noch nie sonderlich begabt drin, aber bei all den Jahren, die mir noch bleiben, habe ich genügend Zeit zu einem Meisterkünstler zu werden.
Wenn ich meine eigene Sprache vermisse, dann gehe ich ganz gern an belebte Plätze. Ich habe eine Freundin, die mich dabei begleitet. Ich warte eine Weile und lausche dem ungeordneten Gebrabbel der Masse. Ich beginne mit meiner Freundin zu reden, sie steht da und lauscht mir. Wobei ich glaube, dass sie mittlerweile gar nicht mehr hinhört, sondern nur die Züge meines Gesichts liest. Schön dabei ist, dass ich in dem Moment alles sagen kann, was mir auf der Seele liegt, wenngleich ich fürchte, dass es eines Tages so sein wird, wie im Kino, wenn man dem Sitznachbarn etwas recht laut erzählt und dann peinlich berührt stoppt, weil die sonst so lauten Geräusche des Kino abrupt verstummen und nur man selbst vom gesamten Saal gehört wird.

Unterschiede

Ich weiß gar nicht, ob dir bewusst war, wie sehr ich es liebte, wenn du mich in den Wald begleitetest. Es war die einzige Zeit, in der ich dir die Welt erklären konnte. Meine Welt zumindest. So oft saß ich neben dir und lauschte den Gesprächen zwischen dir und deinen Freundinnen und Bekannten und so sehr ich es auch versuchte, ich konnte den Anschluss nicht finden. Ich kam mir wie ein Schuljunge vor, der Vokabeln lernt, wenn ich versuchte, eure Themen zu verstehen und mich heimlich informierte. Im Wald aber, da schwiegst du und hörtest mir gespannt zu, wenn ich über Spuren und die Früchte der Natur sprach. Bis zu unserem ersten Spaziergang durch den Wald hatte ich das Gefühl, dass ich dir niemals das Wasser reichen können würde, aber erst da wurde mir bewusst, dass wir uns in unserem jeweils eigen Kosmos bestens auskannten und es liebten, einander zuzuhören und dadurch ein wenig in diese Welt eintauchen zu können. So unterschiedlich waren wir denn gar nicht, du warst ebenso eine Expertin in deinem Gebiet, wie ich in dem meinigen, das wurde mir leider erst spät bewusst, als wir die eine Welt, die nur die unsere war, zerstörten. Unüberwindbar schienen unsere Unterschiede und dabei waren da nur Gemeinsamkeiten, wenn wir einander wortlos in die Augen sahen und wussten, dass alles gut war. Nur hatten wir uns in den Streitereien nicht einmal schweigend in die Augen gesehen.

You’ve changed

„Du hast dich verändert“, sagte sie zu mir und sah mich ernst an. Ja, das hatte ich tatsächlich, immerhin waren zehn Jahre vergangen, seit sie und ich uns das letzte Mal gesehen hatten. Wie schwer fiel es mir damals, sie gehen zu lassen. Erst ihre Eigenart, sich selten zu melden oder kaum zu antworten war es, die mich die Verbindung kappen ließ. Das hatte ihr wiederum nicht geschmeckt und hatte es mit einem guten, gemeinsamen Freund besprechen und mir vorhalten müssen, dass gute Freundschaften auch über weite Distanzen halten würden. Das mag schon sein, aber ich war damals wohl noch immer nicht ganz über sie hinweg und empfand mehr als nur Freundschaft. Gleichzeitig fühlte ich mich nicht in der Art behandelt, wie ich es erwartet und gewünscht hatte. Ich hatte mich verändert: Einige weitere Lieben, die nicht blieben, hatten mich verändert und mir das Abschiednehmen leichter gemacht. Mittlerweile gelang es mir recht einfach, mein geöffnetes Herz wieder zu verschließen und nicht auf weitere Nachrichten zu warten. Ich schloss mein Herz selten wirklich auf, das war wohl auch so ein Trick.
Äußerlich hatten wir uns auch ein wenig verändert, man kann auch einfach sagen, dass wir älter geworden waren. Die Falten an den Augenlidern waren ein wenig deutlicher zu erkennen und zumindest bei mir auch so manche auf der Stirn. Schuld daran war dieser ständige skeptische Blick, der mir nur zu leicht zu entlocken ist. Da braucht es nur eine unqualifizierte Bemerkung und schon schnellt die linke Augenbraue in die Höhe und mit ihr drückt sich die Haut an der Stirn zusammen. Ich arbeite daran, diese Eigenart ein wenig abzulegen und stattdessen mehr mit Humor darauf zu reagieren und somit eher die Falten um die Augen herum zu vertiefen, die stehen mir nämlich ganz ausgezeichnet, meinte neulich meine beste Freundin zu mir und ich widerspreche ihr nur höchst ungern. Sie ist so ein Beweis dafür, dass ich mich verändert habe: Eine beste Freundin ohne das Verlangen mit ihr eine Beziehung zu führen, das hatte ich nie. Doch meine alte Freundin meinte eine andere Veränderung. Eine, die man doch nicht so schnell erkennen könnte, hatte ich gedacht…

