Ein Katzensprung

Es war wieder einer von diesen Tagen, die sich schier endlos in die Länge zogen. Mir war die Lust vergangen. Irgendwas arbeitete in mir und ich wollte mich nicht damit auseinandersetzen. Ich wollte mein Leben genießen, ich wollte meine Freiheit genießen. Stattdessen fühlte ich mich verletzt, es kam mir vor, als hätte man mich weggestoßen. Freundschaften zerbrechen manchmal. Ich beschloss, ein wenig zu spazieren. Das Auf und Ab meiner Füße würde mir wieder Halt geben. Die Sonne knallte mir auf den Körper und ich kämpfte nicht dagegen an. Ich nahm die Schwere auf und setzte einen Schritt vor den anderen. Immer weiter. Es gab kein Ziel, höchstens ein Inneres. So lief ich eine kleine Ewigkeit und kam wieder bei mir an. Nichts hatte sich in mir getan. Bevor ich die Haustür erreichte, kreuzte eine kleine Katze meinen Weg. Ich begab mich in die Hocke und sie sprang mir auf den Schoß. Als Katze ist das einfacher, dachte ich mir. Niemand misstraut dir, man akzeptiert und liebt dich einfach für das, was du bist. Merkwürdig, dass wir Menschen uns immer mit Regeln aufladen, die uns einschränken und betrüben. Ich kraulte das süße Wesen und irgendwann sprang sie von mir herunter und zog weiter. Ich mochte sie und es war schön, ihre Freiheit bewundern zu dürfen.

Akzep-Tiere

Wir akzeptieren, dass Menschen mit Geld mehr Macht haben, als unsere Parlamente.

Wir akzeptieren, dass sich Menschen erschießen, weil es ihnen jemand befohlen hat.

Wir akzeptieren, dass Menschen anders behandelt werden, weil sie ein willkürlich ausgewähltes Attribut besitzen.

Wir akzeptieren, dass wir Menschen nach Alter sortieren und entsprechend verwahren.

Wir akzeptieren…zu viel. Wir sind Akzep-Tiere. Wo ist unser Wille hin?

Echte Menschen

Das ist ein echter Mensch. So nannten wir jene, über die wir sonst immer so gern spotteten. Aber in dem Moment versuchten wir sie ernst zu nehmen. Wir wollten ihnen die Anerkennung dafür geben, dass sie so sind, wie wir es uns nie trauen würden. Sie, die sie durch ihre Zahnlücken lachen. Sie, die mit fettigen Haaren und im schief sitzenden, rosa T-Shirt einkaufen gehen. Sie, die wir als verblödete Fernsehschauer einzustufen glauben. Sie, die einfach leben.

So kommt es uns vor und so sehr wir sie höher schätzen wollen, indem wir sie „echt“ nennen, so sehr betrügen wir uns selbst. Wir kategorisieren sie und halten uns weiterhin für besser. Einzig beruhigend könnte sein, dass sie womöglich ebenso geringschätzig auf uns blicken. Diese „echten“ Menschen sind welche, denen ich hin und wieder begegne. Sie sind nicht echter oder weniger echt, als ich es bin. Sie sind auch nicht glücklicher oder unglücklicher. Sie sind anders – oder ich bin es, je nach Sichtweise. Und sie sind so gar nicht anders. Man müsste eben nur aus der eigenen Schublade heraus und sollte die anderen nicht in welche stecken.

Von Glühwürmchen und Fröschen

Als ich eben auf dem Heimweg überlegte, was ich der jüngsten Tochter meiner Mitbewohnerin zu ihrem vierten Geburtstag schenken könnte, kam mir die Idee einer Geschichte, die ich hier gern auch noch veröffentlichen werde. Es ging dabei um einen ganz besonderen Frosch, welcher ausgegrenzt wird, weil er eine besondere Eigenart hat. Jene Eigenart ist dann am Ende natürlich die Rettung für alle Frösche und so finden sie zusammen und lernen mit den Unterschieden und Besonderheiten umzugehen. Ich hatte die Geschichte fast fertig durchdacht, da quakte es neben mir, als wollten man mir zustimmen. Ich ließ meine Gedanken zu der Geschichte ruhen und ebenso mein Rad rollen, als mich von links zwei grüne Punkte anleuchteten. Glühwürmchen warteten dort auf mich, vollkommen ruhig und einfach nur leuchtend. Klar, dass die nun auch eine Rolle in der Geschichte bekommen werden. Es hat mir selbst mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, die Sinne schweifen zu lassen und die Natur wahrzunehmen. Diese kleinen Wunder und Schönheiten, die in jeder Sekunde Teil unseres Lebens sein könnten, wenn wir sie nicht verpassen würden, weil wir Terminen nachjagen oder auf unsere Handydisplays schauen. Ich habe mein Handy dann aber doch gezückt und die leuchtenden Wesen festgehalten. Wer weiß schon, wann ich wieder das Glück habe, ihnen begegnen zu dürfen.
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Freedom of Speech

Wer zehn Minuten Zeit hat, der kann sich gern mal folgendes Video anschauen, auf das ich stieß. Vielen Dank an Mary für diesen Eintrag, der mich dorthin führte, ich hoffe, es ist okay, dass ich Dich hier ungefragt verlinke.

