Die Falltür

Ich weiß nicht genau, was ich mir dabei gedacht hatte, in das verlassene Haus zu gehen. Vermutlich war es die unstillbare Neugier in mir, die jedoch nicht selten vom anerzogenen „Das macht man aber nicht“ in Zaum gehalten wurde. Ich war schon so oft in diesem Wald spazieren gewesen und unzählige Male an dem Haus vorbeigelaufen.

Der menschenhohe Zaun war Abschreckung genug, obgleich er rostig und verbogen war. Die Fenster waren zum Teil mit einem Verschlag geschützt und zum Teil eingeworfen. Es war offensichtlich, dass hier niemand wohnte und dennoch war mir immer klar, dass ich das Grundstück nicht zu betreten hatte. Warum ich eintausendmal das gleiche machte und es beim eintausendersten Mal anders handhabte, bleibt aber die Frage. Ich war nicht betrunken oder hatte einen Grund entgegen meiner üblichen Verhaltensweisen zu agieren. Vielleicht ist das aber auch nur das Quäntchen Menschlichkeit in mir, welches opponierte, als ich die offene Stelle am Zaun erblickte. Ich kroch an der Stelle durch die Absperrung und umrundete das Haus.

Es sah gespenstisch aus. Es gab ein Fenster oben in der Dachspitze, dort hing eine weiße Gardine und ich bildete mir für einen kurzen Moment ein, dass diese sich bewegt hatte. Ich wusste, dass sie das nicht getan hatte, denn die sah schon immer so aus. In meiner Phantasie aber lebte dahinter eine alte Frau. Eigentlich schon tot, aber eben nicht willens zu gehen. Hin und wieder sah sie durch die Gardine, wer unten auf dem schmalen Pfad entlangging. Es schauderte mich, doch ich schmunzelte darüber, was ich mir da ausmalte. Die Haustür war verschlossen und ebenso die Balkontür auf der Rückseite. Allerdings gab es eine eingeworfene Fensterscheibe im Erdgeschoss, die mein Einstieg sein sollte. Ich war nicht die erste Person, die auf diesem Weg ins Haus eingedrungen war, denn die Splitter waren alle beseitigt.

Hinter dem Fenster erwartete mich eine Küche. Ich war erstaunt, wie wenig ihr das offene Fenster und die Zeit angehabt hatten. Ich hatte mit sehr viel Dreck und wild wuchernden Pflanzen gerechnet. Aber im Dunkel sah es eher so aus, als würde nur überall eine dicke Staubschicht liegen. Auch war von den Fenstersplittern selbst hier drinnen nichts zu finden. Mir schlug das Herz und ich überlegte, ob ich das Haus wieder verlassen sollte. Dann redete ich mir gut zu. Es war unsinnig, sich zu fürchten. Ich überlegte „Hallo“ zu rufen, doch ich traute mich nicht. Ich setzte vorsichtig einen Schritt vor den anderen. Der Boden war gefliest und ich hörte das Knarzen des Drecks unter meinen Schuhen.

Die offene Tür zeigte in den Flur, über den ich auch zur Eingangstür kam. Hier hatte man sich für einen Holzboden entschieden. Ich ging zur Haustür und spürte, wie sehr das Holz unter den Schuhen nachgab. Dabei knackte es und ich bekam eine Gänsehaut. Die Haustür wollte ich von innen öffnen, so hätte ich mehr Licht und wie ich mir eingestand auch einen Fluchtweg, doch auch von dieser Seite ließ sie sich nicht öffnen. Ich drehte mich um und überlegte in das Zimmer gegenüber zu gehen, dort dürfte die Balkontür sein und diese konnte ich womöglich öffnen. Wieder knarzte das nachgebende Holz unter mir und plötzlich krachte es. Der Boden gab nach und ich landete etwas tiefer, rutschte noch ein Stück. Immer wieder fand ich kurz Halt und verlor ihn wieder. Dann knallte mir etwas auf den Kopf.

Ich ging durch einen langen Gang. Links und rechts waren verschlossene Türen. Ich versuchte gar nicht erst sie zu öffnen, sondern folgte dem Gang bis zum Ende. An der letzten Tür klopfte ich und eine alte, warme Stimme rief: „Herein.“ Ich folgte der Anweisung und wurde geblendet von der Helligkeit, die durch das Balkonfenster ins Zimmer strahlte. Die Tür schloss ich hinter mir und sah mich um. Links stand ein großes Bett mit beigefarbenem Bezug, daneben jeweils ein Nachttisch. Dahinter ein kleiner Sekretär mit einem Stuhl davor. Dann gab es auf der anderen Seite des Zimmers einen wadenhohen Tisch, der von einer Couch und einem Schaukelstuhl umrundet wurde. Der Schaukelstuhl war mir mit seinem Rücken zugedreht, schaukelte aber vor sich hin. Hier saß also die alte, warme Stimme. Ich ging an dem Stuhl vorbei Richtung Balkon und drehte mich dann um. In dem Stuhl saß eine kreidebleiche Frau. Sie war nicht lebendig, hatte aber eine Tasse in ihrer rechten Hand. Mir wurde schlecht und ich ging noch einen Schritt zurück, dabei stolperte ich über die Leiste der Balkontür, ich versuchte mich abzufangen mit dem nächsten Schritt nach hinten. Dann spürte ich das Geländer im Rücken und stürzte in die Tiefe.

