Der ganz normale Wahnsinn

Vor ein paar Jahren brauchte ich für die Anmeldung zum Staatsexamen eine beglaubigte Kopie meiner Geburtsurkunde. Dumm wie ich bin, ging ich hier vor Ort aufs Amt, natürlich ohne vorher einen Termin zu machen. Als ich dann irgendwann mein Anliegen vortragen durfte, wurde mir mitgeteilt, dass solch eine Urkunde bzw. eine Kopie davon nur in der Behörde meiner Geburtsstadt ausgestellt werden würde. Ich war tatsächlich davon ausgegangen, dass die Behörden miteinander arbeiten würden. So ging ich nach Hause und dumm wie ich bin rief ich dort an, um es mir schicken zu lassen, denn die Frist für die Abgabe war nicht weit entfernt und das Geld für die Heimreise war eigentlich nicht vorhanden. Am Telefon dann kam die Ernüchterung, ich dürfte das nur persönlich dort abholen. Solch eine Unterlage wird nicht per Post verschickt. Es leuchtete mir ein und ich machte mich wenige Tage später auf den knapp 500km langen Heimweg. Zum Amt ging ich mit meinem Vater, er hatte selbst etwas in der Stadt zu tun und so kreuzten wir gemeinsam in der Behörde auf. Ich erinnere mich nicht, nur ein Wort von mir gegeben zu haben, stattdessen hatte mein Vater mit einer Dame gesprochen. Keine drei Minuten später wurde ihm ein Briefumschlag mit meiner Geburtsurkunde überreicht und wir gingen wieder. Meinen Personalausweis oder irgendein anderes Identifikationspapier habe ich nie vorgezeigt, ebenso wenig tat es mein Vater. Er kannte die Dame.

Am Samstag finden in vielen Städten Improvisationsshows statt, welche Spenden für Flüchtende sammeln. Ich werde für eine Szene verantwortlich sein und möchte sie mit dieser kurzen Geschichte beginnen, die unter der Frage steht: „Was ist für dich Heimat.“