50 Shades of Tiefkühlpizza

– Oder warum eine Peitsche die Menschen nicht glücklicher macht –

Nun hat sich der Hype ja hoffentlich so langsam gelegt und mit ihm auch die Kritik. Den Film habe ich nicht gesehen und auch die Bücher hielt ich nie in Händen. Ich hatte bereits meine Berührungsmomente mit BDSM. Man bekommt heute die heftigsten Pornos frei Haus geliefert und wenn ein Paar Probleme hat, dann liegt es meist am Sex, so scheint die Denke zu sein. Dass der Sex vielleicht einfach schlecht ist, weil die Beziehung im Arsch ist, auf den Gedanken kommt man dann zwar doch noch ganz gern, aber das Rezept scheint aktuell zu sein, dass man das Sexleben dann einfach ein wenig anheizt. Offenheit in der Beziehung wird verwechselt mit dem Ausprobieren einer sexuellen Spielart und so verändert sich rein gar nichts. Der aktuelle Hype um BDSM ist für mich vergleichbar mit der Entdeckung eines besonderen Gewürzes, das wir uns auf unsere Tiefkühlpizza schütten. Die Pizza scheint endlich wieder lecker zu sein und alles ist in Ordnung. Der fade Geschmack ist noch nicht in Sichtweite, aber er wird nicht lange auf sich warten lassen und dann kommen wir hoffentlich mal auf die Idee, dass wir wieder selbst kochen sollten. Am besten mit dem Partner. Und dabei offen miteinander umgehen. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit eigenen Wünschen und Gefühlen.
p.s.
Die Zweitüberschrift erklärt sich wohl selbst 😉

Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Der Satz gefällt mir ehrlich gesagt, weil er ein Beispiel dafür ist, wie falsch er gern ausgelegt wird. Wer soll hier eigentlich prüfen und wen? Das ist die Frage, die man sich selbst stellen sollte und die Antwort sollte einer reflektierten Person nicht schwer fallen. Es ist schon erstaunlich, dass unser Leben so sehr von dem Wunsch eines Lebenspartners bestimmt wird. Das fängt schon früh an, wenn man die Filme sieht, die einem zeigen, dass man lange Schlachten schlagen muss, um am Ende in den Armen des Partners zu liegen. Die Geschichten erzählen dann natürlich nicht weiter, denn da sind ja alle glücklich und zufrieden, daran besteht kein Zweifel, haben sich die zwei Menschen doch nun zusammen gefunden.

Erst neulich zeigte mir ein Freund einen Animationsfilm, in dem ein unscheinbarer Kerl zum Superhelden mutiert. Von Beginn an, geht es ihm dabei aber viel mehr um die Erlangung jener Frau, als darum, Gutes zu tun. Die Liebe als Motor unserer Taten…na das ist schon was dran…traurig eigentlich. Der Film endet dann damit, dass unser Superheld seine Kräfte ablegt und sein Leben riskiert, um ein kleines Mädchen zu retten, seine Hoffnung hatte er bereits aufgegeben und findet sich, dank dieser Tat nun doch in ihren Armen wieder. Ja, das wäre das typische Ende, aber dieser Kurzfilm will uns eine letzte Szene nicht vorenthalten und erst diese Szene macht den Film interessant. Sie kommt geschafft heim oder putzt, während er gemütlich im Sessel sitzt und ein Buch liest. Nun regt sie sich auf und alles weitere ist eigentlich egal. So lange hielt also der Wunsch an, für sie besonders sein zu wollen und etwas zu tun. Es ist nun ein anderes Kapitel, dass es einfach logisch ist, sich die Arbeit zu teilen, denn Lust auf Abwasch usw. hat kein Mensch, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Worum es mir geht, ist doch die Frage, weshalb unser Held eigentlich jene Frau an seiner Seite haben wollte. War es ihr üppiges Dekolleté, welches per Nahaufnahme jedem Zuschauer vor Augen geführt wurde oder war es einfach nur der Wunsch, nicht mehr allein zu sein?