Ich erwachte und es war wieder dunkel. Der Kopf tat mir weh und das einzige Licht kam von schräg über mir. Ich spürte eine nasse Stelle in meiner Hose, ich war wohl komplett weggetreten. Ich versuchte aufzustehen, musste mich dafür aber von einigem Gerümpel befreien, das auf mich gefallen war. Der Körper schmerzte und vorsichtig stieg ich die Treppen wieder hinauf. Ich hatte für heute genug von dem Haus und machte mich durchs Küchenfenster wieder raus. Beim Gehen blickte ich nochmal nach oben zu dem Fenster, es schauderte mich, denn ich war mir sicher, dass ich dort eine Gestalt gesehen hatte.

Der Weg zurück war länger, denn ich humpelte vor mich hin. Meine nasse Hose war mir egal. Auch fühlte ich mich trotz der Schmerzen stärker. Ich hatte mich einfach etwas getraut. Das hatte Kratzer und Beulen hinterlassen, ja so manche Spur dürfte auch in Zukunft von diesem Abenteuer zeugen. Doch ich war stolz auf diese Male.

Schatten

Mir war vollkommen klar, dass es eine dumme Idee gewesen war, ohne Helm ein Longboard zu fahren, ganz besonders, da ich es noch gar nicht konnte. Aber eben deswegen hatte ich auf einen Schutz verzichtet, denn wirklich schnell wird man am Anfang ja gar nicht, dachte ich mir. Ich sollte mich täuschen, ich wagte so einige Tritte der Beschleunigung und genoss mein wehendes Haar im Wind. Zum Arzt musste ich aber nicht wegen der schnellen Fahrt, sondern wegen eines Anfahrtsversuchs als ich mich auf dem Heimweg befand. Ich stand zu weit hinten auf dem Brett und verlor wegen eines Steinchens das Gleichgewicht. Wer hätte ahnen können, dass es einen so dermaßen nach hinten wegreißt. Ich konnte mich recht gut mit den Händen abfangen, doch der Hinterkopf schaffte es dennoch auf den Asphalt. Wäre ich allein gewesen, so hätte ich mich gar nicht groß drum gescherrt, aber meine beste Freundin machte sehr deutlich klar: „Wir gehen jetzt sofort zum Arzt.“ Ich motzte ein wenig rum, aber sie war schon immer dickköpfiger als ich, und so landeten wir beim Arzt, der mich in irgendeine Röhre steckte.

„Herr Fröhlich, ich sehe auf den Bildern keine Verletzung, aber es war gut, dass sie hergekommen sind, der Sturz war wohl von oben gewollt.“ Es ist gut? Der Sturz war von oben gewollt? Ich halte nichts von Vorsehungen oder glücklichen Zufällen, das ist einfach das Leben. Aber warum es gut sein sollte, wollte mir nicht klar werden. Ich hatte leichte Kopfschmerzen und der weiße Kittel sagte mir, dass das gut sei? Ich sah ihn halb genervt, halb verständnislos an. „Nun, ich habe auf den Bildern einen Schatten gesehen, das sollte untersucht werden. Ist vermutlich nichts schlimmes…“ ich hörte ihm nicht mehr zu, sondern nickte nur, wenn ich merkte, dass er seine Rede pausierte. Ich fragte mich weiterhin, was daran jetzt gut sein sollte und warum Ärzte eigentlich keinen Kurs in Einfühlvermögen bekommen und es immer eine Glücksfrage sei, an welchen man geriet. Okay, es gibt kein Glück, hatte ich fast vergessen. Das ist das Leben. Ich verabschiedete mich und bekam ein Kärtchen mit einem Termin in die Hand gedrückt. Anscheinend hatte ich einen mit ihm vereinbart. Es war mir egal. Ich beschloss, meiner besten Freundin vorerst nichts zu erzählen, außer dass der Sturz keine Folgen hatte.

