Flower child

Immer wenn ich auf der Straße vor eurem Haus stand, erfasste mich diese Wärme. Die Häuser links und rechts waren von Familien oder wohlhabenden Pärchen bewohnt. Ihr Garten war gepflegt und alle glichen sich in ihrer Art. Euer Haus jedoch, es stach heraus. Auf der Garageneinfahrt schien nie ein Auto gestanden zu haben oder gefahren zu sein, es war eher wie zwei ausgestreckter Arme für Fahrräder oder eine Gruppe von Gästen. Daneben war der geradezu eng wirkende Aufgang zur Haustür, an der Säule dazwischen rankten sich grüne Zweige und Blätter empor. Der Garten schien ungepflegt, doch wenn man erst einmal darin stand, merkte man, dass ihr das Grün zur Straße hin unbeschnitten wachsen ließt, damit ihr in aller Ruhe dahinter ein wenig Gemüse anbauen konntet oder in gemütlicher Runde um den Tisch saßt, während die Luft süßlich roch.

Die Rückseite des Hauses schien wie überdacht von all den Ästen und Zweigen, ihr hattet euer kleines Reich mitten in der Stadt und vermutlich ärgerten sich eure Nachbarn über euch, weil sie das Leben nicht mehr sahen, was bei euch vorherrschte und was sie von ihrem Grundstück zu verbannen suchten.

Dein Zimmer war im oberen Stockwerk. Der rote, weiche Teppich lud dazu ein, sich darauf zu legen, die Augen zu schließen und die Welt an sich vorbei ziehen zu lassen. Nicht anders war es bei der alten, verblassten, grünen Couch, in die man so tief versank, dass einem das Aufstehen wie ein nicht zu bewältigender Kraftakt erschien. Dein Bett war schlicht und angenehm hart. So wenige Möbel und doch so viel Leben, durch die tonfarbenen Tücher an den Wänden. Wie oft saßen wir auf deinem Balkon, führten philosophische Gespräche, die nie ein Ziel verfolgten und meist von einem Thema zum nächsten sprangen, bevor wir nicht mehr wussten, worüber wir eigentlich diskutierten. Wir kuschelten uns auf dem übergroßen, geflochtenen Sessel zusammen und wurden jedes Mal aufs Neue von deiner Mitbewohnerin überrascht, wenn diese über ihr Zimmer auf diesen überlangen Balkon trat. Wir pusteten so gern Seifenblasen in die Luft und sahen, wie sie davonschwebten.

Nun ist es mit dir, wie mit jenen Seifenblasen: auch du bist fortgeschwebt. Jedes Mal, wenn ich an eurem Haus entlangkomme, springt mir das Herz vor Freude und so gern würde ich wieder zu dir nach oben stürmen und philosophieren oder Seifenblasen beim Schweben beobachten…

Kurze Minuten…

Eine riesige Gleisunterführung, die vollkommen ruhig ist. Keine Menschenseele, nur das Hallen der Schritte eines Pärchens. Er witzelt darüber, dass man bei so wenig Personenverkehr in dieser großen Halle miteinander intimer werden könnte. Beide schauen sich um und lassen den Gedanken für eine Sekunde zu, bevor sie wissen, dass es so nicht passieren soll, trotz aller Lust.
Sein Zug wird erst in zwanzig Minuten eintreffen und von ihr fortreißen. Es sind kurze zwanzig Minuten, die mit ein paar witzigen Sprüchen gefüllt werden, die das Unbehagen über den nahenden Abschied überdecken. Als die Zugansage ertönt, scheinen gerade mal vier bis fünf Minuten vergangen, doch tatsächlich waren es kurze zwanzig Minuten. Ein letzter Kuss… ein letzter Blick… er streift sich die Halskette ab und versucht sie ihr vorsichtig über den Kopf zu ziehen, doch schafft er es nicht ohne ihre Hilfe. Der Zug steht bereits neben ihnen und die Menschen steigen aus. Nur noch ein letzter Kuss zum Abschied. Die Minuten, die ihm Stunden zuvor endlos lang erschienen, zerschmolzen zu Sekunden.

Zitternde Finger

Da standen wir nun. Das knöchelhohe Gras war ebenso feucht, wie die Luft, die vom Regen gewaschen wurde. Wir blickten auf den trostlos aussehenden Fluss und ich wollte dich nicht aus meiner Umarmung lassen, aus der du dich aber immer wieder befreitest, um mich besser küssen zu können. Dein Hemd war mindestens zwei Knöpfe zu weit geöffnet, doch in meinem Kopf waren es noch zwei Knöpfe zu wenig. Die Zeit war in diesem Moment gegen uns, denn ich würde gehen müssen, würde dich zurücklassen und mich verabschieden. In diesem Moment spürte wir nur uns. Der Nieselregen interessierte nicht, doch er kühlte uns ab, zumindest versuchte er es. Wir berührten uns an den Armen, am Po und dann konnte ich nicht widerstehen und legte meine Hand unter dein Hemd. Du zucktest zusammen, war meine Hand doch zu kalt geworden. Meine Finger zitterten, als sie dich auf diese Weise noch etwas quälten, doch unsere Blicke und der nächste Kuss verrieten mir, dass du es mir nicht verübeln konntest.

Lange Minuten

Der Zug schaukelt seine Gäste durch, der Zielbahnhof rückt unaufhaltsam näher und der Blick auf die Uhr zeigt, dass es nur noch wenige Minuten sind, bis man sie sieht… in den Arm nimmt… spürt… mit jeder Sekunde, die verstreicht, wächst die Ungeduld vor diesem schönen Moment. Die anderen Reisenden sehen am Lächeln, dass es einem gut geht. Auch sie freuen sich auf den nahenden Bahnhof, doch dieses Kribbeln scheint nur einer Person in diesem Waggon vergönnt zu sein.

Aller Anfang ist schwer

In diesem Fall ist der Anfang gar nicht so schwer. Dies ist nicht mein erstes Blog, aber zumindest mein erstes hier bei wordpress und noch versuche ich ein ansprechendes Design einzuarbeiten.

Ich werde hier in unregelmäßigen Abständen kleine Geschichten oder auch private Einblicke in mein Leben geben. Ich danke den Lesern für Feedback und für ihr Interesse und wünsche euch einen schönen Tag.