Wem das zu lang ist, dem erkläre ich fix, was ich gesehen habe:

Dr. Reza Aslan (er ist Religionswissenschaftler) schrieb ein Buch über Jesus. Er selbst ist Muslim und deswegen sollte er auch nicht über Jesus schreibe, so die Meinung der Interviewerin.

Mir geht es weniger um die Dummheit, die in solch einem kategorisierenden Denken steckt, denn folgt man dieser Denke, dürfte ich nur mit Leuten sprechen, die genau meiner Meinung sind und das sind…Moment…oh…NULL MENSCHEN.

Es geht mir um die so hochgelobte Meinungsfreiheit, die uns gestattet, Karikaturen über den Propheten Mohammed zu drucken, die es aber einem Muslim verbietet, über Jesus zu schreiben und das in einer ernsthaften und wissenschaftlichen Form…man sollte sich nicht über das Interview aufregen, das ist unsinnig.Stattdessen sollte sich jeder Mensch fragen, wo die eigenen Grenzen sind. Finde ich es lustig, wenn jemand meine Mutter beleidigt? Aber wenn es doch nur Satire war?

Meinungs- und Pressefreiheit haben einen Zweck, nämlich gegen Missstände aufzuklären. Meist sind diese politischer Natur, aber sie können auch religiöser Natur sein. Ich könnte mich über einen Jesus amüsieren, der mit dem Kreuz auf dem Rücken über den mittleren Osten fliegt, eine Bombe abwirft und dann zu einer Taube „Peace“ zwitschert.

P.S. bevor das zu einer Diskussion über die Rechtmäßigkeit von Anschlägen usw. wird. Darum geht es mir nicht. Wer mich liest und kennt, weiß dass ich Gewalt verabscheue und sie niemals rechtfertige. Es geht mir allein darum, dass wir ganz ehrlich unsere eigene Einstellung überprüfen. Jeder von uns.

Folterbank 2.0

Es ist ja eigentlich schon zum Lachen, wenn es nicht so verdammt traurig wäre. Aber was sich mancherorts ausgedacht wird, um mit Obdachlosen umzugehen. Ich nehme an, dass der Grundgedanke dabei ist, dass Obdachlose nur deswegen vorhanden sind, weil wir ihnen den Platz zum Übernachten auf Parkbänken, in einer trockenen Bucht an einer Häuserfassade oder unter Unterführungen bieten.

Anders lässt sich zumindest nicht erklären, wie man sonst auf die Idee kommt, Sitzbänke zu umzäunen oder sie mit Stacheln zu versehen, die sich beim Einwurf von 50 Cent in einen Schlitz einziehen. Das sind wohl die neues Mittel aus Frankreich: #Angouleme und #SDF sind die nötigen Schlagworte, die die Bilder dazu zeigen. In London ist es gerade ein halbes Jahr her und das Echo hätte man auch in Frankreich vernehmen können.

Der wahre Grund für solche Aktionen ist natürlich, dass man die Obdachlosen aus dem Sichtfeld haben will. Erstrecht in Innenstädten, wo die Leute doch gut gelaunt ihr Geld für Einkäufe ausgeben soll, die sollen doch kein schlechtes Gewissen haben. Wenn man mal so schaut, dann packt man kranke und alte Menschen weg, man steckt Behinderte in Heime und Obdachlose soll auch niemand zu sehen bekommen, denn sonst glänzen die frisch gewaschenen Scheiben nur noch halb so schön in der Sonne und die Fassade der Perfektion bröckelt. Dabei täte uns eine gehörige Priese Realität gar nicht schlecht.

Ich versprach neulich dem Blogger DenkenderTraum, dass ich eine Videoerklärung über Autisten rebloggen würde und möchte dies nun untermalt von den Worten Richard von Weizsäckers auch tun, welcher sagte: „es ist normal, verschieden zu sein“:

Oder um mal Worte zu nutzen, die mir neulich schon in der Diskussion um die ausländerfeindlichen Demos durch den Kopf gingen:
Sind wir, was wir sehen? Sehen wir, was wir sind?