Und nun prüfe man einfach mal, warum man gerade nach einer Beziehung sucht? Ist es wirklich diese eine interessante Frau und warum muss schon vorher klar sein, wohin es gehen soll? Warum werden Gedanken gesponnen und Überlegungen angestellt, wie es wohl aussehen könnte in der Zukunft und wie perfekt alles wäre? Es erscheint dann plötzlich ganz wichtig, sofort diese Beziehung zu haben, wie ein Spielzeug, das man immer wieder mit großen Augen angeschaut hat. Die andere Person ist dabei gar nicht so relevant, sonst würde sie nicht so überhöht dargestellt. Fehler und Macken werden übergangen. Es geht weniger darum, einen Menschen zu erleben und ihm begegnen zu dürfen. Ich erwische mich selbst bei solchen Gedanken, erschrecke mich dabei und prüfe mich dann wieder…nicht die andere Person, denn die wird schon passen, wenn sie sich ebenso prüft oder es bereits weiß. Will ich eine Beziehung und warum will ich sie? Wird mein Glück davon abhängen, eine Beziehung zu führen? Dann werde ich auf ewig ein unglücklicher Mensch sein, denn mein Glück wird niemals wirklich das Meinige sein.

Ich liebe es, mit einer Frau im Bett zu liegen, ihr über die Haut zu fahren, ihren Duft einzuatmen, sie einfach bei mir zu spüren. Das geht nicht mit jeder Frau und deswegen kommen wohl auch mir manchmal jene Gedanken, wenn ich dann eben doch einer besonderen Frau begegnet bin, bei der ich mich einfach wohl fühle und die mich zum Lachen bringt. Aber muss dann zwangsläufig eine Beziehung daraus werden? Und noch viel wichtiger: Muss man deswegen darüber nachdenken? Immer wenn ich mich dabei ertappe, wie mir solche Gedanken kommen, prüfe ich mich. Ich nehme mir eine Auszeit und denke nach. Ja und am Ende weiß ich dann, dass es nur die blöde Romantik war, die man mir als Kind in den Kopf setzte. Und dann kommt mir ein ganz anderer Gedanke, nämlich der, dass ich diese andere Person vollkommen frei kennenlernen möchte. Ich möchte mich selbst nicht gefangen nehmen lassen von dem Wunsch, mit ihr zusammen zu sein. Gegen die Anziehung kann man nur schlecht ankämpfen, sie steht einer vollkommen freundschaftlichen Annäherung womöglich im Wege, aber sie ist auch ehrlich und muss deswegen auch nicht verleugnet werden. Anziehend darf man sich finden, aber den Film mit der Fahrt in den Sonnenuntergang…ja, den sollte man ganz schnell wieder ausblenden.

Das ist jetzt ein großes Gedankenchaos, was ihr da gerade lesen durftet, aber es sind Gedanken, die durch die letzten Blogeinträge von Freunden, durch jenen Film und natürlich auch und im Besonderen durch mein eigenes Leben inspiriert sind. Sie sind ungefiltert, aber ehrlich…

Die richtigen Worte – Wie es begann

Nur zu gern ließ Ben sich an dem großen, ausgeblichenen Holztisch nieder. Auf der Oberfläche fanden sich bereits einige Tassenränder, die Ben im Eifer des Gefechts nicht wegwischte, sondern sich stattdessen allein auf das laute Klackern seiner Schreibmaschine konzentrierte. Er verfluchte das Schreiben an der Maschine, denn sein Verleger verlangte immer nach einer digitalen Version seiner Texte, aber allein das Geräusch der Tasten ließ seine Gedanken die wunderschönsten Sätze formen und zu Papier bringen. Sein Nachbar Tom aus der Wohnung über ihm war ein geselliger Kerl, der gern mal ne Feier auf der Dachterrasse schmiss und Ben jedes Mal dazu einlud. Sie waren keine besten Freunde, doch auch mehr als nur zwei wildfremde Menschen, die sich stillschweigend im Hausflur begegneten.

Es war mal wieder so ein Abend auf der Terrasse und Ben war am Tisch, der mit Wein und Köstlichkeiten gedeckt war, in ein Gespräch mit Tom vertieft, als dieser von einem Bekannten weggezogen wurde. Ben blieb am Tisch stehen und ging im Kopf das Gespräch durch, als er von einer weiblichen Stimme angesprochen wurde, ob er ihr einen Wein einschenken könnte. Da die Flaschen entweder bereits leer oder noch verschlossen waren, öffnete er eine neue und hob sie, um der unbekannten Frau einzuschenken. Er hielt in der Bewegung inne, als er zum ersten Mal ihr Gesicht wahrnahm.

