In Plastik verpackter Tod – Literallypeace.com

Ein weiterer Eintrag auf Literallypeace, bei dem ich mich mit dem Thema Tod beschäftige. Interessant hierzu sind dann natürlich die Einträge von der syrischen Seite, denn der Blick unterscheidet sich seit einigen Jahren gravierend von unserem.

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Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Ein guter Song

Seit einer Woche höre ich immer wieder ein Album von einem Künstler, der mir bis vor kurzem vollkommen unbekannt war und ich frage mich, welche Schlagzeile es war, die mich auf ihn aufmerksam machte. Es war merkwürdig über einen halben Monat auf ein Album von einem Musiker zu warten, den ich vorher nie gehört habe.

Ich tauge nicht zum Musiker, da würde ich mich beim Singen nie wohl fühlen, von meiner Befähigung mal ganz abgesehen. Mir ist jedoch klar geworden, wie sehr ich gute Songs mag und warum ich mich mit so manch hochgelobter Literatur so schwer tue: Die Länge bzw. die Kürze eines Textes. Ein Musiker hat dreieinhalb Minuten Zeit, um uns eine Geschichte zu erzählen. Gut, er hat dank Melodie eine gute Hilfe, Emotionen zu wecken, aber dennoch muss in wenigen Zeilen gesagt bzw. gesungen werden, was wirklich wichtig ist. Ich verstehe schon, dass Fontane seine Fans hat, aber braucht es für den Leser eine so detaillierte Schilderung oder genügen nicht klare und ehrliche Worte, die nicht drumherum reden? Ist nicht eben genau dies die Kunst?

Vielleicht ist es auch nur meine Faulheit im Lesen und auch im Schreiben, dass will ich nicht in Abrede stellen. Ich liebe gute Geschichten, nur Novellen liegen mir einfach mehr als dicke Romane. Nun hat mir ein sehr guter Freund zu meinem letzten Geburtstag ein dickes Buch geschenkt und es liegt fast unberührt auf meinem Bücherregal, irgendwie schade, aber ich habe die Befürchtung, dass ich das Ding niemals lesen werde, so wie es mit „Krieg und Frieden“ auch war. Ich habe es versucht, aber was genau wollte mir das Buch sagen? Ich werde es womöglich nie erfahren.

Und da bin ich bei der Frage, die sich mir stellt: Tue ich mich schwer damit, in eine Sache tief einzutauchen und hart dafür zu arbeiten? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass gerade dies der Knackpunkt in meinem Leben zu sein scheint: Mir immer wieder klar zu machen, dass es sich lohnt, wenn ich mich voll und ganz auf etwas konzentriere und daran arbeite. Dennoch bleibt meine Liebe für kurze und knackige Sätze. Sätze mit einer simplen Aussage, die gleichzeitig unheimlich tiefgründig sein kann, wie ein guter Song, der innerhalb von 210 Sekunden Tränen in die Augen treiben kann.

Lasst uns Rosinen picken

Hach ja, die gesteuerte Einwanderung und plötzlich sind Menschen wieder ein Gut, wie in den Zeiten der Planwirtschaft. „Wir brauchen gerade 20.000 Facharbeiter.“ „Kein Problem, da hätten wir welche aus Spanien, sonnengereift sind sie.“ Ja, Amerika oder Kanada zeigen uns, wie es geht, denn natürlich dürfen wir im wirtschaftlichen Wettrennen nicht stehenbleiben. Bevor ich jetzt aber ein weiteres Fass aufmache, dass sich mit einer zinsfreien Wirtschaft befasst (ein Fass, dass sich befasst…das war nicht mal Absicht), kehre ich zurück zum Thema.

Es wird ja gerade wieder heftig diskutiert, ob und wer überhaupt zu uns ins Land kommen darf. Aus ökonomischer Sicht ist das sinnvoll und wir haben ein System, welches sich der Ökonomie unterordnet. Es ist sogar noch viel praktischer, denn erfolgreich ist, wer besser als andere ist. Es ist doch also großartig, wenn wir den Krisenländern lediglich die Kräfte abnehmen, die sie zum Aufbau ihrer Wirtschaft brauchen. Gleichzeitig tun wir natürlich auch viel dafür, dass ihre Arbeitslosigkeit abnimmt, zumindest in dem Moment, wo wir die Menschen aufnehmen. Dass die gehemmte Wirtschaft dort auch zukünftig keinen Boden findet, weil die schlecht ausgebildeten Leute dort bleiben müssen, kann uns ja nur Recht sein, Absatzmärkte gibt es in Asien und Amerika genug

