Dümmer geht (n)immer

Ich habe mich mal darüber ausgelassen, dass das Internet nur für Pornografie genutzt wird und nicht für mehr politische Teilhabe. Es ist interessant, wie wenig man ahnt, was noch alles kommen wird. Mittlerweile werden empirische Tatsachen angezweifelt und mit einem komplexen Konstrukt an Scheinfakten widerlegt. Die Erde ist plötzlich nicht mehr rund und vermutlich wird demnächst sogar die Schwerkraft in Zweifel gezogen. Lief das damals eigentlich genauso ab? Also damals in der Antike, als es die Griechen schon erkannt hatten, dass es eine Krümmung geben muss und die Erde nicht flach sein kann. Fing es damals auch mit irgendwelchen Idioten an, die wildeste Fantasien veröffentlichten? Zumindest wissen wir jetzt schon mal, worauf wir uns einstellen können: Ein dunkles Mittelalter, aus dem das Erwachen vermutlich noch schwerer wird, weil unsere Medien nicht mehr in Latein auf Papier geschrieben stehen, sondern auf vergänglichen Datenträgern in einer hochgradig artifiziellen Sprache. Ich wünsche den Wesen, die das in einigen hundert Jahren auslesen wollen, viel Erfolg dabei. Diese Zeilen hier werden sie leider nicht lesen, dessen bin ich mir sicher.

Ich frage mich nach dem Grund dieser Wissenschaftsverdrossenheit. Woher kommt es, dass man Tatsachen misstraut? Sind es Filme wie „Matrix“, die unsere Gesellschaft so unfähig gemacht hat, noch bei Verstand zu bleiben, weil sie die Realität infrage stellen? Wird die Religion unseres zukünftigen Mittelalters auf den Schriften der Wachowski-Geschwistern beruhen? Schlussendlich lief das bei Jesus doch auch nicht anders ab. Ein paar Leute haben eine Geschichte aufgeschrieben und die Menschen glaubten daran. Aber ich möchte Christen nicht verunglimpfen oder jedwede andere Religion. Ich habe keine Ahnung, was die Wahrheit ist. Ich zweifle jedoch nicht an Fakten. Ich sehe mit Besorgnis, dass Universitäten schließen bzw. dass bestimmte Fächer nicht mehr angeboten werden und auch in der Schule zu kurz kommen.

Werden immer mehr Menschen verrückt oder nehme ich sie nur mehr wahr, weil das Internet ihnen die Möglichkeit gibt, sich anonym mitzuteilen? Ich sehe auch keinen Grund dies einzuschränken, denn auch die absurdeste Idee kann die Grundlage für eine wundervolle Geschichte sein. Ich liebe Geschichten. Ich liebe aber auch die Realität und ich habe Angst, dass sie verloren geht. Ständig geht es um Terror und wir assoziieren damit Menschen mit einem bestimmten Glauben. Irgendwie stimmt das auch, nur dummerweise prangern wir eine Religion an. Es ist aber keine Religion, sondern der Aberglaube von Paranoiden, den ich als Terror empfinde. Die westliche Welt geht nicht wegen einer Religion unter. Sie geht unter, weil sie sich nicht um ihre Kinder kümmert und ihnen solides Wissen vermittelt. Sie geht unter, weil der Kopf nach dem Besuch der Pornoseiten offenbar leergeblasen genug ist, um an eine Erde als Scheibe zu glauben und um überall Verschwörungen zu „erkennen“.

Immer schön einfach

Es ist schon über ein Jahrzehnt her, da sprachen Politiker von Verdrossenheit. Sie suchten die Schuld bei sich und fanden eine Erklärung, die mir damals nicht schmeckte, mittlerweile weiß ich weshalb.

Man hätte Sachverhalte nicht gut genug erklärt, sondern kompliziert diskutiert und deshalb würden immer weniger Menschen zur Wahl gehen. Das war damals die Ansicht und dementsprechend müsste man sich darin üben, Sachverhalte einfach darzulegen. Die kurzfristige und einfache Lösung wurde gesucht und der Weitblick vergessen.
Die Frage ist doch, ob Politik komplizierter geworden ist und deshalb simplifiziert werden muss? Ich bezweifelte es damals und ich tue es noch heute. Interessant ist doch viel eher, dass man gleichzeitig auf die Idee kam, Sozialkunde und Geschichte zusammenzulegen. Ein Lehrer, der Geschichte unterrichtet, soll auch Sozialkunde unterrichten. Dieses eine Fach, welches sich der politische Bildung annimmt, darf verkommen. Denn das Resultat aus dieser Idee ist, dass nicht ein politikbegeisterter Mensch ein Fach unterrichtet, von dem es ganz nebenbei mehr als eine Stunde in der Woche bräuchte, sondern eben ein geschichtsbegeisterter, welcher über einen schnellen Weg zu einem Soziologieabschluss kommt. Soziologie als Drittfach auf Lehramt ist eine unheimlich leichter Abschluss und kein eigenständiges Studium, welches zum Denken anregen würde.

Man hatte also bemerkt, dass den jungen Menschen das Interesse an Politik verloren ging. Statt in der Schule ein Fach zu fördern, welches das Verstehen für die Prozesse im Parlament und in der Gesellschaft vermitteln kann, lässt man es lieber verkümmern. Stattdessen vereinfacht man Politik lieber. Und wundert sich, warum die Menschen plötzlich jenen hinterherlaufen, die keine Lösungen kennen, sondern nur Probleme benennen, die zu lösen wären, von denen aber behauptet wird, dass wir sie nicht schaffen könnten.