Auf dem Heimweg schwiegen wir und ich dachte: Ein Schatten auf den Bildern. Ich wollte keinen Schatten. Den hatte ich nicht bestellt. Den einzigen Schatten, den ich sehen wollte, war der unter mir, wenn ich wieder auf dem Brett stand und mir die Sonne auf den Kopf schien. Meine Hände zitterten und mein Herz pochte wild. Mir wurde schlecht und ich übergab mich kurzerhand ins Gebüsch neben dem Weg. Die beste Freundin sah mich bestürzt an. Ich erklärte, dass mir noch ein wenig schwindelig von heut Morgen sei. Vielleicht eine leichte Gehirnerschütterung. Wer weiß. Ich wusste es. Ich wusste, was mir den Magen umdrehte. Zuhause angekommen, verspürte ich Lust auf den kaltgestellten, offenen Weißwein. Ich nahm einen Schluck direkt aus der Flasche. Er schmeckte nicht, also spuckte ich ihn wieder aus. Ich tauge nicht zu diesen Filmhelden, die in ihrer Coolness ein Glas Whiskey nach dem anderen runterspülen und sich dazwischen ne Kippe anstecken. Von letzteren musste ich immer husten. Ich wollte auf etwas draufhauen und bevor ich recht darüber nachdachte, sollte die Wand herhalten. Es stellte sich heraus, dass diese um einiges härter war als meine Faust. Der Schmerz tat gut. Er pulsierte und ich genoss das Gefühl, des immer wiederkehrenden Stiches, der durch die Hand ging. Ich setzte mich und spürte dabei mein Portemonnaie in der Gesäßtasche, welches ich herausholte. Der Zettel mit dem Termin lugte daraus hervor. Ich sah ihn mir an. Mittwoch in einer Woche. Ich beschloss hinzugehen.

Haarige Angelegenheiten

Ich hatte mich an die Gesetze gehalten und wurde doch bestraft. In manche Situationen gerät man einfach – da kann man nichts gegen machen. Ich war in der sechsten Klasse und meine Mutter schnitt mir bis dahin immer die Haare. Ich vertraute ihr, obgleich sie mir einmal ins Ohr geschnitten hatte. Sie hat das bis heute nicht vergessen können, während es für mich eine Erinnerung ohne Emotion ist. Ich denke, dass es nicht so tief ins Fleisch ging, denn es gibt weder eine Narbe noch sonst ein Anzeichen jener Wunde. Mein Vertrauen hatte sie deswegen nicht verloren. Vielleicht auch weil ich wusste, dass dieser Schnitt ihr mehr weh getan hatte, als mir. Womöglich hatte sie die Schmerzen verspürt, die ich hätte spüren müssen, wer weiß. Auf jeden Fall war es ihre Sache, mir die Haare zu schneiden, denn damit fühlte ich mich wohl. Wenn ich mir die Fotos früherer Tage so anschaue, hat sie es schon ganz gut gemacht. Ich fühlte mich nie schön mit diesen hässlichen Brillen, die ich trug und da war der Haarschnitt eh egal. Oder eben auch nicht. Meine Frisur wurde von meiner Mutter gemacht und das war gut so.

Nun ergab es sich, dass sie auf einer Dienstreise war und meine Haare dennoch geschnitten werden sollten. Da mein Vater ein pragmatischer Mensch ist, nahm er die Sache in die Hand. Vermutlich wusste er, dass er mit Kamm und Schere nichts Gescheites zustande bringen würde und so nutze er den Haartrimmer. Ich denke, dass er das ganz praktisch fand: Es würde schnell gehen, sauber aussehen und für die nächsten Wochen wäre es mit dem Haarschneiden vom Tisch. Er ließ den Trimmer lärmen und ich sah auf dem Boden, wie sich Haarbüschel häuften. Schon erstaunlich, wie viele Haare das dann sind, wenn man sie zu einem Haufen kehrt. Beim Blick in den Spiegel erschrak ich. Das war nicht ich, den ich da anblickte. Ich weinte, denn ich wusste, dass es keinen Ausweg aus der Situation gab. Die Haare waren ab.

Am nächsten Tag ging ich zur Schule. Es war kühl am Kopf und ich behielt meine Kapuze auf, um ihn zu wärmen. In der Schule angekommen, setzte ich die Kapuze nicht ab. Die ersten zwei Stunden vergingen und nichts geschah. Die Hofpause überstand ich und auch in den folgenden zwei Stunden störte sich niemand an meiner Kopfbedeckung, die mir so viel Sicherheit gab. Es gab Mittagessen und wir versammelten uns im Esszimmer. Es gab bei uns keine Kantine, dafür war die Schule viel zu klein. Ich aß mein Essen und redete mit meinem besten Freund. Der ganze Raum war im typischen Lärm, der entsteht, wenn Kinder essen und dabei ein wenig reden. Der Lärm wurde jedoch von einem Moment auf den nächsten durch eisige Stille ersetzt, als mich eine Lehrerin ermahnte, meine Kapuze beim Essen abzusetzen: „Du setzt die Kapuze ab oder du darfst nicht essen!“, forderte sie. Nun war diese Lehrerin nie für mich verantwortlich gewesen, aber sie war niemandem unbekannt. Sie war streng und man hatte Angst vor ihr. Ich hatte sowieso Angst. Das hatte ich eigentlich immer, aber bei ihr nochmal mehr. Ich war nie ein Rebell gewesen und ich widersprach auch nie, sondern tat immer wie mir geheißen. So auch in diesem Moment: Ich schob meinen Teller von mir weg und erfüllte damit die gegebene Anweisung. Es hätte damit gut sein müssen, dachte ich mir. Immerhin hieß es in den Werbematerialien der Schule immer, dass man hier angstfrei lernen könne. Nun ja, zumindest durfte ich nicht angstfrei essen. Denn es war mit dem Wegschieben des Essens nicht getan. Das würde die Autorität der Lehrerin untergraben. Dass sie das aufgrund ihrer schwammigen Aussage selbst zu verantworten hatte, war ihr vermutlich gar nicht bewusst. Sie hatte wohl schon vergessen, dass sie sagte: „Du setzt die Kapuze ab oder du darfst nicht essen.“ Ich war mir keiner Schuld bewusst. Aber sie forderte mich wieder auf, die Kapuze abzunehmen. Mir standen Tränen in den Augen, denn ich wollte diese Scham nicht. Ich wollte nicht im Mittelpunkt dieser Situation sein und ich wollte meinen fast kahlen Kopf nicht präsentieren. Aber schlussendlich tat ich, wie mir befohlen wurde. Die Lehrerin schwieg und die Tage und Jahre vergingen.