Wenn man die Einwanderung steuern möchte, dann in einem gesunden Verhältnis und dann heißt das eben, dass wir schlecht ausgebildete Leute auch ins Land lassen. Wir haben doch eh mehr als genug Ausbildungsplätze oder nicht? Zudem ist eine schlecht ausgebildete Person keine arbeitsunfähige Person, aber darüber will man ja gar nicht nachdenken. Gut ausgebildet bedeutet, dass sie arbeiten wollen und unseren Wohlstand sichern. Schlecht ausgebildet bedeutet gleichsam, dass sie nur das Sozialsystem belasten wollen. Man finde den Denkfehler.

Wie oft begegne ich Menschen, die gerne weniger arbeiten würden und dafür auch weniger Geld in Kauf nehmen würden. Hier sind so einige willige Arbeiter, die sich vielleicht sogar lieber mit Teilzeit anfreunden, weil sie gern in ihre Heimat zurück wollen in Zukunft. Ich weiß, ich mache mir die Sache zu einfach, denn eine zweite Person bedeutet auch mehr Kosten für den Betrieb. Aber leben wir nicht in einer sozialen Marktwirtschaft? Klebt dieses Etikett nicht irgendwo an der Fassade des Bootes, in dem wir alle sitzen?

deep down

Diese Kälte am Morgen, sie behagt mir nicht, aber im Gegensatz zu all den anderen Leuten werde ich gleich ins Warme aufbrechen. Es ist nur ein kurzer Zwischenstopp nötig, um aus den sauberen Klamotten in den schon etwas versteiften und salzigen Blaumann zu wechseln. Danach geht es ab in den Fahrstuhl und hinab in dunkle Gewölbe. Aber das stimmt gar nicht, Gewölbe, das klingt so klein und eng und dabei sind die Decke und Wände hier viel höher und weiter, als jeder Raum, den ich zuvor sah, na vielleicht kommt die alte Schulsporthalle an diese Maße ran, aber da war es nur eine Halle und kein kilometerlanges Konstrukt. Was mich zudem an die Turnhalle erinnert, ist die Wärme hier unten. Sie ist aber anders, viel trockener, was sie so angenehm macht. Tja und düster…nun, düster ist es hier nur in den unausgeleuchteten Gängen, aber eigentlich strahlen die weißen Wände jedes kleine bisschen Licht ab, so dass aus der tiefsten Nacht der hellste Tag wird. Ein guter Freund bedauerte mich einmal für diese Arbeit, weil sie so anstrengend sei und man so dreckig dabei wird. Das stimmt, sie ist anstrengend und man sehnt sich bei der Auffahrt schon auf die nassen Strahlen, um das staubige Salz aus den Haaren und von der Haut zu waschen, aber dafür weiß ich nach einem Tag harter Arbeit, was ich geschafft habe. Ich falle am Abend zufrieden und müde ins Bett, das kenne ich auch anders. Mir gefällt es hier unten, die Wärme, die Stille und meine Kumpel, die mir die langen Fahrten in den Gängen durch ein Gespräch verkürzen und die mich hier rausholen würden, wenn mir etwas zustößt. Das ist für uns selbstverständlich. Vielleicht ist das hier kein Traumberuf und manch einer würde lieber zehn Kilometer in der Luft fliegen, als einen Kilometer unter der Erde zu arbeiten, aber vermutlich bewegt es einen Pilot nicht so sehr wie mich, wenn ich am Nachmittag mit dem Aufzug nach oben fahre und mich dann auf einmal die Sonne begrüßt.

Aua…

Es gibt so Tage… Der heutige war so einer… Das Handy weckte mich, doch der Griff danach ging ins Leere, weil das Handy in der anderen Ecke des Raumes lag…sehr ungewohnt. Also aufgestanden, den Wecker deaktiviert und sich einfach wieder ins warme Bett geschmissen. Clever war das nicht, aber ich fühlte mich danach. Als ich dann endlich aufstand, blieben mir noch knapp 25 Minuten, um zur Arbeit zu kommen, aber ein Ben geht nicht ohne zu duschen aus dem Haus…so viel Zeit muss sein. Keine Ahnung, wo die Zeit dann einen Sprung gemacht hat, aber als ich aus dem Bad kam, waren die 25 Minuten verstrichen…ich vermute ja, dass ich einfach noch einmal eingeschlafen bin, als ich mir die Zähne putzte. Also fix angezogen und ab aufs Rad, um mit dem rotköpfigen Nachbarn zeitgleich loszufahren und auch anzukommen. Nein, ich würde ihn nicht fragen, ob er mich im Auto mitnimmt, weil er nicht so aussieht und weil ich ja auch wieder nach Hause radeln will.

