Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 5 – Stumme Kriegszeugen

Zum Beginn der Geschichte

Wir fuhren durch kroatische Dörfer, die offensichtlich nicht für Touristen gemacht waren. Sie waren schlicht, aber vor allem erblickte ich viele Häuser mit Einschusslöchern und abgeplatztem Putz. Ich weiß nicht, ob es Pete auch so ging, aber mich machte der Anblick nachdenklich. Ziellose, wirre Gedanken, die nur einen Zweck besaßen: mich zum Schweigen zu bringen. Zu oft nehme ich die Welt um mich herum nicht wahr. Ich höre Musik oder rede mit Freunden. Vielleicht lasse ich mich auch von Verkehr und Werbung ablenken. Hier sollte das nicht passieren. Ich wollte das Leben in dieser Trostlosigkeit voll und ganz aufnehmen. Wie das wohl für die Menschen ist, für die dieser Anblick zum Alltag geworden ist. Ist ihr Gemüt ständig ein wenig bedrückt, ohne dass sie es wissen?

Erst die Grenzkontrolle zu Serbien riss mich aus meinen Gedanken. Ein Land ließen wir hinter uns, um in ein anderes zu kommen, doch die Welt sah auf beiden Seiten gleich aus. Nur wenige Meter können entscheiden, mit welcher Nationalität du aufwächst. Nicht, weil du diese Grenze gezogen hast, sondern weil sie irgendjemand zog und wie oft mussten davor unzählige Menschen dafür sterben? Auf der einen Seite isst man von goldenen Tellern und auf der anderen verdursten die Menschen. Auf welcher Seite du das Licht der Welt erblickst, ist pures Glück und nichts, was du dir aussuchen kannst.

Teil 6