Die Frau zog ihre Augenbrauen in die Höhe und hielt ihr Glas in die Richtung von Ben, der sich wieder fing und ihr von dem Weißwein einschenkte. „Hallo, ich bin Ben“, sagte er und vernahm als Antwort nur: „Vielen Dank für den Wein, Ben.“ Und schon verschwand die schöne Unbekannte wieder in der Menge. Ihm war nicht danach, ihr hinterher zu jagen und grinste stattdessen ob ihrer Dreistigkeit vor sich hin. Er blickte sich nach Tom um, der in dem Moment wieder zu ihm trat. „Kennst du die Frau dort drüben?“, fragte er Tom und nickte in Richtung der Unbekannten. „Das ist Julie und sie ist…ein wenig eigen“, antwortete  der Gefragte zögerlich. Ben sah ihn fragend an. „Nun, die ist lesbisch. Ich hab sie noch nie mit einem Kerl gesehen und zudem blockt sie alle Typen ab“, meinte Tom. „Du meinst, sie hat dich abblitzen lassen, richtig?“, erwiderte Ben. Tom nickte mit einem selbstironischen Lächeln. Es war typisch für Ben, dass er aussprach, was er dachte und gerade in solch einer Situation schien er immer genau zu wissen, was jemand verschwieg oder dachte. Die beiden Nachbarn sprachen noch eine Weile weiter, bis sich Ben wieder verabschiedete. Die Unbekannte hatte er abgehakt und er würde sich an diesem Abend mit Sicherheit nicht verrückt machen. Stattdessen ging er in die Kneipe bei ihm ums Eck und flirtete dort mit der Kellnerin, um das angekratzte Ego wieder zu stärken und später ohne nervige Gedanken einzuschlafen.

Einige wenige Wochen später sah Ben die Unbekannte beim Einkaufen und musste schmunzeln, weil sie vor dem Weinregal stand. Er ging auf sie zu, während sie das Etikette las und sprach sie direkt an: „Könntest du mir einen Wein einschenken?“ Sie blickte verdutzt hoch, sah Ben an und es schien in ihrem Kopf zu rattern. Dann erinnerte sie sich. „Hallo Ben…“, begrüßte sie ihn und fuhr fort: „du hast nicht zufällig einen Korkenzieher dabei oder? Oh und ich heiße Julie.“ Ben nickte nur grinsend und antwortete: „Ich weiß und nein, ich habe leider keinen dabei.“ Einen kurzen Moment ließ er sie im Ungewissen und erklärte dann, dass er Tom gefragt hätte. Sie sprachen weiter, während sie den Einkauf fortsetzten und tauschten am Ende die Telefonnummern aus. Ben tat sich oft schwer damit, eine Frau anzusprechen, aber da diese ja eh auf Frauen stand, fiel es ihm erstaunlich einfach. Julie war ihm von Grund auf sympathisch und ihr ging es nicht anders mit ihm.

Es sollten zwei Jahre vergehen, in denen sie sich immer mal wieder über den Weg liefen, bis sie ihm eines Nachts eine Nachricht schrieb, ob er Zeit hätte, sie bräuchte heute Abend Gesellschaft. An diesem Abend erfuhr er von dem Exfreund, von dem sie sich ungefähr zu der Zeit trennte, als sie Ben das erste Mal traf und der sich nun plötzlich wieder in ihr Leben zu drängen versuchte. Er lebt in New York und sei nun für ein paar Monate in der Gegend. Er schrieb ihr erst, dann trafen sie sich. Anfangs tat er freundschaftlich, doch immer mehr zeigte sich, dass er sie besitzen wollte, so wie er im Leben alles besitzen wollte. Es waren die nächsten Wochen, die aus den zwei Menschen Julie und Ben, die sich gelegentlich über den Weg liefen, jene engen Freunde machte, die sich mit einem Mal in einer Umarmung und einem nicht enden wollenden Kuss wiederfanden. Eine Beziehung, die eigentlich eine Freundschaft war und von der niemand etwas wusste.

Kommune (2)

Rahel und ich zogen durch das Hin und Her mit den alten und neuen Mitbewohner einige Male um. Wir taten uns schwer, ob wir unsere Zimmer oben oder unten nehmen sollten. Das war eine Frage von Bequemlichkeit und Luxus, aber wir entschieden uns dafür, die Treppen zu sparen und so fanden sich im Erdgeschoss, neben einem großen Wohnzimmer mit der Küche, unsere beiden Zimmer.

David tauchte häufig in meinem Zimmer auf, dessen Tür meist offen stand. Er durfte sich zu Recht eingeladen fühlen, denn er erinnerte mich an mich selbst, als ich in seinem Alter war. Es ging meist um Herzensangelegenheiten und das Unverständnis, warum Beziehungen immer wieder scheiterten, egal ob von seiner oder von Seiten der Frau aus. Ich hatte meinen Lebensweg gefunden und genoss die Gegenwart von meiner guten Freundin Rahel. Es gab diese Eifersucht nicht mehr, die ich früher spürte, sondern eine Form von Liebe, die mir zuvor nicht erdenken konnte. Es war ehrlicher, denn es ging eben nicht um das Körperliche, sondern allein um den Menschen an sich. David musste diese Einsicht selbst erlangen. Natürlich hätte ich ihm auch all meine Erkenntnisse offenlegen können, aber sie galten nur für mich und mein Leben und zudem hätte er meine Erkenntnisse jeden Tag sehen können, dazu musste er nur beobachten, wie Rahel und ich miteinander umgingen. Unsere drei Untermieter hielten uns anfangs sogar für ein Pärchen, welches seine Zuneigung verheimlicht, dabei gingen wir ganz offen mit unserer Liebe um, die ganz ohne Sex und Küsse auskam.