Ich habe diese Situation nicht vergessen und ich ärgere mich darüber. Mich ärgert, dass ich nicht gegen die Lehrerin angekämpft habe. Im schlimmsten Fall wären wir zum Rektor gegangen. Ein gutherziger Mann mit großem Bauch. Er hätte mir natürlich erklärt, dass es diese Regel gäbe und dass er verstehen würde, wenn ich mich für die Frisur schäme, obgleich er dafür gar keinen Grund sehe, weil ich damit auch schön aussehen würde. Und danach hätte er sich zu zweit mit der Lehrerin unterhalten und sie gefragt, was mit ihr eigentlich nicht stimmen würde, einen jungen Schüler so vorführen zu wollen.

Ich musste irgendwann jene Kapuze absetzen, das war unvermeidlich, ich hätte nicht über Wochen so rumlaufen können. Ich bin auch nicht betrübt darüber, dass man mir in einer gewissen Weise Leid zufügte, indem man zuerst die Haare abrasierte und mich dann später dafür in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte und mich dort leiden ließ. Ich denke, dass ich daran gewachsen bin. Aber ich hätte noch weiterwachsen können. Ich hätte aufstehen können und mich gegen eine falsche Behandlung wehren müssen, damit sie nach mir womöglich nicht nochmal jemanden traf. Ich komme heute manchmal in Situationen, in denen ich auch die Wahl habe, ob ich sitzen bleibe oder aufstehe. Ich muss eigentlich nie für mich aufstehen und ich hoffe, dass ich gelernt habe immer für Andere aufzustehen.

Die Masse

Ich habe Angst vor Menschenmassen. Es ist kein Dauerzustand, aber wenn ich in die Stadt gehe und die menschenüberfüllte Brücke überqueren muss, beginnt mein Puls zu steigen und ich bin froh, wenn ich dieses Gewirr hinter mir gelassen habe.

Wenn ich feiern gehe und die Menge anfängt zu schubsen und springen, versuche ich mich herauszuwinden, denn ich fühle nicht, dass sie mich schützen würden. Und wenn sie betrunken über ihre Witze lachen, fliehe ich, denn diese Witze sind selten lustig.

Wenn die Masse ein Individuum verurteilt, weil sie jesusgleiches Verhalten erwarten und dabei gar nicht merken, dass sie den ersten Stein werfen. Aber sie werfen den ersten Stein und sie werfen so lange weiter, bis ihr Opfer blutend am Boden liegt und sich nicht mehr regt.

Ich habe Angst vor Menschenmengen, weil sie mich in ihrer Art bedrängen.

Ich habe Angst vor Menschenmassen, weil sie ihre Opfer endlostief hassen.

Nur Mut

Ich denke oft darüber nach, wie sehr die Angst vor etwas der alleinige Grund ist, weshalb eine Sache nicht klappt. Angst und Abneigung haben aus evolutionärer Sicht ihre Berechtigung, denn sie schützen uns vor zu hohem Risiko. Ich fuhr gestern mit meinem Rennrad über lockeren Kies und das Angstgefühl vor jener Stelle hat mich sehr langsam und vorsichtig fahren lassen. Vorweg kann ich schon sagen, dass nichts passiert ist, aber mein Gefühl und auch meine Erfahrung haben mir gezeigt, dass es sicherer gewesen wäre, einfach drüber zu fahren, anstatt nur auf den einen Kiesel zu warten, der das Rad aufspringen lässt, mich ins Schwanken bringt und mich dann in die Tiefe reißen würde. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie ich mich entwickeln werde:

1. Ich überwinde die Angst und werde entspannter und somit auch schneller und unachtsamer über den Kies fahren. Womöglich wird mich das irgendwann mal vom Rad holen, aber ich werde aufstehen und weiter machen.

