Staub

Sie hatten mich gebeten Staub zu wischen. Ich verstand das, denn tatsächlich fand sich allerorts eine leichte Staubschicht, die mir höchst unangenehm war. Ich hatte mein Fenster offengelassen und die Bauarbeiten vor der Tür waren der Grund für die Staubdecke, die ich sonst allsonntäglich wegwischte. Nun war es Mittwoch und ich hatte sie bisher ignorieren können, doch nachdem ich darauf hingewiesen wurde, sah ich sie überall. Ich spürte eine Wut in mir aufsteigen. Den ganzen Tag musste ich den Baulärm ertragen Und nun wurde ich zusätzlich gedemütigt. Ich bekam große Lust, meine Schuhe anzuziehen, mir meinen Schlüssel zu greifen und draußen die Bauabsperrungen umzutreten, damit sie morgen von meinem Widerstand – Nein – von meiner Revolte erfahren würden.

Hin und zurück

Der schwarze Belag ist weggekratzt, als hätte man ein übergroßes Messer über den butterigen Asphalt gezogen. Auf dem anthrazitfarbenen Überbleibsel steht ein orangenes Männchen und lässt seine Maschine auf die Flecken einhämmern, die nicht vom Messer erwischt wurden. Es klingt nach einem fernen Maschinengewehr, das seine Salven unaufhörlich abfeuert. Nach einigen Stunden kommen sie wieder und streichen mit einem stumpfen Messer einen schwarzen Brotaufstrich. Er ist perfekt. Das Maschinengewehrfeuer wird verloschen sein. Dafür rollen die Reifen darüber und Motoren und Hupen künden vom alltäglichen Wahnsinn. Es ist die Flut, die des Abends zur Ebbe wird. Ein Hin und ein Zurück ganz ohne Ziel. Jeden Tag hin und zurück. Und am Wochenende erneut hin und zurück, nur woanders. Hin und zurück, hin und zurück, hin und zurück…