Na dann ist die Welt ja in Ordnung

Ich habe mich am Freitag mit einer Sängerin aus Albanien auf einer Feier unterhalten. Ihre ersten Sätze über ihre Heimat waren: „Es ist sehr schön dort. Und sicher.“ Ja, darüber hatte ich nie nachgedacht, aber es war plötzlich ein Thema für mich. Was heißt das eigentlich, sicher? Deutschland ist sicher, das war mir immer klar. Also jetzt gerade nicht mehr, deswegen führen wir ja Krieg. Die Schlagzeile des heutigen Tages ist aber, dass München mal wieder Herbstmeister ist. So ist das also, wenn man im Krieg ist.

Ist Albanien nun sicher? Ich schaue dorthin, wo ich sonst nie schauen würde, nämlich auf die Seite des Auswärtigen Amtes. Dort steht, dass momentan keine landesspezifischen Sicherheitshinweise bestehen würden. Beim Punkt Kriminalität steht, dass es nur selten Fälle von Gewaltanwendung bei Klein- und Straßenkriminalität geben würde, es wird dennoch zu Wachsamkeit und vorsichtigem Verhalten geraten. Klingt ein wenig paranoid, aber wer weiß was die Albaner über unsere Klein- und Straßenkriminalität zu wissen glauben.

Über die Schönheit des Landes werde ich auf der Seite eines Amtes nichts finden, aber da vertraue ich der Sängerin. Wenn das Land nur halb so schön ist wie ihre Stimme und sie selbst, dann wäre es noch immer ein kleines Paradies. Und darauf freue ich mich. Ich hatte überlegt, ob ich nächsten Sommer nach Frankreich oder Spanien fahre. Welch merkwürdiger Gedanke in Zeiten des Krieges…aber es wird Albanien sein. Das steht nun fest.

Feuer und Flamme, Schall und Rauch (2)

Dass ich meine Mutter und meinen Vater verloren hatte, das wollte in mir nicht ankommen. Es war ein unumstößlicher Fakt, aber auch nicht mehr. Noch immer befand ich mich in dieser Blase. So wie damals, als ich mit einem Freund auf dem Fahrrad um die Wette fuhr und ich unvermittelter Dinge vornüber den Lenker schoss. Ich rutschte über den Asphalt und als ich aufstand, war alles so leicht. Ich blickte auf mein weißes T-Shirt und sah die roten Bluttropfen, die sich deutlich vom Weiß absetzten. Der Freund beschwerte sich, dass ihm wegen mir ein Stück vom Zahn abgebrochen sei. Er war auch in einer Blase. Nur hielt seine und meine Blase damals vielleicht für eine Stunde. Das war jetzt anders. Diese Blase hielt schon seit über einer Woche an. Oder waren es gar Jahre?

Ich tastete mich an der Wand entlang und fand jene Ecke, in der ich früher nur zu gern saß. Sie war kleiner geworden. Nein, ich war größer geworden, aber so kam es mir nicht vor, ich hatte nicht wirklich das Gefühl, gewachsen zu sein. Ich setzte mich hin und lehnte mich gegen den kalten Stein. Die Dunkelheit nahm mich auf und in dem Moment verspürte ich Trauer. Ein diffuses Gefühl, so wie das leise Brummen eines angeschalteten Lautsprechers, den man schon am Tagw gehört hat. Und so wie man des Nachts nur noch dieses Brummen vernimmt, weil es den ganzen Raum einnimmt, so nahm mich die Trauer ein. Irgendwas war nicht richtig und wollte mich erdrücken. Das war so ein Kunststück dieser Höhle. Wie damals, als ich mein Herz verloren hatte: Sie meldete sich kaum auf meine Nachrichten oder kam mit Ausreden, welche mir zwar jedes Mal Hoffnungen machten, aber doch nichts anderes aussagten, als dass sie mich nicht sehen wollte. Wie lange schleppte ich das mit mir herum und kämpfte und wurde schwächer. Ich wollte sie so gern wiedersehen, aber mir blieben nur diese Nachrichten. In der Höhle nahm mich damals die Dunkelheit gefangen. Es war ein Gefühl von Kälte und Einsamkeit. Das Dunkel, an das ich mich sonst gewöhnte, wurde stärker und größer, so wie das Brummen des Lautsprechers. Es umhüllte mich und ich gab mich der Finsternis hin.