2. Ich gebe dem Angstgefühl nach und werde weiterhin vorsichtig sein. Womöglich versteife ich mich dann in einem kritischen Moment und lege mich ebenfalls hin, allerdings bei geringem Tempo.

Option 2 klingt eigentlich gesünder, doch genau hier möchte ich ansetzen. Denn wird meine Angst nicht immer weiter zunehmen? Werde ich nicht jedes Mal absteigen, wenn mir Kies in die Quere kommt? Die Angst zu überwinden und sich einer Gefahr auszusetzen, trägt den Gewinn mit sich, dass man sich um mögliche Probleme erst dann Gedanken macht, wenn sie tatsächlich auftreten. Zu einem gewissen Maß ist es nicht unwichtig, sich Gefahrenquellen von vornherein bewusst zu werden und diese nach Möglichkeit gering zu halten, doch alle Eventualitäten lassen sich nicht ausschließen und die wichtigste Frage bleibt am Ende, wie spannend so ein Leben wohl sein mag, das frei von Gefahren ist und somit auch frei von jeder Überraschung. Frei von jeder Veränderung. Ich habe in meinem Leben oft Angst gehabt und ich habe ihr oft nachgegeben. Womöglich ist meine Nase deswegen noch heil, ich habe mir nur einmal einen Knochen gebrochen und ich habe noch alle Zähne im Mund. Nur welchen Spaß habe ich deswegen teilweise verpasst?

Es ist Sonntag und bald schon 20:00 Uhr. Seid spontan und macht noch was schönes mit dem Abend! Lasst den Fernseher aus und schaltet den Laptop oder PC ab. Schaut mal, was euch der Abend noch so bringt, wenn ihr ungeplant noch schnell in die Stadt geht und morgen unausgeschlafen auf Arbeit erscheint! Das Leben wird es euch nicht übel nehmen.

Gallallee

Auf der Gallallee unterwegs zu sein, das war nicht gerade mein innigster Wunsch, eigentlich war es etwas, dass ich höchst ungern erlebe, aber es war passiert. Ich hatte in den letzten Stunden die verschiedensten Sorten Alkohol konsumiert – Nein, ich hatte sie mir hinter geschüttet, als gäbe es kein Morgen mehr und nun würgte ich mir förmlich die Galle heraus. Tränen waren mir in die Augen getreten und man könnte vermuten, ich würde mein Verhalten verfluchen, doch dem war nicht so. Ich durchdachte und verfluchte stattdessen manche längst vergangene Feigheit meiner selbst und spürte den Mut, damit zu brechen: Die Furcht hinter mir zu lassen, oder vor mir in der Keramikschüssel, deren Sitz sich angenehm warm und gleichzeitig kühlend an meinen Händen und meine Stirn anschmiegte, je nachdem, was ich gerade auf ihm ablegte. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es der Alkohol ist, der den Mut hervorruft oder ob es nicht viel eher das fehlende Schamgefühl ist. Sehr viel tiefer ging es nicht mehr, ich war bereits in Bußstellung auf den Knien. Vielleicht ist das der beste und schlechteste Moment zugleich, um einen Anruf zu tätigen oder zumindest einen Brief zu schreiben, der längst überfällig ist.

Wo die Welt noch in Ordnung ist (2)