Susanne war ein fröhlicher Mensch. Sie hatte nie eine wirkliche Beziehung geführt und zweifelte an sich, ob sie es jemals dazu bringen würde oder ob sie dafür nicht geschaffen wäre. Ich musste schmunzeln, als sie mir davon erzählte. Sie war so unkompliziert und voller Liebe, dass mir klar war, dass sie eines Tages einem ganz besonderen Menschen begegnen würde, der sie liebte und den sie lieben durfte. Sie passte perfekt in unsere Kommune, so dass ich mir nicht vorstellen wollte, wie sie uns eines Tages verlassen würde, aber es würde geschehen, da war ich mir sicher.

Unser jüngster Mitbewohner, Joel, wuchs uns sofort ans Herz. Nur zu gern passten wir auf Sarahs Knirps auf, der jedoch gut geübt im Schreien war und mir damit so manches Buch verdarb, welches ich in der Stille des Wohnzimmers lesen wollte. Aber spätestens, wenn er ruhig neben einem lag oder einen angluckste, konnte man gar nicht anders, als diesen kleinen Schreihals wieder sofort ins Herz zu schließen. Sarah war meist unterwegs, um im Architekturbüro zu arbeiten. Sie war dort lediglich Sekretärin, wenngleich ihr Können und ihre Ausbildung sie zu mehr qualifizierten. Als Mann hätte man ihr mit Sicherheit schon einige Projekte anvertraut, aber diesen Gedanken behielt ich für mich, denn es war ihr Leben.

Vielleicht war dies das Geheimnis für das gute Funktionieren unserer Gemeinschaft. Jedem wurde geholfen, wenn es gewünscht war, aber jeder lebte auch sein Leben, ohne dass man eine Einmischung zu befürchten hatte.

Fensterscheibe

Die Stadt war aus dem Auto heraus kaum zu erkennen, nur blasse Lichter hinter der beschlagenen Scheibe. Der Wunsch sie als Malfläche zu benutzen, war mir noch inne, doch anders als früher, behielt ich meine Hände bei mir und strich stattdessen den Smoking glatt. Mein Blick fiel auf die schlummernde Frau neben mir. Komisch, dass ich sie als Frau neben mir bezeichne, während ich sie doch schon so lange kenne.

Sie war damals in einem Club eingeschlafen und von ihren Freunden allein gelassen worden. Ich brachte sie zum Taxi, gab dem Fahrer die Adresse, die auf der Rückseite ihres Ausweises stand und genügend Geld, damit er sich über sein Trinkgeld nicht beklagen konnte. Als sie damals im Taxi saß und ich die Tür schloss, sah ich mein Spiegelbild, welches sich über ihr abzeichnete. Der junge Mann sah fröhlich aus, vermutlich weil er wusste, eine gute Tat getan zu haben. Eine Woche später sah ich sie wieder in jenem Club, sie erkannte mich und war so dankbar. Wir unterhielten uns den ganzen Abend. Irgendwann waren wir zusammen.

Das ist nun Jahre her und ich erinnere mich, wie es damals war. Wie schön es sich anfühlte, eine verwandte Seele gefunden zu haben, doch unsere größte Gemeinsamkeit war unsere Einsamkeit. Wir hatten in Wirklichkeit nichts gemein und es kam mir so vor, als könnte ich ihr nicht geben, was sie brauchte, während ich nicht brauchte, was sie mir geben konnte.

Sie sah so schön aus, wie sie so dalag. Als das Taxi anhielt, um uns heraus zu lassen, bat ich den Fahrer, noch kurz zu warten. Ich trug sie nach oben und legte sie in unser Bett. Ich zog ihr die hochhakigen Schuhe aus, deckte sie zu und verließ unsere Wohnung um vorn wieder ins Auto zu steigen und wegzufahren. Hier waren die Scheiben kaum beschlagen, dennoch nahm ich die vorbeiziehenden Lichter nur verschwommen war, während ich meine Gedanken schweifen ließ.