Der Tag zog sich dann gummiartig in die Länge und mir raubte die Beantwortung der Mails und Telefonate den letzten Nerv. Okay, es war eher der Auszubildende und die alte Mitarbeiterin, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, sich hinter dem Rücken Anderer über eben jene auszulassen oder uns mit ihren „spannenden“ Geschichten zu langweilen. Mich wundert immer, dass sie für 4 Stunden angestellt ist, denn der Job würde sich in einer Stunde erledigen und am Telefon ruft sie eh immer nach uns, damit wir das Gespräch übernehmen…amüsant, dass es mich heute so richtig nervte, während ich da sonst gelassen bleibe. Ich spürte nun mittlerweile die Kopfschmerzen, die ich bereits unter der Dusche vernahm und die ich in Verbindung mit den Nasenbluten am Morgen setzte…wirklich nicht mein Tag.

Zurück zum Büro, was ich dann irgendwann einfach verließ, als die Stimmen zu laut wurden und ich mich fragte, wie ich die Kunden am Telefon verstehen soll. Die Tür hinter mir geschlossen, atmete ich entnervt aus, was mein Chef sah und mich aufmunternd ansprach, obs heute so schlimm sei. Ich nickte und damit war dieser Akt abgehakt. Wenn jene alte Schnattertante dann endlich verschwunden ist, wird der Tag besser…zumindest sonst…heute blieb er zäh und wurde von meinem sonst so liebgewonnenen Arbeitskollegen noch zusätzlich sabotiert, als er die Annahme eines Telefonats verweigerte, welches ich damit annehmen „durfte“…der alte Mann am anderen Ende tanzte auf dem dünnen Ende meiner Nerven, aber ich blieb freundlich und bewahrte die Ruhe.

Endlich brachen die letzten Minuten meiner Schicht an und bis jetzt glaube ich, dass in dem Moment irgendwo in China ein Sack Reis umfiel, denn eine Wende trat ein. Nein, eigentlich war es eine Frau, die eintrat. Und was für eine. Ich blickte zu ihr und saß wie festgebunden auf meinem Stuhl, während mein Kollege ihr erklärte, wo die Geräteausgabe ist. Sie blickte dabei immer wieder zu mir rüber, aber womöglich verängstigt, wenn ich so überlege, wie ich sie ansah…eben wie ein sabbernder Teenager. Sie ging wieder und mein Arbeitskollege sah mich verwundert an. Okay, also wieder nur eine Schönheit in meinen Augen? Ist mir egal, es war eine Schönheit! Und was für eine! Ich weiß nicht, wie lang ich noch so dasaß und vor mir hinstarrte, bis mir klar wurde, dass ich ja wusste, wo ich sie finden würde. Sie war gerade fertig und am Gehen, aber fühlte sich am falschen Ausgang. Immerhin dabei durfte ich ihr noch dabei helfen, den richtigen Weg zur Bibliothek zu finden und musste feststellen, dass sie eine Ausstrahlung besaß, die mich einfach nur schwer beeindruckte. Zurück im Büro grinste ich zum ersten Mal an diesem Tag.

Die Schicht war zumindest vorüber und ich verabschiedete mich. Zum Einkaufen. Und da saß ein putziger Hund auf der Straße, der nicht angebunden war. Okay, putzig ist das falsche Wort, da denkt man an so ein kleines Hündchen, das war er nicht. Aber ein alter Hund, der brav auf sein Frauchen wartete und ich wartete mit ihm. Zuhause gabs ne Pizza…nicht lecker, aber wenigstens warm. Und dann kam eine Nachricht. Einer guten Freundin geht es mies…also schnell den Rucksack gepackt und losgeradelt. Sie wusste nicht, dass ich sie auf Arbeit überraschen würde, aber ich wollte es so. Eine Tüte Lachgummis, dann noch mehrere Beutel türkischen Apfeltee, eine Flasche des 2011er Bacchus, der für einen besonderen Moment aufbewahrt wurde und Dostojewskis  „Der Idiot“ ausgepackt und ein breites Grinsen damit ausgelöst. Nun sitze ich wieder Zuhause und habe einfach das Gefühl, dass der Tag doch gar nicht so schlecht gewesen ist, zumal der Abend noch aussteht…