Das Geräusch war unangenehm nah. Ich riss meine Augen auf und blickte wieder einmal in ein unfreundlich dreinblickendes Gesicht, welches auf mich herabschaute. „Was willst du hier?“, entfuhr es dem Gesicht und ich fühlte mich schutzlos. „Nichts“, erwiderte ich. Das unfreundliche Gesicht schien über diese Antwort zu grübeln, blickte mich jedoch weiterhin fest an, was mich umso mehr verunsicherte, je länger es andauerte, weshalb ich meinen Kopf ein wenig zur Seite legte und mich aufsetzte. Den Typen hinter mir zu wissen, machte die Situation nicht besser und ich drehte mich um. Er blickte mich weiterhin an. Ich sah in dem Moment, dass er einen Stock in der Hand hielt, der wohl nicht ganz zufällig die Form eines Baseballschlägers aufwies, was mein Gefühl der Angst nicht gerade verringerte. Aus einem Impuls heraus stand ich auf und stellte fest, dass dieser Typ einen Kopf kleiner war als ich. Zwar war der Prügel nicht verschwunden, aber unsere Größenverhältnisse gaben mir ein wenig mehr Selbstbewusstsein. Zudem hatte er genügend Zeit gehabt, mir mit dem Ding eines zu verpassen, also wenn er es bis jetzt nicht getan hatte, würde er es wohl auch nicht mehr tun, dachte ich mir und erklärte mich: „Ich suche hier nichts, außer dem Gefühl von Frieden.“ Die Sache mit dem Frieden schien ihn ein weiteres Mal zum Nachdenken anzuregen, seine Miene veränderte sich jedoch kaum, bis es plötzlich aus ihm herausbrach: „Ha, Frieden ist wohl das einzige, was du hier am Ende der Welt finden wirst, aber immerhin.“ Er ließ den Stock sinken und grinste über beide Backen. „Ich heiße Falk“, stellte er sich vor. „Hallo, Ben“, vollendete ich die Vorstellung und schloss die Frage an: „Wo kommst du her?“ Er zeigte mit dem Stock in Richtung der Straße, von der ich gekommen war. „Da kann man leben?“, fragte ich ihn ungläubig, denn sein Äußeres war ganz anders als jenes Dorf. Er hatte einen Sidecut und die übrigen Haare in rosa und lila gefärbt. Seine Jeans war zerrissen und auch das Flanellhemd hatte schon bessere Tage gesehen, aber er sah nach Leben aus, ganz im Gegensatz zu jenem Dorf. Er grinste mich nur an und nickte: „Doch doch, man kann da leben. Nunja, zumindest schlafen und essen.“ „Und wo lebst du dann?“ Er atmete tief ein und schien zu überlegen. „Weißt du, ich besuche gerade meine Großeltern. Zwangsweise zwei Wochen lang. Meine Mutter hatte mich satt.“ „Aha“, sagte ich und ahnte, dass da noch eine ganz andere Geschichte dazugehörte, die man keinem Menschen erzählt, den man eben erst kennengelernt hat. Bevor eine unangenehme Stille aufkommen konnte, fragte ich ihn: „Magst du was essen? Ich hab ein großartiges Menü in knapp 30 Minuten zubereitet, ich brauche nur meinen kleinen Gaskocher aus dem Auto.“ „Fleisch?“, entgegnete er. „Nö, nur Reis, rote Linsen, Kokosmilch, Zwiebeln und Curry.“ Er schien mit der Antwort zufrieden und nickte leicht mit dem Kopf.

Vernebelte Sinne

Die letzte Nacht endete vor drei Stunden in diesem meinem Bett und schon schlug ich die Augen wieder auf und fühlte das Verlangen, etwas zu tun. Oder die Augen wieder zu schließen. Die Vernunft gewann den Kampf, denn das sinnvollste nach einer durchmachten Nacht ist es, frühzeitig den Alkohol aus dem Körper zu spülen. Das erste Glas Wasser hatte ich intus, bevor ich das Bett verlassen hatte, ein zweites folgte nur wenige Minuten später. Einmal durch den Park laufen war der Plan, und eine neue Bestzeit kam dabei heraus, als ich wieder vor der Haustür stand. Ne sehr gute Minute schneller war ich und bestätigte mir damit mal wieder, dass so ein gewisses Maß an Restalkohol gar nicht so schlecht ist, wenn man Leistung erbringen will, einfach weil man noch zu benebelt ist, um den Druck zu spüren, der manche anspornen mag, mich jedoch ausbremst und zum Stolpern bringt.

Eine alte Dame meint im Vorbeigehen, dass man sich dehnen sollte, so lange es möglich sei. Sie sei früher um die Stadt gelaufen, bevor sie ihre Beine im Stich gelassen hätten. Ich atme noch schwer und bewundere sie für die Ausdauer, die gesamte Stadt zu umrunden, während ich schon nach dem Lauf durch den Park geschafft bin. Als sie weiterzieht und sich auf den Krückstock stützt, wird mir unwohl. Das muss ein beschissenes Gefühl sein, wenn man immer schnell unterwegs gewesen ist und sich plötzlich einschränken muss. Ihre fröhliche Art jedoch gibt mir Mut. Wir alle leben und werden dabei Leid erfahren. Das Lachen nicht zu verlieren ist die Kunst dabei, also bringe ich meine Dehnübungen zu Ende und stelle mich danach unter die warme Dusche.

Die meisten Menschen können nichts essen, wenn sie Sport getrieben haben. Ich kenne das zwar, aber sehr viel häufiger freue ich mich während des Laufens schon auf das Mahl danach und so ist es auch an diesem Morgen. Frische Brötchen tun ihr übriges. Die Erinnerung an die letzte Nacht lässt mich grinsen. Ich war als Beobachter unterwegs, nicht wie sonst als Beteiligter. Und die Rolle ist gar nicht so schlecht. Die Menschen wollen gesehen werden, manchmal auch nicht, aber mir entgehen die Szenen nicht. Nicht der vollkommen betrunkene Kerl, der nicht mehr so ganz Herr seiner Bewegungen ist und seinem auserwählten Schatz hinterherläuft, während diese nur die vornehme Flucht sucht. Dieses Spiel ist ungefährlich und gäbe es doch Grund zur Sorge, wäre der stämmige Kerl in dem schwarzen T-Shirt nur wenige Meter entfernt gewesen. Er ist immer da. Er feiert nie, aber er greift sofort ein, wenn gepöbelt wird oder der Unsinn gefährlich werden könnte. Er blickt immer düster drein, das muss bei Türstehern so sein. Doch ich danke ihm stillschweigend, denn er war es, der mal einem Typen einen Barhocker entriss, noch bevor er damit auf Leute losgehen konnte, über dem Kopf hatte dieser das Teil bereits und nur knapp zog er damit an mir vorbei. Ich bin nicht Whitney Houston und er nicht Kevin Costner, aber in der Situation war ich es nicht, der blutete, sondern er, mein Bodyguard. Es war nur eine Schramme und ich weiß gar nicht, wie er sich die geholt hatte, weil meine Augen geschlossen waren und jetzt in der Erinnerung fehlt mir die Möglichkeit, nach den Spuren dieses Kampfes zu suchen.

Es gab in der letzten Nacht keinen solchen Kampf, wenngleich mich irgendein Typ von hinten anschupste, so dass ich auf die zehn Zentimeter tiefere Tanzfläche stolperte. Ich blickte zurück und sah ihn grimmig schauen. In dem Moment stieg in mir ein Glücksgefühl auf und ich musste lachen. Der arme Kerl war offensichtlich frustriert, vielleicht sogar neidisch auf das Wohlgefühl, das mich mit meinen Freunden verband, während er allein neben der Tanzfläche stand und keine Beachtung fand. Ich tanzte ein wenig und suchte die Nähe des Mannes im schwarzen T-Shirt. Nur zur Sicherheit. Einige Meter weiter tanzte ein älterer Herr. Was hat es nur damit auf sich, dass das immer so merkwürdig aussieht? Mir gefällt seine Lust am Tanz oder an der Balz, wer weiß das schon so genau. Mir ist das lieber, als würde er allein in seinem Sessel sitzen und leise vor sich hin furzen. Ich verlor den Blick für ihn, denn mir wurde bewusst, dass ich inmitten von Frauen tanzte. War das meine Anziehung oder die Gegenwart des Bodyguards? Mir ist es egal, das Tanzen fetzte nun mehr denn je, bis…ja bis es zu einem „Kick“ kam. Der Kick, das ist der Moment, in dem der Rausch schlagartig abbricht und ich eine Welle von Realität verspüre. Dieses Mal wurde es vom DJ ausgelöst, der so mies mixt, dass es einem regelrecht den Tanzboden unter den Füßen wegzog. Aber es gibt dafür verschiedenste Gründe:

Neulich im Kino waren alle gefesselt. Mich riss eine Erinnerung aus dem Film. Ein Gemälde, welches ich erkannte und welches mich zwar weiter nach vorn starren ließ, mich aber in eine ganz andere Realität zog. Da kamen verdrängte Erinnerungen hoch, die sich nicht ausblenden lassen wollten. Und ich war gefangen in diesem Kino und musste mit den Gedanken kämpfen. So schlimm war es an dem Abend auf der Tanzfläche nicht, aber plötzlich fühlte ich mich deplatziert und so machte ich eine Pause mit dem Tanzen. Erst später als ich einen alten Freund entdeckte, fand ich mich im blitzenden Licht und auf dem klebrigen Boden wieder. Der gute Kerl gab mir ein Kompliment, dass er nicht glauben kann, dass ich jedes Mal so verdammt gut aussah. Der spätere Schmatzer auf die Wange war eine gute Bestätigung. Schon merkwürdig, dass Männer sich damit so schwer tun, denn es tut gut. Die Angst vor der Homosexualität dürfen die anderen verklemmten Idioten gern ausleben. Ich behalte mir meine Idiotie für andere Bereiche offen. Irgendeine Macke braucht ja schließlich jeder von uns oder nicht?

Der Katzenmann – Teil 9

Die Geschichte von vorn

Heinrich verspürte ein starkes Unbehagen und seine Hand zitterte, als er vorsichtig begann, Tiger zu streicheln. Er überlegte, ob er in der letzten Nacht beim letzten Mal, als er auf Toilette war, vergessen hatte, den Schlüssel umzudrehen. Wie sonst hätte Tiger die Tür öffnen sollen. Der Schlüssel steckte zumindest noch auf der Seite vom Schlafzimmer. Langsam beruhigte sich Heinrich wieder, setzte die sibirische Katze auf den Boden und stand auf, wobei er ein Kratzen an der Haustür vernahm.

Er öffnete sie, um nachzusehen und sah Sabine, die die Transportbox abstellte. Diese war sichtlich erschrocken und begann: „Oh, Entschuldigung. Ich ähm…wollte Sie nicht wecken Herr Kalkenrisse.“ „Hallo“, erwiderte dieser und fuhr fort: „die hätten Sie doch nicht extra bei mir vorbeibringen müssen.“ „Ach, ich hatte sie eh im Dienstwagen und da gehört sie nun einfach nicht hinein.“ „Und dann fahren sie extra zu mir?“ „Nein, ich war dienstlich hier, es gab einen weiteren…“, Sabine unterbrach ihren Satz. Sie schien neben sich zu stehen. „Was gab es?“ „Der Bäcker von Gegenüber ist heute Nacht ermordet worden.“ „Haben Sie deswegen versucht, die Box heimlich vor meiner Tür abzustellen?“, fragte Heinrich die Polizistin und bemerkte dabei, dass die Frage ihn hochgradig verdächtig machte, wenn Sie ihn bereits in Verdacht hatte. Ansonsten ergab die Frage gar keinen Sinn. Beide sahen sich wortlos an, dann beendete Frau Leiser das Gespräch: „Nun, hier ist die Box. Vielen Dank dafür und machen Sie es gut, Herr Kalkenrisse.“ Sie drehte sich um und ging.

Heinrich schaffte die Box in seine Wohnung und war verwirrt, ängstlich und wütend zugleich. Die Verwirrung kam vom Gespräch, in dem niemand etwas Genaues sagte und dadurch doch so vieles gesagt wurde. Die Ängstlichkeit kam vom erneuten Tod in seiner Umgebung. Die Wut aber, kam von den Worten Sabines. Sie nannte ihn Herrn Kalkenrisse. Kein Auf Wiedersehen, kein Garnichts. So erging es ihm immer wieder. Er lernte eine Frau kennen, entwickelte Gefühle für sie und dann war es abrupter vorbei, als es begonnen hatte. Seine Katzen verließen ihn nie. Viel schlimmer war, dass diese Frau scheinbar sogar Angst vor ihm hatte und ihn verdächtigte. „Verpiss dich doch, ich wünschte, ich wär dir nie begegnet“, entfuhr es ihm, während Tiger ihn von der Fensterbank aus anblickte.

Zum 10. Teil

Der Katzenmann – Teil 8

Die Geschichte von vorn

Als Heinrich nach Hause kam, saß Tiger in der Mitte des Flurs und leckte sich die rechte Pfote. Sie unterbrach ihr Tun, miauzte kurz und streifte dann dem Hausherrn um die Beine. Diesem gefiel die weibliche Aufmerksamkeit der letzten Tage und freute sich bereits auf morgen, wenn er Sabine wiedersehen würde. Heinrich streichelte Tiger gedankenverloren und plötzlich fauchte sie ihn an. Er war immer wieder überrascht darüber, dass Tiger den Unterschied mitbekam, doch dieses Mal erinnerte ihn das Fauchen an das, was der Bäcker erzählt hatte. Heinrich blickte Tiger an, erinnerte sich daran, wie sie gestern vor dem Hund davongelaufen war. Nein, das war zu absurd. Nie zuvor hatte Tiger ihn, Heinrich, gekratzt. Sie hatte anfangs die Krallen ausgefahren, wenn sie sich auf seinem Schoss befand, aber das hatte er ihr abgewöhnt, denn die Stelle war höchst ungünstig für haarfeine Spitzen. Es war ausgeschlossen, dass Tiger einen großen und stämmigen Mann, wie es der Bäcker war, angreifen konnte.

Plötzlich schoss ihm die Frage von Sabine wieder durch den Kopf, die wissen wollte, was Tiger denn gestern so getrieben hätte. Aber wie sollte man darauf kommen, dass seine Katze jenen Mann angefallen hätte, außer die zwei Todesfälle gingen auch auf ihre Rechnung. Wie soll denn eine Katze einen Menschen umbringen? Die Alte könnte an einem Herzinfarkt gestorben sein, weil sie sich erschreckte, aber Erik, der war viel zu kräftig. Es wäre wahrscheinlicher, dass dieser Tiger gequält hätte. Der Gedanke daran, ließ Heinrich erschaudern.

Da war zu viel Fantasie im Spiel und kein vernünftiger Polizist würde nach einer Katze als Täter ermitteln. Aber was, wenn doch? War Sabines…Frau Leisers Interesse nur vorgespielt? Sie verstand sich so gut mit Daria, das wollte Heinrich nicht glauben. Die Gedanken hörten nicht auf und zum ersten Mal seit Jahren schloss der Katzenfreund seine Schlafzimmertür hinter sich. Er ging sogar einen Schritt weiter und drehte den Schlüssel herum. Die Tür schloss er nie, weil die Katzen an die Türklinke sprangen und herein kamen. Doch Tiger war ihm in dieser Nacht nicht geheuer und den Lärm würde er schon ertragen können.

Hätte er gewusst, dass er bis in den frühen Morgen kein Auge zu machen würde, so hätte er sich die Sache mit er Tür auch sparen können, aber in der letzten Stunde vor dem Aufstehen überkam ihn doch noch der Schlaf. Aus seinen Träumen holte ihn nicht der Wecker, sondern eine raue Zunge, die seine Hand leckte. Er schreckte hoch. Die Tür stand offen, Tiger saß auf Heinrichs Bauch und blickte ihm in die Augen.

Zum 9. Teil